Warum Krisenprävention und Friedensentwicklung?

Jedes Jahr kommt es in der Welt zu 40 bis 50 bewaffneten Konflikten. Durch die Kriege oder ihre Folgen sterben bis zu einer Million Menschen pro Jahr. Mehr als neunzig Prozent der fast 200 Kriege, die seit 1945 stattgefunden haben, wurden in Entwicklungs- und Transformationsländern ausgetragen. Ihre Auswirkungen betreffen jedoch die ganze Welt.

Autor*in Jenny Louise Becker, 17.10.07

Die Weltgemeinschaft reagiert auf die Folgen dieser Krisen mit großem politischem, finanziellem und immer öfter auch militärischem Aufwand. Die Kosten für solche Maßnahmen sind sehr hoch. Ziel der deutschen Entwicklungspolitik ist es deshalb, dazu beizutragen, von vornherein Kriege und Krisen zu verhindern. Dazu versucht sie die Ursachen von Krisen zu reduzieren oder gar zu beseitigen und den Menschen andere, gewaltfreie Wege zu eröffnen, um mit Konflikten umzugehen. Neben den staatlichen Behörden der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) arbeiten auch zahlreiche private Akteure in diesem Sektor, wie z.B. auch der zivile Friedensdienst (ZFD).

Konflikte sind ein Teil des menschlichen Lebens. Doch nicht immer gelingt es den Menschen, sie friedlich, gleichberechtigt und konstruktiv auszutragen. Die Ursachen für Konflikte sind vielfältig, ihre Auswirkungen sind jedoch allzu oft gleich: Tod, Vertreibung, Zerstörung, Hass und Traumatisierung. Oft besteht die Reaktion darauf aus neuer Gewalt. Ein mörderischer Kreislauf entsteht, aus dem es nur dann einen Ausweg gibt, wenn die Ursachen des Konfliktes beseitigt und die seelischen Verletzungen aufgearbeitet werden können. Häufig sind die Ursachen von Konflikten strukturell bedingt – es geht um ungerechte Verteilung von Macht, Ressourcen oder Einkommen.

Frieden kann nur dann langfristig gesichert werden, wenn Menschenrechte und demokratische Grundformen geachtet werden, wenn wirtschaftliche und soziale Ungerechtigkeiten beseitigt werden und wenn die Natur als Lebensgrundlage erhalten bleibt.

„Der zivile Friedensdienst arbeitet seit 1999. Seitdem werden speziell vorbereitete Fachkräfte in Krisenregionen entsandt. Sie unterstützen örtliche Partnerorganisationen dabei,

  • den Ausbruch gewaltsamer Konflikte im Vorfeld zu verhindern (Krisenprävention),
  • Konflikte friedlich beizulegen (Gewaltminderung),
  • nach Konflikten friedensfördernde Strukturen aufzubauen und dadurch zu einer langfristigen Friedenssicherung beizutragen (Konfliktnachsorge).

Im Zivilen Friedensdienst wirken nichtstaatliche und staatliche Träger zusammen, um Hass und Gewalt zu vermeiden und Verständigung zu erleichtern. Die Trägerorganisationen entsenden die Fachkräfte des Zivilen Friedensdienstes. Die Fachkräfte tragen auf Wunsch lokaler Partner vermittelnd und unterstützend dazu bei, Feindschaft, Angst und Misstrauen zu überwinden. Die Fachkräfte arbeiten befristet bei einer lokalen Trägerorganisation mit oder schulen und trainieren Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor Ort.“ (Homepage des ZFD).

Was der ZFD leistet

Wenn ein Konflikt gewaltsam eskaliert, gibt es dafür selten nur eine Ursache. Meist wirken sehr unterschiedliche Faktoren zusammen. Deshalb gibt es beim Zivilen Friedensdienst auch kein Patentrezept für friedliche Konfliktlösung, sondern – je nach Situation – verschiedene Handlungsfelder und Vorgehensweisen.

Der ZFD arbeitet mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, die

  • über Konfliktlinien hinweg Kooperations- und Dialogstrukturen aufbauen (und dabei zum Beispiel auch traditionelle Schlichtungsinstanzen stärken),
  • Anlaufstellen und gesicherte Räume schaffen, in denen sich Konfliktparteien begegnen können,
  • Informations- und Kommunikationsstrukturen stärken, die den Ursachen und Auswirkungen gewaltsamer Konflikte nachspüren (u.a. durch Förderung von Friedensjournalismus, Vernetzung von Friedensorganisationen und Beobachtung von Konfliktverläufen),
  • von Gewalt besonders betroffene Gruppen unterstützen und sie in die Gesellschaft reintegrieren (etwa durch psychosoziale Unterstützung oder Arbeit mit traumatisierten Menschen),
  • zu Methoden und Konzepten ziviler Konfliktbearbeitung beraten und ausbilden,
  • Friedenspädagogik betreiben und Feindbilder abbauen,
  • die Rechtssicherheit vor Ort stärken und für die Menschenrechte eintreten.

(Die Beschreibung des ZFD stammt von seiner Website, www.ziviler-friedensdienst.org)

Zivile Konfliktbearbeitung kann man studieren!

Es gibt verschiedene Fakultäten, die seit einigen Jahren das Fach Friedens- und Konfliktforschung anbieten. Dieser Studiengang kann als BA, MA oder im Nebenfach studiert werden. Momentan kannst Du „FuK“ an der Uni Marburg, der Uni Tübingen, der Uni Magdeburg und der Uni Hamburg sowie an der Fernuni Hagen studieren.

Die Arbeitsgemeinschaft Dienst für den Frieden (kurz: AGDF) zertifiziert außerdem diverse Fort- und Weiterbildungslehrgänge zur zivilen Konfliktbearbeitung. Sie machen Dich fit um als „Friedensfachkraft“ im In- und Ausland einsetzbar zu sein.

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