Urlaub und Reisen mit Sinn

Du planst deine nächste Reise und möchtest eine Alternative zum Strandurlaub? Es gibt immer mehr Freiwilligenprogramme, regionale Hilfsprojekte und umweltpolitische Projekte, die deiner Reise mehr Einsatzbereitschaft und Erfüllung versprechen. Hier findest du zentrale Anlaufstellen im Netz.

Autor Uta Mühleis, 05.05.19

Exotische Länder bereisen, tiefe Einblicke in fremde Kulturen gewinnen und vor Ort etwas Sinnvolles tun: Die Nachfrage nach Reisen mit Zusatznutzen wächst und damit auch das Angebot sozialer und umweltpolitischer Projekte. Dieser Trend bringt aber auch Kritik mit sich:

  • Oftmals profitieren vor allem große, westliche Reiseorganisationen von den vielen Anfragen und verlangen eine hohe Summe für den Aufenthalt an deinem Wunschort. Inwieweit dein Geld dann auch wirklich lokale NGOs oder Familien unterstützt, ist oft unklar.
  • Neben den Langzeitaufenthalten im Ausland fliegen immer mehr Menschen nur für ein bis zwei Wochen in weit entfernte Länder. Das vergrößert den CO2-Fußabdruck und hilft den Organisationen leider oft nur wenig. Ein längerer Aufenthalt ist hier also ratsam. Und zugleich wird auch in Europa Unterstützung benötigt, auch hier mehren sich die Angebote.

Überlege dir also am besten vorher, wie sinnvoll der jeweilige Einsatz wirklich ist – für dich selbst und die anderen. Informiere dich genau über die Organisation, das Projekt oder die Plattform, für du dich entscheiden würdest. Hier findest du außerdem Tipps zum nachhaltigen Reisen.

Erlebnisreisen, Expeditionen und Workcamps

Wir haben hier eine Auswahl an Organisationen und Plattformen zusammengestellt, die dir als erste Anlaufstelle für die Planung von Erlebnisreisen, Expeditionen und Workcamps dienen können:

  • TeachSurfing: Die Plattform funktioniert wie ein soziales Netzwerk und bringt Reisende, die etwas Sinnvolles tun und ihre Fähigkeiten und Wissen austauschen wollen, mit lokalen Organisationen zusammen.
  • Biosphere Expeditions organisiert gemeinnützige Naturschutz-Mitforschungsreisen. Die gemeinnützige Organisation versteht sich als Brückenschlag zwischen Forscherteams mit wichtigen Artenschutzprojekten und enthusiastischen Laien, die durch ihre Freiwilligenarbeit und ihren Expeditionsbeitrag diese Artenschutzprojekte ermöglichen.
  • Earthwatch Institute (Europe): Die internationale Organisation bietet Laien die Möglichkeit, an wissenschaftlichen Expeditionen teilzunehmen. Unterstützt werden vor allem Vorhaben, für die an Universitäten und Forschungsinstituten keine Mittel bereitstehen.
  • TravelWorks: Im Rahmen der Working Holidays kannst du dich in verschiedenen Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens sowie in Russland in den Bereichen Soziales, Bildung/Kultur und Gesundheit engagieren. Für Tier- und Naturbegeisterte gibt es zudem Hilfemöglichkeiten im südlichen Afrika, Kanada und den USA.
  • IBG Workcamps sind internationale freiwillige Ferienprojekte, die zwischen zwei und vier Wochen dauern. In einem Workcamp lebst und arbeitest du mit 8 bis 25 Leuten aus vielen verschiedenen Ländern.
  • Travel Beyond stellt eine Kombination aus bewussten und nachhaltigen Erlebnisreisen und Unterstützung eines lokalen Hilfsprojektes dar. Jede*r Reisende unterstützt durch eine zusätzliche Spende das besuchte Sozial- oder Umweltschutzprojekt in dem jeweiligen Reiseland und trägt so zur Projektförderung bei.
  • lernen und helfen für spannende Sprachreisen: Englisch, Spanisch und Portugiesisch in Entwicklungs- und Schwellenländern lernen. Ein Teil der Gebühren wird in einheimische Wirtschaftsbetriebe investiert.
  • Forum anders reisen ist ein Zusammenschluss von etwa 130 Reisemitgliedern, die sich dem nachhaltigen Tourismus verpflichtet haben. Sie versprechen Ressourcen vor Ort sorgsam und gezielt zu nutzen und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den Reiseländern zu achten.
  • Oceancare bietet Urlaub an Bord eines Forschungsschiffes oder in einer Forschungsstation, wo du bei der Forschungsarbeit hilfst und so aktiv zum Schutz von Walen und Delphinen beiträgst.
  • fairunterwegs.org ist ein nicht-gewinnorientiertes Reiseportal für mehr Einsicht und konkrete Handlungsmöglichkeiten, für einen fairen Umgang mit Mensch und Natur auf Reisen.
  • bookitgreen ist eine Buchungsplattform für nachhaltige Unterkünfte innerhalb Europas. Hier können Reisende ihren kompletten Urlaub, von der Anreise über die Unterkunft bis hin zu Touren vor Ort, nachhaltig gestalten.
  • Socialbnb: Diese Buchungsplattform für Unterkünfte verbindet NGOs mit Menschen, die während ihrer Reise lokale Projekte unterstützen wollen. Ähnlich wie ein Airbnb für NGOs ermöglicht die Plattform den Nutzenden, ein Bett oder ein Zimmer in den Räumlichkeiten einer NGO zu reservieren, was der betreffenden Organisation eine zusätzliche Einnahmequelle eröffnet.

