UNOSAT: Mit Satelliten die Zukunft der humanitären Hilfe gestalten

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© UNOSAT
Die Auswirkungen von Schlammlawinen und betroffene Gebäude in Bicol, Philippinen - analysiert von UNOSAT im November 2020.

Das Satellitenprogramm der Vereinten Nationen, UNOSAT, nutzt Geodaten, um fundierte, evidenzbasierte Lösungen für Fragen der menschlichen Sicherheit, des Friedens und der nachhaltigen Entwicklung zu entwickeln.

Autor Katie Cashman:

Übersetzung Katie Cashman, 29.12.20

Satellitenbilder erweisen sich als nützliches Werkzeug für Innovationen in vielen Bereichen, insbesondere wenn es darum geht, Umweltveränderungen wie Umweltschäden und den Klimawandel zu überwachen. Satelliten werden beispielsweise eingesetzt, um eine nicht nachhaltige Landnutzung und Abholzung zu verfolgen, das Verhalten von Tieren für den Naturschutz zu überwachen, Präzisionslandwirtschaft zu ermöglichen und sogar Ölverschmutzungen zu erkennen und illegale Fischereiaktivitäten aus dem Weltall aufzudecken. Aber auch für humanitäre Zwecke können Satellitendaten genutzt werden – zum Beispiel, um die Sicherheit von Menschen und Menschenrechte angesichts von Naturkatastrophen, gewaltsamen Konflikten und den Auswirkungen des Klimawandels zu gewährleisten.

Das United Nations Operational Satellite Applications Programme, UNOSAT, ist ein Beispiel dafür. Die Organisation nutzt verschiedene Satelliten, die derzeit die Erde umkreisen, um UN-Gremien, UN-Mitgliedsstaaten und Partnern Satellitenbildanalysen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus bietet sie Regierungen und regionalen und internationalen Organisationen Schulungen an, in denen sie lernen, wie sie Geodaten-Technologien einsetzen können, um bestimmte Herausforderungen anzugehen.

Ein wichtiger Aspekt der Arbeit von UNOSAT ist der Rapid Mapping Service. Hier übersetzt UNOSAT Satellitendaten in informationsreiche Karten und Berichte und stellt sie humanitären Organisationen zur Verfügung, die in Notsituationen wie Überschwemmungen, Erdbeben, Stürmen, Erdrutschen, Ölkatastrophen und gewaltsamen Konflikten vor Ort Hilfe leisten. In Situationen wie diesen sind klare und vertrauenswürdige Informationen extrem hilfreich, um in solchem Chaos einen Durchblick zu erlangen.

In jüngster Zeit hat UNOSAT wichtige Informationen über das Ausmaß von Überschwemmungen und anderen Schäden in Nicaragua, Kolumbien und Guatemala geliefert, als der Hurrikan Iota über den mittelamerikanischen Kontinent hinwegfegte. Die Karten von UNOSAT können beispielsweise Bevölkerungsdaten mit der Wasseroberfläche in Bezug setzen, um herauszufinden, wie viele Menschen auf der Flucht sind und von wo, um eine Evakuierungsstrategie zu erstellen. Sie können auch aktuelle Fotos mit Bildern vergleichen, die vor den Katastrophen aufgenommen wurden, um festzustellen, wie stark die Infrastruktur – wie Straßen und Gebäude – beschädigt wurde.

Dieses Video zeigt zum Beispiel die Schadensbeurteilung für eine Stadt auf Vanuatu nach dem tropischen Wirbelsturm Harold im April 2020. Anhand von Satellitenbildern wird gezeigt, wie es möglich ist, genau zu erkennen, welche einzelnen Gebäude zerstört zu sein scheinen und welche Bereiche der Stadt wahrscheinlich die dringendste Hilfe benötigen:

Die Analyse von Satellitenbildern kann auch genutzt werden, um gefährdete Gruppen zu schützen, die vor einer Katastrophe fliehen. Während des Konflikts zwischen der philippinischen Regierung und den Moro-Separatisten im Jahr 2013 zeigten Satellitenbilder den Hilfsorganisationen beispielsweise das Ausmaß der Gebäudeschäden, um zu wissen, welche Gebiete sicher und welche unsicher sind, und um Strategien für die Unterbringung der vertriebenen Gruppen aufzustellen.

UNOSAT stellt jeder UN-Schwesterorganisation oder humanitären Gruppe kostenlos Karten, Statistiken und Berichte zur Verfügung. Die Geoinformationen sind in den verschiedenen Phasen eines Katastrophenszenarios hilfreich: bei der Notfallplanung für die Katastrophenvorsorge, bei der Bewertung des Umfangs, des Ausmaßes und der Schwere einer Krise und der Planung einer Reaktion und bei der Überwachung des Wiederaufbaus während der gesamten Erholungsphase. „Werkzeuge und Analysen wie die von UNOSAT sind nicht nur äußerst nützlich, sondern in der heutigen Zeit unverzichtbar“, erklärt Einar Bjorgo, ein Mitarbeiter des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) aus Jordanien.

Viele der erstellten Karten sind auf der UNOSAT-Website abrufbar, auch in einer interaktiven Form, die es den Nutzer*innen ermöglicht, sich auf bestimmte Gebiete zu konzentrieren oder einen Überblick über eine Situation zu erhalten – von Sturzfluten in Laos bis zu den Auswirkungen von Konflikten im Irak und im Südsudan. Zudem ist das gesamte Archiv aller Karten, die von UNOSAT als Reaktion auf Naturkatastrophen und Krisen auf der ganzen Welt seit 2004 erstellt wurden, zugänglich.

Das UNOSAT-Programm ist Teil des UN-Instituts für Ausbildung und Forschung (UNITAR). Neben den Dienstleistungen im Bereich der Analyse von Satellitenbildern ist eines der Hauptziele der Organisation der Auf- und Ausbau von Kapazitäten der Mitgliedsstaaten in der Nutzung von Erdbeobachtungs- und Geoinformationstechnologien, um bei der Lösung lokaler Herausforderungen und der Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele zu helfen. Seit zehn Jahren veranstaltet UNOSAT beispielsweise einen dreiwöchigen Masterkurs in Katastrophenmanagement an der Universität von Kopenhagen. Im Tschad arbeitete das Team kürzlich an der Entwicklung eines Informationssystems für Wasserressourcen und der Stärkung lokaler Fähigkeiten in der Hydrogeologie, um das Problem der Wasserknappheit im Land anzugehen. In Guyana entwickelte und implementierte UNITAR ein Frühwarnsystem zur Vorhersage von Überschwemmungen und zur Verbesserung der Katastrophenvorsorge und Krisenbewältigung; das besondere Augenmerk lag dabei auf Frauen und indigenen Völkern, die durch Naturkatastrophen gefährdet sind. Die Anwendungsmöglichkeiten von Satellitenbildern sind also enorm vielseitig.

Dieser Artikel ist eine Übersetzung von Sarah-Indra Jungblut. Das Original erschien zuerst auf unserer englischsprachigen Seite.

Dieser Artikel ist Teil des Dosssiers „Satelliten und Drohnen – Wertvolle Helfer für eine nachhaltige Entwicklung“. Alle Artikel des Dossiers findest du hier: Dossier Satelliten und Drohnen

Das Dossier ist Teil der Projekt-Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in deren Rahmen wir vier Dossiers über zwei Jahre zum Thema „Chancen und Potenziale der Digitalisierung für eine nachhaltige Entwicklung“ erstellen.


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