Zum Ende von Windows 10: „End of 10“ gibt deinem alten PC ein neues Leben

Wenn im Oktober der Support für Windows 10 ausläuft, muss das nicht das Ende deines Computers sein. Die Kampagne „End of 10“ zeigt, wie du ihn mit einem neuen Betriebssystem schnell, sicher und umweltfreundlich weiter nutzt.

Autor*in Lana O'Sullivan:

Übersetzung Sarah-Indra Jungblut, 16.06.25

Die Uhr tickt für Millionen Nutzer:innen von Windows 10. Am 14. Oktober 2025 – ironischerweise am internationalen Tag des Elektroschrotts – wird Microsoft den Support für Windows 10, eines seiner weltweit genutzten Betriebssysteme, einstellen. Damit sind schätzungsweise 200 bis 400 Millionen Computer Sicherheitsrisiken ausgesetzt. Ein Großteil von ihnen wird wahrscheinlich auf dem Schrottplatz landen und sich auf die 62 Millionen Tonnen Elektroschrott addieren, die sich schon jetzt weltweit jedes Jahr als giftiger Müllberg auftürmen. Und das, egal ob der Computer eigentlich noch geschmeidig läuft oder nicht. Dazu kommen noch hohe CO2-Emissionen, die bei der umweltschädlichen Produktion neuer Geräte anfallen. Damit ist diese drohende „Zwangsveralterung“ ein massives ökologisches Problem.

Die KI von morgen, das Problem von heute: Wie giftiger Elektroschrott uns und dem Planeten schadet

Generative KI (GAI) erobert die Welt – in mehr als einer Hinsicht. Eine neue Studie beleuchtet die weitestgehend unbekannten Auswirkungen von Elektroschrott und zeigt, was dagegen getan werden kann.

Aber was wäre, wenn es einen Weg gäbe, diesen Kreislauf aus Massenproduktion, erzwungenen Upgrades und unnötigem Abfall zu umgehen? Diesen Weg gibt es bereits und die Kampagne „End of 10“ unterstützt dabei.

„End of 10“: Der günstigste und umweltfreundlichste Computer ist der, den du bereits besitzt

Wenn du einen PC besitzt, auf dem Windows 10 läuft, dann sind bei dir im letzten Jahr vielleicht auch schon Vollbild-Benachrichtigungen auf deinem Bildschirm aufgepoppt, die dazu auffordern, dein aktuelles Geräte durch ein neues zu ersetzen. Und das, selbst wenn dieses auf Windows 11 aktualisiert werden könnte. Vielleicht also genau der richtige Zeitpunkt, dich nach einer Alternative umzuschauen.

Die globale Initiative „End of 10“, die 2024 weltweit gestartet wurde, will Nutzer:innen von Windows 10 helfen, ihrem alten Rechner ein neues Leben zu geben. Sie mobilisiert ein globales Netzwerk, um die Botschaft zu verbreiten, dass der günstigste und umweltfreundlichste Computer der ist, den man bereits besitzt. Die Lösung ist bemerkenswert einfach. Es geht lediglich darum, von Windows 10 auf Linux umzusteigen.

Linux ist ein kostenloses, sicheres und quelloffene Betriebssystem, das bereits auf Millionen Produkten, von Smartphones bis hin zu Supercomputern, läuft. Sogar die Roboter, die derzeit den Mars erkunden, nutzen das Betriebssystem. Das Besondere an der Open-Source-Software Linux ist, dass sie unglaublich flexibel und anpassungsfähig ist. Und Linux kann ältere Rechner, die Windows 11 nicht mehr unterstützen, länger laufen lassen.

Besuch bei Topio: Marktstand für nachhaltige und Google-freie Handys

Auch dein altes Smartphone hat mehr Potenzial, als du denkst! Mit alternativen Betriebssystemen wird es schneller, sicherer und von Datenkraken befreit. Der Verein Topio hilft Interessierten bei der Umstellung.

Der Umstieg von Windows auf Linux mag technisch weniger versierte Nutzer:innen vielleicht abschrecken. Daher werden die Nutzer:innen von Windows 10 auf der Seite von „End of 10“ bei jedem Schritt unterstützt. Die Kampagnen-Seite bietet wertvolle Infos – von der Installation über Fehlerbehebung bis hin zu Support-Möglichkeiten.

Die Vorteile von Linux gehen nach Meinung vieler weit darüber hinaus, als „nur“ den eigenen Computer länger behalten zu können. Zum einen nervt Linux weniger mit ständigen Updates. Es ist anpassungsfähiger und ermöglicht Nutzer:innen, die grafische Oberfläche zu optimieren und Designs und Bootloader nach Belieben auszutauschen. Im Gegensatz zu Windows, wo sich das Deinstallieren eines Programms wie das Entschärfen einer Bombe anfühlen kann (wir meinen dich, Microsoft Edge!), ermöglicht Linux die einfache Deinstallation von Software.

