„Wir machen Wald.“ ForestFinance Gründer Harry Assenmacher im Interview

Harry Assenmacher, Gründer von ForestFinance

Mit Investments in Wälder macht ForestFinance vor, wie nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis aussieht. Wir sprachen mit Gründer Harry Assenmacher über Innovationen in der Forstwirtschaft und die soziale Verantwortung von ForestFinance.

Autor Sarah-Indra Jungblut, 29.02.16

 

Um den Wald als Rohstoff-Pool gibt es weltweit heftige Auseinandersetzungen. Täglich fallen tausende Bäume, um den begehrten Rohstoff Holz verfügbar zu machen und landwirtschaftlichen Flächen Platz zu schaffen. Und dort, wo Wälder zur Holzgewinnung bewirtschaftet werden, stehen in den meisten Fällen Monokultur mit „Turbo“Bäumen.

Ein alternatives Modell verfolgt ForestFinance. Seit über 20 Jahren setzt sich die Unternehmensgruppe für eine ökologische, nachhaltige Forstwirtschaft ein. Mit Waldinvestments hat ForestFinance zum Ziel, ein Wald-Wirtschaftssystem zu entwickeln, das allen Beteiligten Vorteile bringt. Seit Mitte der 90er Jahre forstet ForestFinance ökologische Mischforste in Panama auf, seit einigen Jahren auch in Vietnam, Kolumbien und Peru und verwandelt den Wert dieser zertifizierten nachhaltig angelegten Wälder in ökonomische und ökologische Investitionsprodukte.

Im Interview mit Harry Assenmacher, dem Gründer von ForestFinance, sprachen wir darüber, wie moderne, nachhaltige Forstwirtschaft aussieht, über das eigene Label RootProof und die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort.

RESET: Herr Assenmacher, Sie betonen, dass eine Geldanlage bei ForestFinance keine Investition in „nur“ Holz ist, sondern in Wald. Welchen Mehrwert haben ihre Wälder für das Ökosystem? Wie stellen Sie das sicher?

Assenmacher: Wir machen Wald und zwar standortgerechten Mischwald. Unser Produkt ist nicht Holz, sondern Wald und all die Werte, die dieser zur Verfügung stellt. Wald ist Grundlage für Biodiversität, speichert Wasser, CO2 und schützt Böden vor Erosion. Und Wald produziert auch Holz oder andere Rohstoffe – wie z. B. Kakao. Während der Laufzeit entstehen Werte, die nicht mit einer Schlussernte wieder verschwinden, denn wir ernten gezielt einzelne Bäume oder andere Produkte des Waldes, ohne das System selbst zu zerstören. Das ist der wichtigste Unterschied zu Monokulturen, die eine Ertragsmaximierung zum Ziel haben, aber nicht das Entstehen von Wald.

Alle Wald-Investmentprodukte aus unserem Hause beruhen auf nachhaltiger Waldwirtschaft und der Grundidee, dass solche Investments mit hohem ökologischen Anspruch für alle Beteiligten – Natur und Mensch – profitabel sein können und sich positiv auf sie auswirken.

Und wir prüfen diese Effekte, bzw. lassen diese überprüfen. Dafür arbeiten wir eng mit vielen internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Die positiven Effekte unserer Wälder auf die Biodiversität belegen unter anderem Studien der TU München sowie der Universität von Panama. Mehr als 20 Prozent unserer Wälder sind reine Schutzwälder, die wir komplett aus der Bewirtschaftung genommen haben.

Darüber hinaus lassen wir unsere Projektflächen regelmäßig von unabhängigen dritten Organisationen prüfen und validieren. Dafür greifen wir unter anderem auf drei international anerkannte Qualitätsstandards für Waldprojekte zurück: Forest Steward Council (FSC) Standard, UTZ Certified und Goldstandard.

Wie sieht moderne, nachhaltige Forstwirtschaft bei ForestFinance aus? Mit welchen innovativen Technologien arbeiten Sie?

Fortschrittliches und nachhaltiges Forstmanagement steht bei ForestFinance im Fokus. Das beginnt bei Arbeitssicherheitsschulungen sowie dem konsequenten Einsatz von Schutzkleidung und -geräten und geht bis zur Nutzung von innovativen Werkzeugen zur effizienten Holzernte und -bearbeitung. Unsere Forstingenieure arbeiten unterwegs mit mobilen Datenverarbeitungs-Systemen, die eine exakte Datenerfassung erlauben. Wir arbeiten an unseren Projektstandorten mit digitalen Karten und Luftaufnahmen, um den Fortschritt unserer Aufforstungsaktivitäten zu überwachen und zu dokumentieren.

Zu den eingeführten forsttechnischen Neuerungen gehören unter anderem: Digitales Monitoring über Satellitenbilder, Permanentparzellen im Forst-Monitoring, Mischwaldstruktur im kleinflächigen Mosaiksystem, Vervielfältigung von eigenem Pflanzmaterial aus den Baumschulen, um neue Quellen für die Bereitstellung von einheimischen Setzlingen für den lokalen Markt zu gewährleisten, Holztrocknungsverfahren und Schutzvorkehrung für das gefällte Holz, Einführung von Agroforst-Komponenten in kommerziellen Plantagen (Kakao, Feldfrüchte, Cashew etc.),
Umwandlung von Monokulturen zu Mischkulturen mit höherer Biodiversität und Stabilität.

