Wie groß ist der ökologische Fußabdruck deiner Webseite?

Mit dem Internet und digitalen Services sparen wir Ressourcen? Von wegen! Doch es gibt Stellschrauben – schon bei der Wahl des Website-Hosts und der Programmierung. Mit dem Website Carbon Calculator kannst du den ökologischen Fußabdruck deiner Webseite checken und erfahren, wie man nachhaltig programmiert.

Autor Sarah-Indra Jungblut, 13.01.20

Übersetzung Sarah-Indra Jungblut:

Bisher haben wir das Internet und digitale Services mit der Überzeugung genutzt, damit Ressourcen zu sparen, da Papier und Tonträger durch reinen Datentransfer ersetzt werden. Doch Stück für Stück offenbart sich eine andere Realität: Unser Datenverkehr ist für einen enormen Energieverbrauch verantwortlich – genau genommen beläuft sich dieser aktuell auf rund 416.2 Terrawatt im Jahr. Das entspricht dem Stromverbrauch des Vereinigten Königreichs. Von Rechenzentren über Übertragungsnetze bis hin zu den Geräten, die wir in unseren Händen halten, all das verbraucht Energie und sorgt damit für steigende CO2-Emissionen. Nicht mit einberechnet sind hier die Ressourcen, die in der Produktion eingesetzt werden.

Damit gehören das Internet und digitale Services zu den Top Ten der globalen CO2-Emittenten und wir müssen uns dringend und umfassend damit beschäftigen, wie wir unseren digitalen Fußabdruck verkleinern. Teil der Lösung ist es, zu verstehen, woraus sich dieser Energieverbrauch zusammensetzt. Zum Glück holt die Forschung auf. Es hat sich zum Beispiel gezeigt, dass zum Beispiel das Streamen von Bewegtbild Klimakiller Nummer eins ist und sich auch die Milliarden von Suchanfragen weltweit zu vielen Tonnen CO2 summieren. Mehr dazu in unserem Artikel: Digitaler Fußabdruck – Unser Ressourcenverbrauch im Netz.

Ressourcenverbrauch fängt bei der Programmierung und der Wahl des Hosts an

Doch neben den Services, die wir nutzen, gibt es noch weitere Ebenen, die einen erheblichen Einfluss auf unseren Energieverbrauch haben, wenn wir online unterwegs sind. Dazu gehört unter anderem auch das Design einer Webseite. Eine durchschnittliche Webseite produziert 4.61 Gramm CO2 bei jedem Seitenaufruf. Bei Webseiten, die im Schnitt 10.000 Seitenaufrufe im Monat haben, macht das 553 Kilogramm CO2 im Jahr. Doch es gibt Stellschrauben, wie Programmierer*innen und Besitzer*innen den Fußabdruck ihrer Webseiten verkleinern können. Unterstützung, wie man das angehen kann, kommt dabei zum Beispiel vom Website Carbon Calculator. Die von Wholegrain Digital entwickelte Seite spuckt nach der Eingabe der URL die Höhe der CO2-Emissionen jedweder Webseite aus. Zudem zeigt der Carbon Calculator Möglichkeiten, wie der CO2-Verbrauch einer Webseite bei der Programmierung nach unten geschraubt werden kann.

Wie funktioniert das?

Die Berechnung der CO2-Emissionen einer Website geschieht im Carbon Calculator anhand von fünf Schlüsseldaten, mit deren Hilfe das Team verspricht, eine ziemlich gute Schätzung vornehmen zu können: Der Datentransfer über das Kabel (gemessen werden die Daten, die über die Leitung übertragen werden, wenn eine Webseite geladen wird), die Energieintensität von Webdaten (Energie wird im Rechenzentrum, in den Telekommunikationsnetzen und vom Computer oder Mobilgerät des Endnutzers verbraucht. Da dies für jede Website und jeden Besucher variiert wird ein Durchschnittswert verwendet), die vom Rechenzentrum genutzte Energiequelle (hierzu wird mit der Datenbank der Green Web Foundation (GWF) abgeglichen, ob das Rechenzentrum grüne Energie verwendet), die Kohlenstoffintensität der Elektrizität (hier wird ein internationaler Durchschnitt genommen) und der Website-Verkehr. All diese Informationen zusammen ergeben eine ziemlich gute Vorstellung von den Emissionen, die ein durchschnittlicher Benutzer beim Besuch einer bestimmten Website verursacht. 

