Weder recht noch billig: Aldi will Kritiker mundtot machen

Pünktlich zum heutigen Welttag für menschenwürdige Arbeit wollte die Christliche Initiative Romero mit einem Flyer im Aldi-Design auf die schlimmen Arbeitsbedingungen hinweisen, unter denen viele der billigen Aldi-Waren produziert werden. Jetzt hat der milliardenschwere Handelskonzern die Verbreitung des Flyers per Anwalt verbieten lassen. Aber die Initiative gibt nicht auf.

Autor*in Helge Peters, 07.10.10

Den Aldi-Brüdern wurde nachgesagt, dass sie eifrige katholische Kirchgänger seien. Doch mit der Nächstenliebe scheint es im Konzern selbst gegenüber den eigenen Glaubensbrüdern nicht weit her zu sein.

Die Christliche Initiative Romero hatte zum heutigen Welttag für menschenwürdige Arbeit einen Flyer verbreitet, mit dem darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die billigen Preise des Discounters auf menschenunwürdigen Ausbeutungspraktiken ihrer Zulieferer beruhen.

Aldi und die Hungerlohn-Melone

Die entwicklungspolitische Organisation hatte in Aldi-Filialen recherchiert und stieß auf Melonen aus Honduras, die zu einem Preis von 99 Cent angeboten wurden. Die Melonen stammen von der Plantage Agropecuaria Montelibano, San Lorenzo, Valle. „Die ArbeiterInnen auf dieser Plantage schuften für einen Mindestlohn von umgerechnet 98 Euro – für einen Hungerlohn, der für ein Leben in Würde nicht reicht“, kritisiert CIR-Geschäftsführer Thomas Krämer-Broscheit. „Es sind somit wahrlich bittere Früchte, die Aldi seinen KundInnen anbietet. Wie, wenn nicht als Ausbeutung soll man die aggressive Aldi-Preispolitik bezeichnen, die dem zugrunde liegt?“

Auch bei den Aldi-Kleidungsangeboten sieht es nach Ansicht der Christlichen Initiative Romero nicht besser aus: „Den größten Teil am Umsatz mit Aktionswaren stellen Textilien dar. Eines der Hauptproduktionsländer für solche Textilien ist Bangladesch“, erläutert CIR-Referentin Sandra Dusch Silva. „Dort müssen ArbeiterInnen mit einem Monatslohn von umgerechnet 33 Euro über die Runden kommen. Da dies schlicht unmöglich ist, sind sie gezwungen, exzessiv Überstunden zu leisten.“

Christliche Kommunikationsguerilla

Die Christliche Initiative Romero hat ihre Vorwürfe gegen Aldi mit einer Prospektpersiflage untermauert. Der Prospekt hat innerhalb weniger Wochen eine Gesamtauflage von 70.000 Exemplaren erreicht und ist deutschlandweit in Umlauf. Auf dem Flyer im typischen Aldi-Design, das jedoch leicht verfremdet und mit einem Impressum klar als Persiflage gekennzeichnet wurde, wird neben den Produktfotos klar gemacht, mit welch hohem Preis die Schnäppchen erkauft sind.

So heißt es zu einer Jeans für 9,99 Euro „Manuell sandgestrahlt in der Türkei – Dies führt zur Atemwegserkrankung (Silikose) aufgrund von giftigen Dämpfen – Idealer Kombinationsartikel zum T-Shirt, beide wurden auf Kosten der ArbeiterInnen billig produziert“.

Einfach woanders einkaufen

Aldi Nord hat die Aktion zum Anlass genommen, die Initiative zu einer Unterlassungserklärung aufzufordern und ihr mit einer Einstweiligen Verfügung gedroht. Die Christliche Initiative Romero forderte ihrerseits die Geschäftsführung von Aldi Nord zu einem Gespräch über die Vorwürfe auf, an dem Aldi bisher kein Interesse bekundet hat. RESET gegenüber äußerte André Hagel, Pressereferent der Initiative, dass Aldi bisher nur Scheinargumenten aufgeboten habe und an einer inhaltlichen Diskussion über die Produktionsbedingungen ihrer Waren augenscheinlich nicht interessiert sei. Deshalb lasse man sich vom Protest nicht abhalten und werde den Flyer weiter verteilen.

Du kannst dabei helfen. Den Flyer kannst du hier herunterladen und verteilen. Mit einer Email an Aldi kannst du die Initiative unterstützen und klar machen, dass sich Protest gegen Ausbeutung und menschenunwürdige Arbeit nicht verbieten lässt.

Und das Beste wäre, wenn einfach niemand mehr in einem Discounter einkauft, der eine Diskussion über seine Geschäftspraktiken verbieten will.

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