Wie Satelliten beim Ausbau erneuerbarer Energien helfen können

Zwei Beispiele zeigen, welche Rolle Satelliten bei der Energiewende spielen können.

Autor Leonie Asendorpf, 09.02.21

Übersetzung Leonie Asendorpf:

Satelliten können dazu beitragen, den Umwelt- und Klimaschutz voranzutreiben. Insbesondere wenn es darum geht, sich einen Überblick über große Land- oder Wasserflächen zu verschaffen, stellen Aufnahmen aus dem All ein wichtiges Werkzeug dar. Auch beim Ausbau von erneuerbaren Energien können sie einen einen großen Vorteil bieten.

Glint Solar: Standortsuche für schwimmende Solaranlagen

„Schwimmende Solaranlagen sind das nächste große Ding in der Solarenergie“, steht auf der Website von Glint Solar. Bei dem norwegischen Unternehmen steht „floating solar“ im Mittelpunkt, also Solarstromanlagen, die auf mit Luft gefüllten Containern schwimmen.

Die solare Stromerzeugung auf Wasserflächen hat einige Vorteile, denn es wird Platz auf dem Land gespart und die Solarzellen werden vom Wasser gekühlt, was zu einer Steigerung der Energieeffizienz führt. Besonders auf künstlichen Wasserflächen, wie Wasseraufbereitungsanlagen oder stillen Gewässern in Steinbrüchen, Küstenregionen oder Seen, können schwimmende Solaranlagen eine gute Alternative bieten. Doch die Suche nach einem geeigneten Standort ist bisher sehr mühselig und zeitaufwendig.

Satellitendaten über Sonneneinstrahlung, Wind, Wetter und Wellen

Hier setzt das Unternehmen aus Norwegen an. Mit Satellitenaufnahmen der ESA erstellt Glint Solar eine Durchführbarkeitsanalyse auf Basis standortspezifischer Daten, um so die Standortsuche für neue Photovoltaikanlagen zu erleichtern. Projektleiter*innen sollen so zuverlässige Daten über die jeweiligen Bedingungen und die Beschaffenheit eines Gewässers erhalten. Die Aufnahmen geben Auskunft über die Sonneneinstrahlung, grundlegende Wetterdaten sowie Informationen zur standortspezifischen Beschattung, Wind, Wellen, Wasserschwankungen und Luftverschmutzung. Der „Site Evaluator Engine“ (SEE), das Analyse-Tool des Unternehmens, gleicht die standortspezifischen Daten mit der Datenbank von Glint Solar ab und erstellt einen Bericht, der eine Rangliste von Installationsmöglichkeiten mit dem geschätzten Ertrag, dem Kostenaufwand der Installation und der Dauer, bis sich der finanzielle Aufwand rentiert, enthält.

Mit dieser Methode soll der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben werden. Unterstützt wird Glint Solar dabei von einem Förderprogramm der ESA in Norwegen (Business Incubation Centre Norway) und einem Förderprogramm der norwegischen Regierung (Innovation Norway).

Solarmapper: Eine interaktive Karte für Standortanalyse für Solaranlagen im Südwesten der USA

Ähnlich wie Glint Solar setzt das US-amerikanische Unternehmen Solarmapper auf Solarenergie, allerdings für Solaranlagen, die auf dem Land installiert werden. Auf einer interaktiven Karte können Nutzer*innen verschiedene Informationen sammeln, die für die Auswahl eines geeigneten Standorts wichtig sind. Auf verschiedenen Kartenebenen werden Informationen über die Landnutzung und vorherige Solarenergie-Projekte, beispielsweise dem Programm des Bureau of Land Management (eine Behörde des US-amerikanischen Innenministeriums, die sich um die Verwaltung und wirtschaftliche Verwertung von öffentlichem Land kümmert) angezeigt. Bisher sind die Informationen nur für den Südwesten der USA verfügbar.

Die Karten stehen kostenlos zu Verfügung und lassen sich herunterladen und ausdrucken. Die Webanwendung wird vom Office of Energy Efficiency and Renewable Energy des U.S. Department of Energy und dem Bureau of Land Management finanziert. Entwickelt wurde sie vom Argonne National Laboratory in Zusammenarbeit mit der Solar Energy Industries Association.

Die Installation von Photovoltaikanalgen auf dem Wasser oder an Land ist immer auch mit einem Eingriff in die Natur und dem Ökosystem verbunden. Umso wichtiger also, dass die Orte, an denen solche Anlagen installiert werden, gut überlegt und auf Basis einer ausführlichen Datengrundlage ausgewählt werden. Die Arbeit mit Satelliten-Aufnahmen kann hier ein hilfreiches Mittel sein, die Standortauswahl für neue Photovoltaik-Anlagen auf Basis von ausführlichen Analysen besser zu planen.

Dieser Artikel ist Teil des Dosssiers „Satelliten und Drohnen – Wertvolle Helfer für eine nachhaltige Entwicklung“. Alle Artikel des Dossiers findest du hier: Dossier Satelliten und Drohnen

Das Dossier ist Teil der Projekt-Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in deren Rahmen wir vier Dossiers über zwei Jahre zum Thema „Chancen und Potenziale der Digitalisierung für eine nachhaltige Entwicklung“ erstellen.


Mehr Informationen hier.

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