Es existieren zudem enge Kooperationen mit Universitäten, die besonders aktiv im Bereich Forstwirtschaft sind (Technische Universität München, Universität Hamburg sowie die Hochschule Rosenheim) und Organisationen wie der GIZ.

Wir versuchen uns ständig weiterzuentwickeln und auf dem neuesten Stand. Dabei fungieren wir oftmals auch als Forstpartner von anderen Organisationen und Firmen. Ein Beispiel: In Ägypten erarbeiten wir derzeit in Kooperation mit der TU München und den ansässigen Universitäten ein Projekt zur Nutzung von Abwässern zur Bewirtschaftung von brachstehenden Flächen und Wüstenregionen.

Sie versprechen fair produzierte Ware mit Herkunftsnachweis. Wie machen Sie dies transparent?

Transparenz ist bei uns ein zentrales Thema. Dafür erstellen wir regelmäßig Berichte und informieren unsere Kunden und Interessenten mithilfe zahlreicher Medien über den Fortgang.

Und natürlich wissen wir nicht nur, woher genau die Rohstoffe aus unseren Projekten stammen, wir kennen auch die Geschichten zu den Menschen, die im betreffenden Projekt arbeiten und wir kennen die Bedingungen, unter denen das Holz entstanden ist oder der Kakao getrocknet wird. Dieses Wissen können wir weitergeben. Wenn also ein Honiglöffel aus Akazienholz in unserem TreeShop verkauft wird, können wir dem Kunden genau sagen, wo das Holz herstammt und was drum herum passiert ist. Das signalisieren wir mit dem RootProof-Logo und erzählen über unsere Website die Geschichte zum Produkt. Mit diesem Label garantieren wir, dass die Rohstoffe und Produkte nachhaltig und fair erzeugt wurden.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort aus? Geben Sie ihr Wissen zur Verbesserung bestehender Plantagen oder zu deren Aufbau weiter?

Wir arbeiten tatsächlich sehr eng mit der Bevölkerung vor Ort zusammen. In Las Lajas – unserem ersten Forstgebiet in Panama – ist ForestFinance einer der größeren Arbeitgeber. Allein in Panama beschäftigen wir aktuell 150 Mitarbeiter dauerhaft in Aufforstungsprojekten – viele dieser Menschen sind Angehörige der lokalen indigenen Bevölkerung (Ngöbe-Buglé).

Aber gerade das Wie dieser Zusammenarbeit ist uns wichtig: Deshalb fördern wir nicht nur hier in Deutschland, sondern auch in den Projektländern ein offenes Miteinander, das auf die Motivation und Mitwirkung jedes einzelnen Mitarbeiters baut. Unsere Mitarbeiter sind die Basis unseres Unternehmenserfolges und letztendlich auch unserer Produkte. Genau aus diesem Grund investieren wir stetig in ihre Aus- und Weiterbildung und bemühen uns, ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen. Damit unsere Philosophie aufgeht, stehen die nachhaltige lokale Entwicklung und eine permanenter Wissensaustausch zwischen allen Ländern immer im Fokus – dabei geht es nicht nur darum, Wissen an unsere Arbeiter in den Aufforstungsgebieten weiterzugeben, sondern auch von ihrem Wissen zu profitieren. Denn sie kennen die Bedingungen vor Ort meist am besten.

Weitere entscheidende Punkte sind die verantwortungsvolle Landsuche und -nutzung. Nur in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung ist es möglich, langfristig und erfolgreich echten Wald mit ökologischem Mehrwert zu schaffen und keine raschen Profit versprechenden Plantagen.

Außerdem sind wir der festen Überzeugung, dass Tropenwaldschutz nur dann wirklich effektiv sein kann, wenn die lokale Bevölkerung von Anfang an eingebunden wird. Von Anfang an bedeutet für uns auch, dass wir uns vor Ort stark mit verschiedenen Maßnahmen in Sachen Umweltbildung an Schulen engagieren, um schon die Kleinsten mit dem Thema Natur- und Umweltschutz vertraut zu machen. In Las Lajas haben wir z.B. einen öffentlichen Naturlehrpfad eröffnet, der durch den artenreichen Mischwald in einem der ältesten Aufforstungsprojekte führt.

 
ForestFinance ist Kooperationspartner von RESET und fördert die RESET-Themenwelt „Neues Wirtschaften„.
Baumsparen statt Bausparen: Der Wald als Geldanlage

Geld anlegen und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Das geht. Mittels Baumsparvertrag, Waldsparbuch oder als Eigentümer einer Waldparzelle kann jeder in nationale und internationale ökologisch nachhaltige Aufforstungsprojekte investieren und Rendite erzielen.

Schütze den Wald!

Um die Wälder unser Erde steht es nicht zum Besten: weltweit werden pro Minute Waldflächen in der Größe von 35 Fussballfeldern abgeholzt – für Toilettenpapier, Coffee-to-go-Becher, Bio-Sprit und Steaks. Es gibt viel, was Du dagegen tun kannst!

Wälder – Unsere grüne Lunge

Unsere Wälder sind Lebensraum, Rohstofflieferant, Erholungsort und Klimaschützer in einem. Doch sie verschwinden weltweit weiterhin erschreckend schnell – dabei brauchen wir die Wälder als grüne Lunge unserer Erde und Speicher für CO2. Es ist eine internationale Herausforderung, den Wald zum Nutzen der gesamten Menschheit zu erhalten und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung weltweit voranzubringen.