Wohin fließen eigentlich die Gelder der deutschen Entwicklungshilfe?

Wenn man sich in der Vergangenheit darüber informieren wollte, wieviel Geld die deutsche Entwicklungshilfe wofür ausgibt, dann musste man sich durch einen unübersichtlichen Berg an Daten und Informationen graben, der von der OECD oder dem BMZ zur Verfügung gestellt wurde. Christian Kreutz von der Open Knowledge Foundation hat diesem Problem nun Abhilfe geschaffen.

Autor Jean-Marie Dhur, 06.03.13

Um Übersichtlichkeit und Klarheit in das Datenknäuel zu bringen hat Christian Kreutz das Projekt „Offene Entwicklungshilfe“ gestartet. Kernstück des Projekts ist eine Webseite, auf der anhand von verständlichen Grafiken aufgezeigt wird, wieviel Geld in welchen entwicklungspolitischen Bereich geflossen ist – nach Ländern sortiert.

Durch diese Aufklärungsarbeit wird Journalisten, Mitarbeitern von Organisationen die in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind und allen interessierten Bürgern die Möglichkeit gegeben, ein Grundverständnis für die komplexen Finanzströme der Entwicklungsdienste – sowohl staatlicher als auch nicht-staatlicher – zu bekommen. Da die meisten entwicklungspolitischen Akteure bisher wenige oder sehr unübersichtliche Informationen über ihre Ausgaben veröffentlicht haben, kommt Christian Kreutz‚ Projekt eine wichtige Rolle zu im Prozeß der Schaffung von mehr Transparenz in diesem Bereich.

110.775 EZ-Projekte aus den Jahren von 2000 bis 2011 wurden in „Offene Entwicklungshilfe“ mit einbezogen. Die Summe der ausgegebenen Mittel für diese Projekte beläuft sich auf insgesamt etwa 129 Milliarden US Dollar. Anhand der Grafiken kann man zum Beispiel sehen, dass mit über 17 Mrd. Us $ innerhalb der Zeitspanne am meisten für den Schuldenerlass und mit 16 Millionen am wenigsten für den Bausektor ausgegeben wurde, oder dass fast 2 Mrd. für Hilfe der Agrarwirtschaft aufgewendet wurden.

Als weiteres Beispiel kann man in einer der Grafiken sehen, für welche 5 Top-„Schwerpunkte“ in welchem Jahr wieviel Geld wofür ausgegeben wurde. Daraus läßt sich dann z.B. erkennen, dass in Mali im Jahr 2005 fast gleich viel für Wasser und für die Agrarwirtschaft ausgegeben wurde, wohingegen 2011 etwa 7 mal mehr für Agrawirtschaft als für Wasser ausgegeben wurde.

Da viele Organisationen, die in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv sind, (noch) keine Daten über ihre Projekte veröffentlichen, sind die Möglichkeiten von „Offene Entwicklungshilfe“ noch längst nicht ausgereizt, und die Statistiken nicht deckungsgleich mit den tatsächlichen (unbekannten) Zahlen. Es wäre sehr wünschenswert, wenn nun auch die in der EZ tätigen Organisationen etwas für mehr Transparenz tun würden und die relevanten Informationen veröffentlichen würden. Eine Starthilfe hat Christian Kreutz mit „Offene Entwicklungshilfe“ jedenfalls schon geschaffen.

Via netzpolitik.org

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