Freiwilliger Arbeitseinsatz und Freiwilligendienste im Ausland

Im Folgenden findest du Adressen von Organisationen und NGOs, die Arbeitseinsätze im Ausland vermitteln bzw. organisieren. Für die freiwilligen Arbeitseinsätze gibt es meistens keine Entlohnung, oft aber Kost und Logis. Bei einigen Organisationen ist die Vermittlung kostenpflichtig.

  • Experiment e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die verschiedene Freiwilligenprojekte ab 16 Jahren in 23 Ländern anbietet, ab vier Wochen Aufenthalt. Die Finanzierung der Programme wird von den Teilnehmenden getragen, es gibt außerdem eine begrenzte Zahl von Stipendien.
  • Workaway ist eine Plattform, die wie ein soziales Netzwerk aufgebaut ist. Du kannst dein eigenes Profil erstellen und mit lokalen Gastfamilien und Menschen in Kontakt treten, die deine Unterstützung benötigen. Im Gegenzug wird dir Kost und Logis erstattet.
  • WWOOF vermittelt weltweite Adressen von ökologisch wirtschaftenden Farmen, die gegen Kost und Logis Mitarbeitende suchen.
  • International Farm Youth Exchange vermittelt Jugendaustausche, hauptsächlich für landwirtschaftliche Betriebe. Für die Mithilfe in den Betrieben bekommt man Kost und Logis.
  • Rainbow Garden Village ist auf Freiwilligenarbeit, Auslandspraktika und Sabbaticals in Entwicklungs- und Schwellenländern in Afrika und Asien spezialisiert. Die Organisation ist seit 1999 in diesem Bereich tätig und setzt dabei auch auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit.
  • NATUCATE bietet Auslandspraktika, Sabbatjahr und Freiwilligenarbeit im Natur-, Umwelt- und Artenschutz. Das Angebot umfasst Bildung und Weiterbildung sowie praktische Erfahrung und Outdoor-Aktivitäten.
  • Worldunite: Seit 2007 organisiert die Organisation Freiwilligeneinsätze, Praktika, Aktivreisen und kulturelle Lernangebote in verschiedenen Ländern.
  • SCI Schweiz: Hier findest du soziale und ökologische Freiwilligeneinsätze, vom zweiwöchigen Workcamp bis zum einjährigen Langzeiteinsatz, Sprachkurs oder Berufspraktikum.
  • Studentsgoabroad: Vermittlung von Praktika und Freiwilligenprogrammen für Studierende, für einen sozialen, kulturellen und bildenden Austausch.
  • Collective aid ist eine eigenständige und ehrenamtliche Organisation, die sich für die Versorgung von Geflüchteten und Migranten im Balkan einsetzt. Hier wird immer Unterstützung gebraucht.
  • Aid Brigade versorgt und unterstützt Geflüchtete auf den Straßen und in Flüchtlingslagern in Sarajevo, Bosnien. Hier wird Unterstützung gebraucht: Kochen, Organisation, Aktivitäten, Sprachkurse etc.

Neben oft kurzfristigen Arbeitseinsätzen kannst du dich aber auch längerfristig im Ausland engagieren, z.B. in internationalen Freiwilligendiensten. Hier findest du eine Auswahl:

