WeCount: Mit diesen Sensoren können sich Bürger*innen für eine bessere Luftqualität engagieren

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© TELRAAM

Ausgerüstet mit einfachen Sensoren und offenen Daten unterstützt ein EU-gefördertes Projekt NGOs, Regierungen und Bürger*innen dabei, Städte zu gesünderen und sichereren Orten zu machen.

Autor Mark Newton:

Übersetzung Mark Newton, 24.02.20

Forschende in fünf europäischen Städten haben eine der bisher größten Studien über Verkehr und städtische Luftqualität in Angriff genommen. Die Studie, die sich auf die Städte Madrid, Dublin, Cardiff, Ljubljana und Leuven konzentriert, plant den breiten Einsatz innovativer (aber einfacher) digitaler Technologien und das Engagement so genannter „Bürgerwissenschaftler*innen“.

Das Projekt „WeCount: Citizens Observing UrbaN Transport“ wird von einer Koalition von Universitäten angeführt und vom EU-Fonds „Horizont 2020“ unterstützt, der die Forschung im Bereich der nachhaltigen Entwicklung fördert. Das Team plant die Installation von rund 1.500 Sensoren in straßenseitigen Grundstücken, um die Anzahl und Geschwindigkeit von vorbeifahrenden Autos, Fahrrädern und Fußgänger*innen in bestimmten Gebieten zu messen und besser zu verstehen.

Die Sensoren, die unter dem Namen Telraam bekannt sind, wurden von Transport & Mobility Leuven (TML) entwickelt und sind so konzipiert, dass sie kostengünstig, einfach und unauffällig sind. Sobald sie mit Blick auf eine bestimmte Straße positioniert werden, registrieren sie Fahrzeuge oder Personen und messen deren Geschwindigkeit. Diese Informationen werden dann einmal pro Stunde über eine Wi-Fi-Verbindung an die Cloud weitergeleitet, so dass Forschende und Interessierte einen aktuellen Überblick über die Verkehrsbedingungen in der Gegend erhalten. Die gesammelten Daten können von NGOs, Unternehmen und Privatpersonen kostenlos über die Telraam-Website genutzt werden.

Die gesammelten Informationen sind für eine ganze Reihe von Initiativen hilfreich, darunter die Erforschung von Geschwindigkeitsüberschreitungen, Lärm, Luftverschmutzung und Sicherheit sowie die Bereitstellung von Reiseinformationen in Echtzeit. Insbesondere hofft man, dass die Ergebnisse der Sensoren dazu beitragen können, Initiativen für saubere Luft in städtischen Gebieten zu fördern. Die Verminderung von Staus in bestimmten Gebieten und Zeiten könnte sich deutlich auf die Luftqualität in den Städten auswirken, während die Erhöhung der Geschwindigkeit und des Verkehrsflusses auch dazu beitragen kann, Emissionen und Verschmutzung auf lokaler Ebene zu reduzieren. Darüber hinaus geben die Informationen den Gemeinderäten einen besseren Überblick über Verkehr und Sicherheit und führen hoffentlich zu einer besser informierten öffentlichen Planungspolitik.

Seit Frühjahr 2019 wird Telraam in mehreren belgischen Städten getestet und die daraus gewonnenen Informationen wurden bereits zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit genutzt.

Wie verschmutzt ist Europas Luft?

Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur führte die Luftverschmutzung im Jahr 2018 zum Tod von über 500.000 Europäer*innen, vor allem verursacht durch zu hohe Feinstaubbelastungen. Die jüngsten Hitzewellen in Europa haben die Probleme außerdem verschärft, da die warme Luft verhindert, dass die Verschmutzung sich verteilt. Dies bedeutet, dass das Problem der schlechten Luftqualität besonders in wärmeren Städten wie Madrid vorherrscht, da hier aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens häufig die EU-Luftqualitätsempfehlungen übertroffen werden. Zum Schutz der Gesundheit schlägt die EU vor, dass der jährliche Durchschnitt der Stickstoffdioxidwerte 40 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschreiten sollte. In Madrid wurden jedoch im Jahr 2018 Stickstoffdioxidwerte von 62 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Obwohl dieses Problem in städtischen Gebieten größer ist, leidet auch in ländlichen Regionen die Luftqualität.

Es ist zu hoffen, dass diese Sensoren nicht nur den Regierungen sofort umsetzbare Informationen liefern, sondern auch Bürger*innen in die Lage versetzen, die Debatten über die Verschmutzung in ihren lokalen Gebieten selbst in die Hand zu nehmen. Professor Enda Hayes von der University of the West of England, die am WeCount-Projekt beteiligt ist, sagte gegenüber BBC:

„Insgesamt wollen wir über die reine Datenerfassung hinausgehen. Wir wollen diese ‚Bürgerwissenschaftler‘ zu Fürsprechern machen, die die Daten nutzen, um mit Arbeitgebern, Schulen und lokalen Verkehrsbehörden zusammenzuarbeiten und so gesündere Städte und eine gesündere Planung voranzutreiben“.

Das Projekt befindet sich derzeit noch in der Vorbereitungsphase, da es offiziell im Dezember 2019 begonnen hat. Es soll bis 2021 fortgesetzt werden.

Dieser Artikel ist eine Übersetzung von Sarah-Indra Jungblut. Das Origial erschien zuerst auf unserer englischen Webseite.

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