Vereinte Nationen: Was kann die neue Roadmap für digitale Kooperation?

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Bild: Su San Lee/ Unsplash

Die UN stellt eine Roadmap für digitale Kooperation vor. Ziel des Aktionsplans ist es, die Entwicklung zu einer sichereren und gerechteren digitalen Welt voranzubringen. Der Plan ist ambitioniert. Doch wird er auch erfolgreich sein?

Autor RESET , 21.07.20

Übersetzung RESET :

In Zeiten einer weltweiten Pandemie wird besonders deutlich, wie unterschiedlich der Zugang zum Internet und die Nutzungsmöglichkeiten digitaler Technologien zwischen verschiedenen Gebieten und Ländern sind. Große Bereiche unseres Lebens finden nun online statt: Soziale Interaktion, Home Office, Home Schooling, Zugang zur gesundheitlichen Versorgung oder unsere finanziellen Geschäfte müssen zumindest vorübergehend vom heimischen Computer aus zugänglich sein. Dies online zu erledigen, ist für die meisten von uns zwar eine Umstellung, jedoch eine lösbare Herausforderung. Doch nicht jeder Mensch hat diese Möglichkeiten: Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung hat noch keinen Zugang zum Internet. Mehr als 80 Prozent der Menschen in den ärmsten Ländern sind noch offline, wobei Frauen und Minderheiten besonders stark betroffen sind. Digitale Unterschiede könnten zukünftig eine neue Art von Ungleichbehandlung werden. Chancengleichheit besteht nur, wenn wir weltweit vernetzt sind.

Dieses Problem haben auch die Vereinten Nationen erkannt. Generalsekretär Antonio Guterres glaubt, das „Internet sollte ein Recht sein“. Bereits 2018 wurde ein Gremium für digitale Zusammenarbeit (High-level Panel on Digital Cooperation – HLPDC) einberufen. Ziel des Forums ist es, die internationale Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Interessengruppen zu stärken. Zivilgesellschaftliche Akteure, Regierungen und privaten Unternehmen wollen gemeinsam zu einer sicheren und integrativen digitalen Zukunft für alle beitragen.

Ein neuer Aktionsplan für digitale Kooperation

Im Juni 2020 veröffentlichte UN-Generalsekräter Guterres nun eine Roadmap für digitale Kooperation. Der Aktionsplan soll unsere digitale Welt verbessern, sie sicherer und gerechter machen, indem die Empfehlungen des HLPDC umgesetzt werden. Die Zielsetzung ist ehrgeizig: In acht Schlüsselbereichen sollen konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der digitalen Kooperation durchgeführt werden. Beispielsweise soll bis 2030 die weltweite Vernetzung gewährleistet sein, inklusive der digitalen Einbindung aller Menschengruppen, insbesondere Minderheiten. Großer Wert wird auf die Einhaltung von Menschenrechten und hohen Sicherheitsstandards im digitalen Zeitalter gelegt. Zudem soll digitale Kooperation gefördert und erleichtert werden, um so zum Beispiel bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz Fortschritte zu erreichen.

Die UN haben erkannt, dass es im globalen Kontext große Unterschiede bezüglich digitaler Technologien gibt. Die meisten Entwicklungsländer haben kein flächendeckendes Internet und können nur bedingt von neuen digitalen Technologien profitieren. Das Hauptaugenmerk der Roadmap liegt daher auf Integration: Weltweit soll vom Fortschritt digitaler Technologien profitiert werden können. So wird eine gemeinsame Grundlage für alle Interessengruppen geschaffen, auch für unterrepräsentierte Akteure ohne große Lobby, zum Beispiel aus Entwicklungsländern. Eine gemeinsame Plattform entsteht. Daten und Software sollen möglichst als Open-Source zur Verfügung gestellt werden.

Um die formulierten Ziele zu erreichen, werden verschiedene Bündnisse und Initiativen geformt. Diese verfolgen einen Multistakeholder-Ansatz, indem verschiedene Akteure eng zusammenarbeiten. Ab 2021 soll es zudem die neue Position des Technologiebeuftragten geben.

Unklarheiten und interne Divergenzen

Unklar ist noch, wie genau die Roadmap in die Praxis umgesetzt werden soll. Die genaue Rolle und Funktion der verschiedenen neuen Initiativen wurde noch nicht geklärt. Es ist nicht klar, wer genau die Akteure sind, die an den Projekten mitarbeiten. Auch die Rolle der UN-Mitgliedsstaaten ist ungewiss. Noch wurde nicht festgelegt, in welcher Form sie sich beteiligen können und wie sichergestellt wird, dass Beschlüsse tatsächlich umgesetzt werden. Die Unterschiede zwischen den UN-Mitgliedsstaaten sind enorm. Es bestehen tiefgreifende Divergenzen zwischen demokratischen und autoritären Regierungen, auch bezüglich digitaler Technologien. Die geplante Einbindung nichtstaatlicher Akteure, wie NGOs, ist vor diesem Hintergrund sehr problematisch und eher unwahrscheinlich.

Es gibt also noch viele offene Fragen. Doch allein die Existenz der Roadmap und ihr Mulitstakeholder-Ansatz geben Anlass zur Hoffnung, dass wichtige Probleme erkannt wurden. Und es ist ein ehrgeiziger Versuch, digitale Technologien gerechter und sicherer zu gestalten.

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