  • Weltwärts wurde durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen. Hier kannst du dich für einen 6- bis 24-monatigen Einsatz bei einer Partnerorganisation zu den Themen Bildung, Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft, Kultur oder Menschenrechte bewerben. Ein Großteil der anfallenden Kosten werden mit Fördergeldern der BMZ finanziert.
  • Kulturweit ist ein internationaler Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission. Er bietet Menschen zwischen 18 bis 26 Jahren die Möglichkeit, sich für sechs oder zwölf Monate in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu engagieren. Dabei werden alle Freiwilligen finanziell unterstützt und in Seminaren begleitet
  • Der Europäische Freiwilligendienst (EFD) bietet für Menschen zwischen 17 und 30 Jahren die Möglichkeit, an Projekten im Ausland teilzunehmen. In der Regel dauert ein Freiwilligeneinsatz zwei bis zwölf Monate. Es werden weder ein spezieller Schulabschluss noch spezifische Sprachkenntnisse vorausgesetzt.
  • Für das ASA-Programm können sich junge Menschen zwischen 21 und 30 Jahren bewerben, die in Deutschland studieren, eine duale oder schulische Berufsausbildung abgeschlossen haben oder deren Bachelor-Abschluss jünger als 18 Monate ist. Das Programm bietet seinen Teilnehmenden eine Kombination aus einem 3- bis 6-monatigen Projektpraktikum im Ausland (in einem Land Afrikas, Asiens, Lateinamerikas oder Südosteuropas, teils auch in Deutschland), kombiniert mit mehreren Seminaren.
  • Der Arbeitskreis LERNEN UND HELFEN in Übersee e.V. (AKLHÜ) bietet Freiwilligendienste für Menschen jeden Alters, die im Rahmen internationaler Freiwilligendienste (z.B. in ökologischen, sozialen oder kulturellen Projekten) im Ausland mitarbeiten möchten. Eine abgeschlossene Ausbildung ist nicht unbedingt erforderlich.
  • Das Programm des ICJA – Freiwilligenaustausch weltweit bietet Teilnehmer*innen zwischen 18 und 28 Jahren verschiedene Freiwilligendienste zwischen 6 oder 12 Monaten in einem von 45 Ländern. Neben einer pauschalen Anmeldegebühr von 360 Euro ist ein Teilnahmebeitrag zu zahlen, abhängig von Gastland, Einkommen und Dauer des Aufenthalts.

Du willst einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, allerdings vor Ort, in deiner Stadt? In unserem Artikel Ehrenamtliches Engagement – Kleine Hilfen sind groß findest du Tipps, wie du das angehen kannst!

Erste Veröffentlichung: Uta Mühleis (2008); letzte Aktualisierung: 05/2019 (Sheena Stolz/RESET-Redaktion)

MARKIERT MIT
Socialbnb: Bei NGOs übernachten – und so wirkungsvoll Unterstützung leisten

Eine neue Buchungsplattform für Unterkünfte verbindet NGOs mit Menschen, die lokale Projekte unterstützen wollen, während sie reisen.

Bahn statt Flugzeug: Ein neuer Trend erobert Schweden

Der schwedische Trend „flygskam“ führt dazu, dass immer mehr Reisende vom Flugzeug auf die Schiene wechseln, um das Klima zu retten. 

Be a CO2-Compensator!

Carsharing oder ganz auf das Auto verzichten, weniger oder kein Fleisch essen, Energie sparen wo es nur geht. Kurz gesagt: CO2-Emissionen vermeiden ist das Motto! Wo man nicht auf CO2-Emissionen verzichten kann, sollte man unvermeidbaren CO2-Ausstoß kompensieren. RESET sagt dir wie.

Nachhaltiges Reisen: Eine neue Plattform vermittelt Öko-Unterkünfte und pflanzt einen Baum für jede gebuchte Nacht

Willst du einen Urlaub buchen, bei dem Nachhaltigkeit mehr ist als ein optionales Extra? Mit bookitgreen kannst du Unterkünfte suchen und buchen, bei denen Umweltschutz Programm ist.

Weißt du eigentlich, warum Flüge so günstig sind?

Wir alle wissen: Fliegen verursacht ungleich hohe CO2-Emissionen. Trotzdem ist ein Flug meistens günstiger als die gleiche Strecke mit dem Zug zurück zu legen und das Flugticket auf eine kanarische Insel kostet 60 Euro, die Zugreise zum nächsten Flughafen das doppelte – wie kann das sein?

6 Plattformen, die es einfach machen, Geflüchteten zu helfen

Du möchtest dich mit geflüchteten Menschen austauschen und ihnen auf die eine oder andere Weise helfen in Deutschland anzukommen? Der Weg dahin erscheint manchmal komplizierter als er ist: Überall in Deutschland gibt es Organisationen und Projekte, die genau dieses Ziel verfolgen. Wir haben Plattformen zusammengetragen, die es dir einfach machen, deinen Teil beizutragen.

Daumen hoch: Mit TeachSurfing auf Reisen Gutes tun

Gute Ideen, die die Welt verändern, gibt es viele und wer RESET regelmäßig liest, wird einige davon kennen. Jeden Monat wählen wir eine Idee aus, die durch ihren Impact und ihre Neuheit hervorsticht. Unser aktuelles Lieblingsprojekt: TeachSurfing macht Volunteering auch auf kurzen Reisen möglich.

Tipps zum nachhaltigen Reisen

Die Deutschen sind Reiseweltmeister. Nicht einmal die US-Amerikaner geben annähernd so viel für Urlaub aus - obwohl sie mit 300 Millionen Einwohnern dreieinhalbmal mehr sind als die Bundesdeutschen. Damit unsere Reisewut zum Segen und nicht zum Fluch für den Globus wird, sollten wir uns ein paar Gedanken über die Nachhaltigkeit von Reisen machen.