WeFarm schafft mit der Hilfe simpler Mobiltelefone ein soziales Netzwerk für Kleinbauern auf der ganzen Welt

Das Startup WeFarm kreiert ein Internet für Menschen ohne Internet. Das Unternehmen vernetzt Kleinbauern via SMS-Funktion weltweit miteinander und möchte so deren Produktivität steigern.

Autor*in Simon Dupree, 14.04.16

Weltweit existieren ca. 500 Millionen bäuerliche Kleinbetriebe. Ein signifikanter Anteil lebt in ländlichen, oft abgelegenen Gebieten. Dieser Gruppe bleibt der Zugang zu hilfreichen Informationen oftmals verwehrt. Hilfreiche Informationen wären z.B. Ratschläge, die bei landwirtschaftlichen Problemen helfen, Agrarmethoden verbessern und zur Bekämpfung der Armut beitragen. Oftmals kämpfen Kleinbauernfamilien weltweit mit sehr ähnlichen Problemen wie z.B. Bodenerosion, Wasserknappheit, Unwirksamkeit von Düngemitteln oder Schädlingsbefall von Pflanzen.

Gerade für diese Gruppe von Kleinbauern wäre eine globale Vernetzung miteinander vorteilshaft, um jene Missstände zu attackieren und von den Erfahrungen und dem Wissen anderer zu profitieren.

Aus SMS wird Social Media

Hier setzt das WeFarm-Konzept an: Mobiltelefone und deren SMS-Funktion schaffen aus der ehemaligen Offline-Welt ein soziales Netzwerk. Dieses kann kostenlos genutzt werden und basiert auf dem Peer-to-Peer-Prinzip. Peer-to-Peer, das bedeutet, dass jeder registrierte Teilnehmer eine Frage stellen kann und irgendein anderer die entsprechende Antwort sendet. Um eine Frage zu stellen, müssen die Landwirte lediglich eine SMS an eine regionale Kurzwahlnummer senden. WeFarm durchsucht die SMS sodann nach Keywords und leitet die Nachricht an jene User weiter, die eine passende Antwort parat haben könnten. Teilnehmer bauen sich so Profile auf: Wer innerhalb einer Thematik viel beizutragen hat, wird als Experte auf jenem Gebiet markiert und erhält entsprechende Fragen.

Zugang für alle

Zentrales Element bei WeFarm ist der Austausch unter Gleichen und partizipatorische Elemente. Auch diejenigen, die kein Internet haben, sollen die Möglichkeit erhalten, sich mit anderen auszutauschen. „Die Plattform selbst ist online, aber 90 Prozent der Nutzer sind es nicht“, so der CEO namens Kenny Ewan (Quelle: Wired)

Das Programm kann auf Englisch, Französisch, Spanisch und Swahili genutzt werden. Eintreffende Fragen werden zudem von freiwilligen Helfern in andere Sprachen übersetzt und sind sodann im gesamten, überregionalen Netzwerk verfügbar. Positive Beispiele für eine globale Vernetzung unter Kleinbauern finden sich viele: So bekam ein peruanischer Bauer, der sich konventionellen Dünger nicht mehr leisten konnte, ein über WeFarm übersetztes Rezept eines hauseigenen, organischen Düngemittels von einem Bauern aus Kenia. Die Herstellung des Produktes war sehr günstig und kam der Ernte des peruanischen Kleinbauerns zu Gute.

Derzeit nutzen etwa 43000 Nutzer das Netzwerk vor allem in Kenia, Peru und Uganda. In naher Zukunft möchte WeFarm nach Indien, Brasilien und Kolumbien expandieren und somit die Datenbasis des Systems um viele weitere hilfreichen Antworten ergänzen.

Nutze deine Fremdsprachenkenntnisse und werde WeFarm-Voluntär! Hier erfährst du mehr.

MARKIERT MIT
Amplify Agricultural Innovation Challenge

Wie kann man kleinbäuerliche Landwirtschaft nachhaltiger und effizienter gestalten um Armut und Hunger zu attackieren? Ihr habt eine Idee? Dann stellt euch der Challenge und gewinnt großartige Unterstützungshilfen!

Bauern empowern! Mit Handy und Co. gegen neue Probleme in der Landwirtschaft

Dem Welthungerbericht zufolge ist die Anzahl der weltweit hungernden Menschen in den letzten Jahren gesunken, doch noch immer hungern fast 800 Millionen Menschen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Unter anderem spielen die Verteilung von und der Zugang zu Lebensmitteln eine große Rolle. Doch auch die landwirtschaftliche Produktivität ist für die Ernährung der Menschheit essentiell.