Wie KI eine nachhaltige Forstwirtschaft fördern und Abholzung eindämmen kann

Bäume sind wichtig für unser Klima. Gleichzeitig sind sie auch ein dringend benötigtes Baumaterial. Das Projekt EDE4.0 will mithilfe von KI eine nachhaltigere Forstwirtschaft schaffen.

Autor Christian Nathler:

Übersetzung Sarah-Indra Jungblut, 20.12.21

Es gibt viele Möglichkeiten, unsere Umwelt zu zerstören. Wälder abzuholzen rangiert dabei ziemlich weit oben, wenn nach dem Ausmaß der Zerstörung bewertet: Maschinen pusten CO2 in die Atmosphäre und zerstören lebenswichtige Ökosysteme, die die Emissionen wieder herausholen könnten, während gleichzeitig die Tierwelt und die biologische Vielfalt dem Prozess zum Opfer fallen. Schätzungsweise 8-10 Prozent aller jährlichen CO2-Emissionen gehen auf das Konto von Abholzung – genauso viel, wie in der Beton- und Stahlindustrie zusammen entsteht.

Wie wir Daten nutzen können, um unsere Wälder zu verstehen

Wir können eine Menge über unsere Wälder lernen, wenn wir ihnen zuhören. Oder, um es mit den Worten der Informatik zu sagen, indem wir uns die Daten ansehen. Daten können viel über die Fauna und Flora eines bestimmten Gebiets verraten, das mit bloßem Auge nicht erkennbar ist. Wenn wir zum Beispiel mehr über Variablen wie Holzqualität und Nistzeiten wissen, können wir den Holzeinschlag so gestalten, dass wir besseres Holz gewinnen und gleichzeitig einen geringeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Gleichzeitig können wir die Daten nutzen, um Wälder effektiver wiederaufzubauen, etwa, indem wir optimale Böden für die Aussaat und Bäume für das Wachstum auswählen.

Im Projekt EDE4.0 werden die Möglichkeiten der datengesteuerten Forstwirtschaft in Deutschland – einem Land, das zu einem Drittel aus Bäumen besteht – erforscht. Ziel ist es, den Förstern mithilfe von Fernerkundung und Bodenmessungen einen vollständigeren Plan ihres Reviers zu erstellen. Die Daten stammen unter anderem vom Süddeutschen Klimabüro und dem Karlsruher Institut für Geographie und Geoökologie. Dr. Thomas Freudenmann, der das Projekt mitgegründet hat, erklärt:

„Es wird eine intuitive mobile App geben, die mit Hilfe von KI die Förster vor Ort unterstützt. Sie kann bei der Entscheidung helfen, wo geerntet oder wann neu gepflanzt werden soll, einschließlich der Erfolgswahrscheinlichkeit einer Pflanzung an einem bestimmten Standort.“

Eine frühzeitige Ankündigung des trockenen Sommers 2018 hätte zum Beispiel zu nachhaltigeren Entscheidungen führen können – von der Aussaat bis hin zu den Lieferketten.  

Von Daten zu KI

Im Moment gibt es an der Schnittstelle zwischen Daten und Holzfäller*innen noch viel Potenzial zu entdecken. Doch wahrscheinlich wird der Mensch in Zukunft zunehmend aus der Gleichung verschwinden. Die Hoffnung ist, dass autonome Roboter mit genügend Daten in der Lage sein werden, Wälder präziser und schneller zu roden und wiederherzustellen als Menschen mit schweren Maschinen. Ein Unternehmen in Großbritannien schätzt, dass seine Drohnenflotte Bäume 150 Mal schneller pflanzen kann – etwa zwei Bäume pro Sekunde – als von Hand. Und wenn sich die neuronalen Netze, die die Computer steuern, vertiefen, könnten Systeme künstlicher Intelligenz irgendwann in der Lage sein, anspruchsvollere Aufgaben wie Prognosen und die Beratung bei Herausforderungen wie Bodenerosion und Lebensraumzerstörung zu übernehmen.

Die Ernte von Holz in dem Umfang, den unsere Welt benötigt, wird sich immer negativ auf die Umwelt auswirken. Das Gleiche gilt aber auch für andere Materialien – und es gibt viele Möglichkeiten, die Schäden der Abholzung durch schlau eingesetzte Technik erheblich zu verringern. KI-Anwendungen klingen vielversprechend auf dem Weg zu nachhaltigem Holz – doch können diese nur wirklich wirkungsvoll, wenn der Erhalt unserer Wälder ganz oben auf der Agenda steht.

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