Außerdem gibt es abgesehen von der praktischen Seite noch ideologische Gründe, sich der Linux-Bewegung anzuschließen. Der unerbittliche „Datenhunger“ der Tech-Giganten bleibt ein anhaltendes Problem, und Microsoft ist in diesem Bereich ein bekanntes Beispiel. Sowohl Windows 10 als auch – noch schlimmer – Windows 11 sind berüchtigt für die umfangreiche Sammlung von Benutzerdaten. Dabei werden mehr Daten gesammelt, als für das Funktionieren der Anwendungen notwendig sind. Ebenso sind viele Sicherheitsexpert:innen hinsichtlich der Einhaltung der Privatsphäre beunruhigt.

Eine globale Gemeinschaft von Freiwilligen gegen gierige Tech-Giganten

„End of 10“ setzt bei seiner Kampagne auf einen kooperativen Ansatz. Ein weltweites Netzwerk von Einzelpersonen und Organisationen bietet in Reparaturcafés und Community-Tech-Hubs auf der ganzen Welt Beratung und Unterstützung bei der Installation – von Idaho über Indonesien bis zum Iran. Die Community veröffentlicht außerdem eine wachsende Liste mit bevorstehenden Veranstaltungen, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Auf der Website heißt es, das Ziel sei einfach, „als große FOSS-Familie (Free and Open Source Software) zu sprechen. Wir möchten, dass die Kampagne und die Aktivitäten alle unsere Communities repräsentieren.”

nachhaltige Digitalisierung

Wie sieht eine grüne digitale Zukunft aus?

Elektroschrott, CO2-Emissionen durch KI, Wasserverbrauch von Rechenzentren – aktuell scheint  die ungezügelte Digitalisierung nicht mit einem gesunden Planeten vereinbar. Doch es gibt viele Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung – wir haben sie recherchiert:

„End of 10“ ist überzeugt, dass der Umstieg praktisch keine Nachteile hat – im Gegenteil. „Wenn du dich für Linux entscheidest, erhältst du alles, was du für den täglichen Gebrauch benötigst, und derselbe Rechner kann jahrzehntelang funktionieren. Ob du arbeiten, ein Unternehmen führen, in Verbindung bleiben oder dich entspannen möchtest – die mit Linux gelieferte Software ist blitzschnell, benutzerfreundlich und immer unter deiner Kontrolle.”

dbu-logo

Dieser Artikel ist Teil des Dossiers „Digital und grün – Lösungen für eine nachhaltige Digitalisierung“, in dessen Rahmen wir Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung vorstellen. Wir danken der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für die Projektförderung!

Du willst keinen Artikel zum Thema verpassen? Dann abonniere unseren Newsletter oder RSS-Feed und folge uns auf Mastodon, Bluesky oder LinkedIn!

„Digital for Good“ ist wichtiger denn je: So fängst du damit an

Fühlst du dich erschöpft und entmutigt von aktuellen Nachrichten? Wir auch! Lass uns also gemeinsam etwas dagegen unternehmen! Zusammen können wir uns in Richtung „Digital for Good“ bewegen.

Der Klimawandel wird aus US-Nationalparks verbannt. „Save our Signs“ setzt auf Crowdsourcing gegen das Vergessen

Unter Trumps Regierung werden in Nationalparks Schilder und Ausstellungen entfernt, die auf den Klimawandel, Umweltschutz oder Ungleichheiten hinweisen. Die Initiative "Save our Signs" archiviert sie im digitalen Raum.

Internetblockade im Iran: Mit Snowflake kannst du Menschen trotzdem Netzzugang ermöglichen

Mit Snowflake kannst du den Menschen im Iran helfen, die strenge staatliche Internetzensur zu umgehen, ohne deine Daten oder Sicherheit zu gefährden.

Skobots
©
Wie SkoBots indigene Sprachen in den USA retten sollen

Skobots soll Kindern in den USA indigene, traditionelle Sprachen beibringen. Der tragbare Roboter ist zudem gemeinschaftsorientiert und interaktiv.

Teilnehmer:innen in einem Kurs des Kwale Tech Hubs
© Kwale Tech Hub
Kwale Tech Hub verbessert die digitalen Kompetenzen marginalisierter Gemeinschaften an der Küste Kenias

Die Einführung der Schulungsprogramme von Kwale Tech Hub ist ein Meilenstein in den ländlichen Küstenregionen Kenias: Die Jugend kann damit an der wachsenden Tech-Wirtschaft des Landes teilhaben.

Dein Smartphone als wichtiger Erdbebensensor

Erdbebenkartierung aus deiner Hosentasche? Beschleunigungsmesser in Mobiltelefonen liefern Daten, um das Phänomen besser zu verstehen und unsere Städte sicherer zu machen.

Das Projekt Map Kibera bringt die Slums von Nairobi auf die Landkarte

Von unbeschrifteten Gassen bis hin zu wichtigen Wasserstellen, im Projekt Map Kibera erstellen die Bewohner:innen von Kibera ihre eigene digitale Karte. Damit bringen sie ihre Gemeinde auf die Landkarte der Stadt – und der Welt.

So kontert „The Engine Room“ Fake News in Lateinamerika

Inmitten der Echokammern der sozialen Medien ist es schwieriger denn je, Zugang zu korrekten und hochwertigen Informationen zu erhalten. The Engine Room begegnet Fake News mit der Förderung gesünderer Informationsökosysteme.