Tesselo: Umweltschutz aus dem Weltraum

Welche Informationen brauchen Unternehmen, um nachhaltige Entscheidungen zu treffen? Ein portugiesisches Startup interpretiert hierfür Satellitenbilder.

Autor Ana Galán Herranz:

Übersetzung Ana Galán Herranz, 01.10.19

Kann man Umweltprobleme mithilfe von Datenanalysen bekämpfen? Diesen Ansatz verfolgt zumindest das portugiesische Startup Tesselo. Das Ziel des vor zwei Jahren in Lissabon gegründeten Unternehmens ist es, die Erde mithilfe von Satellitendaten zu schützen und Unternehmen dabei zu helfen, Ressourcen effizienter und nachhaltiger zu nutzen.

Ein Team aus Umwelt-, KI- und Systemingenieuren analysiert dafür Daten aus Satelliten- und Luftbildern. Dabei werden die allmählichen Veränderungen in den Bildern überwacht, Muster identifiziert und Prognosen über mögliche Risikofaktoren abgeleitet. Die nahezu in Echtzeit erfolgende „räumliche Vorhersage“ kann für unterschiedlichste Branchen angewendet werden.

Tesselo will mit diesen Daten die Ressourcennutzung von Unternehmen rationalisieren, intelligenter und umweltfreundlicher gestalten. „Unser Unternehmen hilft, Erdbeobachtungsdaten zu interpretieren und auf geschäftliche Probleme anzuwenden“, erklärt Remi Charpentier, einer der Mitbegründer des Unternehmens. „Wir liefern den Entscheidungsträgern wichtige Umwelt- und Geschäftsinformationen.“

Auf einer Webplattform sind die Daten für die Kunden verfügbar, visuell aufbereitet und leicht verständlich, technische Vorkenntnisse werden nicht benötigt. „Während die meisten unserer Wettbewerber oft unbearbeitete oder gereinigte Satellitenbilder liefern, bieten wir intelligente Analysen von Satellitenbildern an“, erklärt Charpentier. Offenbar mit Erfolg: Seit der Gründung im Jahr 2017 wird das Unternehmen für diese Projekt von der Europäischen Weltraumorganisation unterstützt.

Tesselo bietet auf Grundlage der aufbereiteten Daten aus dem All eine Reihe von Lösungen an, die auf Künstlicher Intelligenz basieren und bereits von einigen Unternehmen und NGOs eingesetzt werden:

  • Forstwirtschaft: Eine intelligente Lösung für die Forstwirtschaft soll die Pflanzungen effizienter machen, indem sie die optimale Pflanzzeit schätzt und frühzeitig vor Schädlingsbefall warnt. Mithilfe einer Datenanalyse wird außerdem überprüft, ob die Benutzung bestimmter Landflächen den Umweltauflagen entspricht.
  • Wildkökologie: Für die Bekämpfung von Waldbränden wird durch Datenanalyse ein sicherer Abstand von Vegetation zur menschlichen Zivilisation berechnet, um mögliche Folgen bei einem Brand gering zu halten. Zudem werden Feuerrisikokarten erstellt, die Bereiche mit hoher Brandgefahr anzeigen.
  • Logistik: Liefer- und Versorgungsketten werden analysiert, um sicherzustellen, dass sie unter nachhaltigen Bedingungen produziert wurden.

Das dafür notwendige Datenmaterial bezieht Tesselo von Copernikus, dem größten Weltraumdatenanbieter der Welt, welcher einen Großteil seiner Daten frei zur Verfügung stellt. Das ist insofern wichtig, da so auf eigene Technik im All verzichtet wird: Schließlich wimmelt es dort oben bereits von unzähligen Satelliten – und leider auch von Weltraumschrott. Doch längst nicht jedes Unternehmen braucht eigene Satelliten im All!

Übrigens sind viele wissenschaftlichen Satellitendaten bereits jetzt kostenlos verfügbar. Da sich diese Daten jedoch nicht einfach so herunterladen lassen, arbeitet das Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam (GFZ) an einer Webanwendung, um solche Daten einer breiten Öffentlichkeit frei zugänglich und lesbar zu machen. Wir haben bei RESET bereits darüber berichtet: Radiance Light macht Satellitendaten lesbar – für alle

Dieser Artikel ist eine Übersetzung von Thorge Jans. Das Original erschien zuerst auf unserer englischsprachigen Seite.

Wie kann KI im Umwelt- und Klimaschutz wirkungsvoll eingesetzt werden? Welche spannenden Projekte gibt es? Was sind die sozial-ökologischen Risiken der Technologie und wie sehen Löungen aus? Antworten und konkrete Handlungsempfehlungen geben wir in unserem Greenbook(1) „KI und Nachhaltigkeit – Können wir mit Rechenleistung den Planeten retten?“.

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