Aktuell wird nur die Startseite einer Website getestet, Wholegrain Digital plant aber, später eine erweiterte Version mit der Möglichkeit bestimmte interne Seiten zu testen zu veröffentlichen.

Auf geht’s ans CO2-Emissionen schrumpfen

Am Ende einer Berechnung steht eine Zahl auf dem Bildschirm. Doch was heißt diese eigentlich? Auch hier hilft der Website Calculator weiter – indem Vergleichswerte angezeigt und besonders sparsame Webseiten vorgestellt werden. Diese Websites nutzen zum Beispiel komprimierte Bilder, effiziente Dateiformate und „leichte“ Schriften und vermeiden so überladene Frameworks. Außerdem nutzen sie einen grünen Website-Host. Weitere Tipps zur nachhaltigen Gestaltung von Websites sind hier zu finden: 17 ways to make your website more energy efficient

MARKIERT MIT
logo_dbu
© DBU
Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Fokus: RESET.org erhält eine Projekt-Förderung der DBU

Vor wenigen Wochen ist die finale Bestätigung bei uns eingegangen: Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert in den nächsten zwei Jahren unsere Themen-Dossiers fachlich und finanziell. Schon nächste Woche geht's los!

So verkleinerst du deinen digitalen Fußabdruck

Unsere digitale Welt hat einen enormen Fußabdruck. Jede Suchanfrage, jedes gestreamte Video und jedes in der Cloud abgelegte Foto verbraucht Energie – und ist damit für steigende CO2-Emissionen verantwortlich. Doch auch online kannst du mit kleinem Fußabdruck unterwegs sein.

Der digitale Fußabdruck – unser Ressourcenverbrauch im Netz

Jede einzelne Suchanfrage, jedes gestreamte Lied oder Video und jede Art von Cloud-Computing, milliardenfach ausgeführt, überall auf der Welt, ist für einen global immer größer werdenden Strombedarf verantwortlich – und damit auch für steigende CO2-Emissionen. Das digitale Zeitalter stellt uns vor große Herausforderungen.

E-Mails löschen, Umwelt schonen: Tipps für ein grünes Mailkonto

Schon gewusst, dass deine gespeicherten E-Mails permanent Strom verbrauchen? Deinen Posteingang zu „entrümpeln“ ist also ein einfacher Weg, deinen Energieverbrauch zu reduzieren.

WEtell: Der erste nachhaltige Mobilfunkanbieter im Interview

Es gibt keinen nachhaltigen Mobilfunkanbieter in Deutschland - noch! Wir haben mit Alma Spribille gesprochen, die mit ihrem Team genau das umsetzen will.

Doppelte Transformation: Digitalisierung braucht saubere Energie

Der EU kommt eine Schlüsselrolle zu, um die voranschreitende Digitalisierung zugleich nachhaltig zu gestalten und hier auf erneuerbare Energien zu setzen.

Grüne Suchmaschinen

Wir geben eine Suchanfrage ein und innerhalb von Sekunden erhalten wir eine lange Trefferliste. Was den wenigsten bewusst ist: Für diesen Vorgang sind große Mengen Energie nötig. Grüne Suchmaschinen wie Ecosia versuchen das auszugleichen.

Umweltproblem: Mobiltelefon

Inzwischen hat fast jeder in Deutschland ein Mobiltelefon zur Verfügung. Und die Verlockung ist groß, sich regelmäßig das neueste Modell zu besorgen, weil dies noch ein paar Funktionen mehr hat oder einfach die Optik gefällt.

Faire IT – Gibt es „bessere“ Smartphones und Computer?

Für Kleidung, Kaffee, Schokolade und andere Lebensmittel gibt immer mehr Siegel und Zertifizierungen, die deren faire und umweltgerechte Herstellung bescheinigen. Doch für Smartphones, Computer und andere smarte Geräte gibt es bisher nichts Vergleichbares. Hier findest du Tipps, wie du trotzdem einen Beitrag für faire IT leisten kannst.