UN-Klimakonferenz – Erfahrungsbericht einer jungen Klimabotschafterin

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Proteste in Durban.

Marina Flevotomas ist Climate Champion des British Council – für die Organisation nahm sie an der UN-Klimakonferenz, der COP 17, in Südafrika teil. Vom 23. November bis zum 11. Dezember war Marina Teilnehmerin an der ‘Conference of Youth’ (COY) und ‘Conference of the Parties’ (COP). Hier beschreibt die 26-jährige im Rückblick ihre Erfahrungen.

Autor*in Sarah-Indra Jungblut, 21.12.11

„Als ich aus Durban abreiste, war ich enttäuscht, dass die Regierungen so wenig Aktionismus gezeigt hatten. Bis 2015 soll ein rechtsverbindlicher Klimavertrag entworfen werden, der erst 2020 in Kraft treten soll. Das geht nicht weit genug – der Zeitraum des Nichsttuns ist so lang, dass die globale Erwärmung auf weit über 2°C klettern wird. Das hätte unumkehrbahre Folgen, vor allem für Länder, die am wenigsten verantwortlich für den Klimawandel sind. Ab 2020 sollen mit Hilfe des “Grünen Klimafonds” jährlich 100 Milliarden US Dollar an arme Länder gehen. Das ist zu spät und außerdem ist noch nicht genau geklärt, wo genau das herkommen soll. Ich wünsche mir darum einen Vertrag, bei dem auf erneuerbare Energien in Schwellenländern gesetzt wird und nicht, wie bisher, auf fossile Energieträger. Ein solcher Vertrag fördert außerdem die Menschenrechte, steht für Gleichheit, eine grüne Wirtschaft und ökologische Nachhaltigkeit.

Am letzten Freitag der COP 17 mobilisierten sich fast zweihundert junge Menschen im Flur vor den Verhandlungsräumen.  Der Protest fing mit dem berühmten Solidaritätslied “Shosholoza” an, einem afrikanisches Volkslied. Fast zwei Stunden protestierten Jugendliche gegen den mangelnden Ehrgeiz, das Klimaproblem ernst zu nehmen und aktiv zu werden. Diese spontane Aktion unterstrich unsere Forderung nach sofortiger Klimagerechtigkeit. In der jetzigen Situation, wo das Licht am Ende des Tunnels langsam zu verschwinden scheint, ist es wichtig, engagiert zu bleiben. Denn der Wettlauf gegen den Klimawandel ist ein langer – es ist ein Marathon.

Trotz der Enttäuschung über das Lippenbekenntnisses der Politik war ich inspiriert von der Erfahrung und meinen Eindrücken aus Durban. Ich durfte über meine Reise in die Arktis berichten und zeigte den Film über das “Arctic Climate Training” im Rahmen einer Nebenveranstaltung der Klimakonferenz mit anschließender Fragerunde. Ich traf zwei sehr lustige junge Inuit, die aus der kanadischen Arktis nach Durban gekommen waren, um über ihre Erfahrungen mit dem Klimawandel zu berichten.

Was habe ich noch erlebt?  Ich traf John Crump, einen UN Beobachter und Experten für Polarregionen. Im Rahmen seines Projekts “Students on Ice” nimmt er Schüler mit in die Antarktis. Er war wirklich inspirierend und möchte den Polarregionen eine Stimme bei der UN-Klimakonferenz geben.

Wie man eine Basisbewegung und Umweltschutzgruppen aufbaut, erklärte ich als Panelistin eines Workshops während meiner ersten Woche in Südafrika. Als Teil des Projekts gingen wir auch an Schulen in Durban, wo wir mit den 12- und 13-jährigen über Klimawandel sprachen und darüber, wie sie dem Klimawandel entgegenwirken können.

Ich stand auch am Bahnhof von Durban, als der “Klimazug” eintraf. Der Zug war seit über einem Monat durch 17 Regionen Südafrikas gefahren um über die COP 17, den Klimawandel und Umweltprojekte zu informieren. Der Zug stand für die Dauer der Konferenz im Hauptbahnhof – spannend war, dass die Wagons als Ausstellungs- und Unterrichtsräume genutzt wurden.

Dieses Nebenprogramm im Schatten der Konferenz, die Workshops und Gruppentreffen waren für mich das eindrucksvollste an meiner Zeit in Durban. Unter anderem nahm ich auch an Veranstaltungen mit dem UN Generalsekretär Ban Ki-Moon teil, der ehemaligen Presidäntin Irlands, Mary Robinson, dem IPCC Vorsitzenden Rajendra K. Pachauri und dem britischen Ökonom Nicholas Stern teil.

Die Menschen, die ich in Durban traf, erzählten mir selbstlose, mitfühlende und beeindruckende Geschichten. Diese Menschen kämpfen unaufhörlich gegen den Klimawandel. Diese Menschen sind „solarbetrieben“ – ihre Energie stammt vom gleichen Herzschlag wie der Lebenszyklus, zu dem wir gehören. Diese Menschen sind eine Bewegung, die wächst und sie ist ein Teil der Lösung. So lange die Sonne scheint, der Wind weht und das Wasser fließt, werden wir gegen die negativen Folgen des Klimawandels aktiv handeln. Wir werden uns einsetzen für Klimagerechtigkeit und unsere Verantwortung ernst nehmen. So wie Greenpeace Chef Kumi Naidoo sagte: ‚Es ist nicht dein Leben, das du hergibst, sondern der Rest deines Lebens.‘ „

Marina Sophia Flevotomas – Videointerview aus Durban

RESET bedankt sich für diesen ermutigenden Erfahrungsbericht!

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