Wie SkoBots indigene Sprachen in den USA retten sollen

Skobots
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Skobots soll Kindern in den USA indigene, traditionelle Sprachen beibringen. Der tragbare Roboter ist zudem gemeinschaftsorientiert und interaktiv.

Autor*in Lana O'Sullivan:

Übersetzung Benjamin Lucks, 14.01.26

Sprachen sind das Lebenselixier von Kultur und Identität. Trotzdem sterben Hunderte indigene Sprachen in den Vereinigten Staaten aus. Aktuellen Schätzungen zufolge könnten bis 2050 nur noch 20 von ihnen übrig sein. Diese Krise trifft Danielle Boyer als Mitglied des Sault Ste Marie-Stammes der Chippewa-Indianer ganz persönlich. Da ihre angestammte Sprache, Anishinaabemowin, vom Aussterben bedroht ist, hat sie das Unternehmen SkoBots gegründet.

Der Erhalt indigener Kulturen und Identitäten ist eine große Herausforderung, da die Ressourcen schwinden und oft nur sehr schwer zugänglich sind. Die SkoBots-Initiative kann daher auch als direkte Antwort auf dieses Problem gesehen werden. Aber was sind „SkoBots“ überhaupt?

Technologie für die Gemeinschaft, nicht für den Profit

Der SkoBot ist ein gemeinschaftsorientierter, interaktiver und tragbarer Bildungsroboter. Er wurde speziell dafür entwickelt, Kindern traditionelle Sprachen beizubringen. Das Projekt unter der Leitung von Boyer und der Organistaion „The STEAM Connection“ basiert auf ethischem Engagement und barrierefreien Designprinzipien.

Nutzende tragen den 3D-gedruckten Roboter auf der Schulter. Er reagiert auf Nähe und direkte Ansprache mit einem blinkenden Licht über eine selbst entwickelte, nachhaltige künstliche Intelligenz. Außerdem verwendet er Sprachaufnahmen von Kindern, älteren Menschen und Sprachexpert:innen, um die Authentizität der Inhalte zu garantieren.

Im Gegensatz zu vielen Sprachorganisationen, die indigene Ressourcen urheberrechtlich haben schützen lassen oder deren Informationen missbrauchen, arbeitet The STEAM Connection nach strengen ethischen Richtlinien. Das Unternehmen verspricht, niemals Sprachaufnahmen zu besitzen, zu veröffentlichen oder von ihnen zu profitieren. Alle Informationen unterliegen den Vorgaben und Anforderungen der Gemeinden, mit denen sie zusammenarbeiten. So möchte man Vertrauen und vor allem eine kulturelle Souveränität bewahren – und das in einem Markt, der von Big Tech und gewinnorientierten Unternehmen dominiert wird.

Kreativität soll Jugendliche stärken

Neben der Entwicklung des kleinen Roboters liegt die Genialität der SkoBots auch in der praktischen Lernerfahrung, die sie Nutzenden ermöglichen. Schüler:innen aus Gemeinschaften mit indigenen Sprachen bauen ihre Roboter etwa komplett selbst. Bei diesem Prozess erhalten sie eine wertvolle Betreuung und praktische Erfahrungen in den Bereichen Techologie, Ingenieurswesen und Mathematik. Gleichzeitig entwickeln sie ein Gefühl der Eigenverantwortung und Verbundenheit mit dem Werkzeug, das für das kulturelle Lernen verwendet wird.

Es gibt zwei verschiedene SkoBot-Modelle: Das erste ist ein einfacheres, nicht-intelligentes Modell mit Bewegungssensor. Es kostet in der Herstellung etwa hundert US-Dollar. Das zweite ist ein KI-Modell, das auf Sprachbefehle reagiert und dabei Sprache ausgibt. Die KI-Variante kostet mehr als doppelt so viel wie die einfache Version.

Der Roboter wurde von Danielle Boyer mit Unterstützung ihrer Mentoren Dr. Joshuaa Allison-Burbank, Acoma Pueblo und Robert Maldonado konzipiert. Schüler:innen und Gemeindemitglieder der STEAM Connection haben ihn dabei mitgestaltet. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden Jugendlichen alle SkoBots und die dazugehörigen Lehrpläne kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Roboter sind allerdings nicht im Handel erhältlich.

Die Reaktion war überwältigend positiv

Die erste Veröffentlichung auf dem Powwow 2021 der American Indian Science and Engineering Society bewies, wie wirkungsvoll eine solche Verbindung von Kultur und Technologie sein kann. Die Reaktion war unmittelbar und begeistert: Babys zeigten Interesse an den Robotern und Kinder tanzten zu der Musik, die sie spielten. Die Gründer:innen betonen allerdings auch, dass der SkoBot eine Ergänzung zum Sprachenlernen in der Gemeinschaft ist und niemals einen Ersatz darstellen soll. Die Reaktionen zeigten jedoch, dass es ihnen durchaus gelungen ist, eine unterhaltsame Ressource zu schaffen, an der Kinder Freude haben. Noch wichtiger ist allerdings, dass sie zusätzlich zu den lokalen Bildungsprogrammen der Stämme etwas davon lernen können.

SkoBot strebt als nächsten Schritt eine Skalierung an. Die STEAM Connection sucht strategische Partner und Finanzmittel, um eine professionelle Leiterplatte zu entwickeln, Spritzgussverfahren zur Senkung der Produktionskosten einzuführen und mehr Mitarbeiter:innen für ihr Projekt zu gewinnen. 

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