Wasserfilter mit Low-Tech-Ansatz

Vor allem im Rahmen von Ressourcenknappheit und sozialer Ungerechtigkeit kann es oft sinnvoll sein, elementaren Problemen mit einfach gehaltenen Strategien entgegenzuwirken. Der fehlende Zugang zu sauberem Wasser ist so ein Fall und Wood Mold eine Lösung dazu.

Autor Simon Dupree, 22.12.16

Ohorizons ist eine Non-Profit-Koalition, in der soziale, technologische und kommerzielle Innovationen und deren Macher aufeinander treffen. Das Netzwerk wurde mehrfach ausgezeichnet und handelt nach einem Low-Tech-Ansatz:

  • Simple: Unabhängig von individuellem Bildungslevel und Know-how sollte jeder in der Lage sein, mit minimaler Hilfestellung entsprechende Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. 
  • Low cost: Die Lösungen sollten auch für den Endverbraucher erschwinglich bleiben.
  • Locally sourced: Alle Materialien, Werkzeuge und Arbeitskräfte sollten lokal verfügbar und beziehbar sein.
  • Flexible: Lösungen sollten an individuelle Gegebenheiten anpassbar sein. Jede Gemeinde ist einzigartig und verfügt über verschiedene Ressourcen.
  • Open source: Lösungen sollten frei verfügbar sein. Jeder sollte sie benutzen können.

Mit dem Projekt „Wood Mold“ möchte Ohorizons  dem globalen Problem des fehlenden Zugangs zu sauberem Trinkwasser entgegentreten. Hierzu konstruierten die Erfinder eine Open-Source Anleitung, mit der eine Holzform gebaut werden kann. Mithilfe der Form können anschließend Bio-Sand-Filter (BSF) hergestellt werden, die Trinkwasser erzeugen.

Mithilfe von Sand und Kieselmaterial werden schädliche Substanzen in einem natürlichen, biologischen Prozess aus dem Wasser gefiltert (siehe untenstehendes Bild). Sogar Erreger von Cholera, E. coli und Typhus werden mithilfe von BSF eliminiert. Das Besondere ist, dass die Filter keinen Strom benötigen, bis zu 20 Jahre lang halten und verhältnismäßig kostengünstig herzustellen sind. Bislang wurde für die Herstellung eine Metallform benötigt, die nur durch erfahrene Schweißer verwirklicht werden konnte. Mit der über die Ohorizons-Webseite frei zugänglichen Anleitung kann nun jedoch eine Wood Mold nach dem oben beschriebenen Low-Tech-Ansatz gefertigt werden. Die Kosten für eine Form, inklusive Arbeitsstunden, liegen laut der NGO zwischen 70-100 US-Dollar. Mit einer Wood Mold könnten sodann über 50 Bio-Sand-Filter erzeugt werden. 

Das internationale Team von Ohorizons fokussiert sich mit dieser Erfindung auf finanziell schwächere Länder und möchte dezentrale Veränderungen hervorrufen. Das erste Einsatzgebiet für das Wood Mold System ist Bangladesch. Das Land kämpft schon seit Langem mit Wasserproblemen jeglicher Art. Seit Projektstart wurden in Bangladesch bereits fünf Wood Molds und zwanzig BSF gebaut. Dies bedeutet, statistisch gesehen, sauberes Wasser für 250 Menschen für die nächsten zwanzig Jahre. Die Kapazität soll jedoch weiter erhöht werden, sodass Ende 2016 etwa 5 000 Menschen Zugang zu Trinkwasser erhalten.

Weitere Infos gibts auf der Webseite und im folgenden Video. 

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