In dem Videospiel „How is the Water„, das 2022 erscheinen soll, schlüpfen die Spielenden in die Rolle eines Delfins und durchqueren die wogenden Meere. Doch das Projekt, das bisher über 50.000 EUR auf Kickstarter gesammelt hat, ist viel mehr als nur ein lustiges Unterwasserspiel. Das Ziel der Entwickler*innen ist es, Teile der Weltmeere und die komplexen marinen Ökosysteme, die dort zu finden sind, originalgetreu nachzubilden. Damit soll „How is the Water“ den Spielenden nicht nur Spaß machen, sondern sie erfahren auch mehr über die verschiedenen Meere, erweitern ihr Wissen über den Ozean – und ihre Leidenschaft für den Schutz der Meere wird (hoffentlich) geweckt.
Um Spieler*innen und Naturschützer*innen gleichermaßen anzulocken, verspricht das Spiel eine Reihe von immersiven und neuartigen Features. Im Mittelpunkt des Spiels steht ein Delfin, der seinen Stamm, also seine Familie, vor einer neuen und mysteriösen Bedrohung beschützen muss, die ihn zu einer gefährlichen Reise durch die Meere veranlasst. Um wirklich das Gefühl zu haben, in den Körper einer anderen Spezies zu schlüpfen, wollen die Spielentwickler*innen das Erlebnis, ein Delfin zu sein, möglichst genau nachbilden: Mit einem VR-Headset können die Spielenden in echter Delfin-Manier mit einem Kopfwippen beschleunigen oder verlangsamen. Zusätzlich sollen die Spielenden die Möglichkeit haben, Echoortung und Elektrorezeption zu erleben; wie genau ist allerdings noch nicht ganz klar.
In einem Demo-Livestream, der einen Einblick in den Prototyp des Spiels bietet, ist der Delfin-Protagonist zu sehen, wie er an Korallen und Untiefen vorbeistreift, Makrelen jagt und mit Mantarochen plaudert. Während das Haupt-Gameplay in der Rolle eines Delfins stattfindet, sind weitere Spezies in Planung, darunter Tigerhaie und Wale. Spezies-spezifische Herausforderungen sollen dazu beitragen, den Spielenden ein besseres Verständnis für die verschiedenen Tiere und ihr Verhalten zu vermitteln.
Echte Tierarten werden in das Spiel „eingescannt“, um sie digital zu erhalten, insbesondere im Falle eines zukünftigen Aussterbens. Das Spiel zielt darauf ab, den Zugang zur Meeresumwelt zu demokratisieren, indem mehr Menschen das Leben im Meer erleben können, ohne in reale Meeresökosysteme eindringen zu müssen, in denen die menschliche Anwesenheit möglicherweise negative Auswirkungen hat.
Die Entwickler*innen starteten ihre erste Kickstarter-Kampagne für das Spiel im Mai und in nur einem Monat erreichte das Spiel dank über 550 Unterstützenden das Ziel von 50.000 EUR. Das mag wie eine magere Summe für eine so kühne und umfangreiche Produktion erscheinen, aber es werden sicher noch Kampagnen für weitere Features folgen.
Die Spielentwickler*innen sehen das Spiel, das von der Meeres- und Umweltwissenschaftlerin Ninja Mueller mitentwickelt wurde, als „Impact-Projekt“ und haben sich mit Naturschutzorganisationen wie WDC (Whale and Dolphin Conservation) und der Deutschen Meeresstiftung zusammengetan. Die Gewinne aus „How is the Water“ werden in die Weiterentwicklung des Projekts sowie in pädagogische und wissenschaftliche Aktivitäten reinvestiert. Schulen und andere Bildungseinrichtungen erhalten kostenlose Exemplare des Spiels, um zukünftige Generationen für den Ozean zu begeistern.
Zum Glück für Nicht-Hardcore-Gamer ist es möglich, „How is the Water“ auch ohne VR zu spielen – das Spiel wird für Smartphone, Tablet und PC verfügbar sein. Das Spiel soll zwar erst 2022 erscheinen, ein PC-VR-Prototyp kann aber bereits jetzt bei der Organisation angefordert werden.
Produziert wird das Spiel von Cyan Planet, einem XR-Studio (Extended Reality) und Sozialunternehmen mit Sitz in Deutschland. Die Organisation entwickelt VR-Erlebnisse mit dem Ziel, das Bewusstsein für den Schutz der Meere zu erhöhen.
Dieser Artikel ist eine Übersetzung von Sarah-Indra Jungblut und erschien im Original zuerst auf unserer englischsprachigen Seite.