The Sun Protocol verbindet erneuerbare Energie mit der Blockchain

Das Joint Venture The Sun Protocol arbeitet an solaren Mini-Grids für Subsahara-Afrika. Die Blockchain in diesem System misst und belohnt die Nutzung von nachhaltiger Energie mit Tokens, die auch als Zahlungsmittel verwendet werden können.

Autor Jasmina Schmidt, 13.04.20

Noch immer haben weltweit etwa 840 Millionen Menschen keinen Zugang zu Elektrizität. Vor allem in den ländlichen Gebieten Subsahara-Afrikas sind viele Menschen vom nationalen Stromnetz abgeschnitten. Mini-Grids können einen wichtigen Beitrag zur Elektrifizierung der Regionen leisten, die nicht vom nationalen Stromnetz abgedeckt werden und auf die unterschiedlichsten Arten Strom für die Menschen in der Umgebung erzeugen. Die verbreitetste Variante nutzt Dieselgeneratoren, aber immer häufiger werden auch nachhaltige Mini-Grids in Betrieb genommen, die den Strom aus erneuerbaren Energien wie Solar- und Windkraft erzeugen. Ein solches System, das sich aus der Energie der Sonne speist, ist der sogenannte „Solartainer“ von Africa GreenTec. Das Sozialunternehmen aus der Nähe von Frankfurt am Main agiert, wie der Name bereits annehmen lässt, auf dem afrikanischen Kontinent und insbesondere in Mali, Niger und im Senegal.

Ein Solartainer ist im Grunde ein Container, auf dem Photovoltaik-Paneele angebracht sind und der damit ein komplettes, mobiles Solarkraftwerk darstellt. Dieses kann bei Bedarf zu den Maßen eines Frachtcontainers zusammengefaltet werden. Dabei ist ein Solartainer in der Lage, bis zu 80.000 kWh Strom zu erzeugen. Das ist genug, um bis zu 4.000 Menschen in ländlichen Dörfern in Sub-Sahara-Afrika mit Energie zu versorgen. Und dadurch, dass die Preise für Photovoltaik in den letzten Jahren immer weiter gesunken sind, ist der auf diese Weise erzeugte Strom inzwischen sogar günstiger als der für die gleiche Strommenge benötigte Dieselkraftstoff. Die Mini-Grids von Africa GreenTec werden bereits in 20 Dörfern in Subsahara-Afrika eingesetzt.

Nun hat sich das Sozialunternehmen mit dem internationalen Forschungskollektiv Freeelio, das sich mit Stromversorgung und Blockchain auseinandersetzt, zu dem Joint Venture The Sun Protocol zusammengetan. Mit Unterstützung der Forschungsprojekts „Programming a Sustainable World Initiative“ am Forschungsinstitut für Kryptoökonomie der Wirtschaftsuniversität Vienna arbeiten die beiden Startups am Thema der dezentralen Energieversorgung und fokussieren dabei auf die produktive Nutzung von Energie, und zwar mit Hilfe von Tokens, der Blockchain-Technologie und Smart Contracts.

Tokens für grüne Energie und nachhaltige Stromnutzung

The Sun Protocol nutzt die Technologien von Africa GreenTec und erweitert diese um digitale Prozesse, Tarife und Blockchain-Technologien. Für jede verbrauchte Kilowattstunde Energie wird ein Token vergeben. Dieses Token kann gegen eine bestimmte Menge Strom eingetauscht werden und soll zunächst das Produktivitätsniveau abbilden, für das die Energie verwendet wurde. Die Nutzung einer Nähmaschine oder einer Mühle wird nach diesem System stärker belohnt als die eines Fernsehers oder Radios. Auf diese Weise soll, so das Ziel von The Sun Protocol, der Wille zum Schaffen und Produzieren unterstützt werden. Der Token kann aber ebenso auch für das Mieten, Leasen oder Kaufen von Geräten, für die Wasseraufbereitung, die Nutzung von gemeinsam genutzten E-Fahrzeugen oder die Kühlung von Produkten verwendet werden. Somit soll nicht nur die Nutzung von Strom allgemein, sondern die Nutzung von Strom für produktive, nachhaltige Zwecke gefördert werden – wobei sich hier natürlich aber die Frage stellt, wer entscheidet, was als produktiv zu sehen ist und welcher Wert bestimmten Nutzungsweisen zugeschrieben wird.

Möglich ist das Ganze ist durch die Blockchain-Technologie und Smart Contracts. Diese ermöglichen es, bestimmte Regeln für Transaktionen zu definieren und damit Abläufe zu automatisieren. Solche Ansätze zur Finanzierung von dezentralen Mini-Grids könnten durch ihre transparenten Wege einen Beitrag dazu leisten, wie digitale Technologien zu einer nachhaltigen Energieversorgung führen könnten. Das stellte auch eine Studie des IASS Potsdam (Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung) fest, in der die Möglichkeiten von Mini-Grids und digitalen Technologien zur nachhaltigen Energieversorgung untersucht wurden. Die Autor*innen der Studie stellen fest, dass Lösungen zur Energieversorgung in Kombination mit neuen Blockchain-Technologien innovative Instrumente zur Verknüpfung von digitalen und finanziellen Vermögenswerten mit sozialen Vermögenswerten sein können. Momentan stoßen diese Technologien jedoch noch häufig auf Unverständnis und mangelndes Vertrauen von Seiten der Regulierungsbehörden und Geberorganisationen und sind daher noch eine Nischenentwicklung. Mit immer weiteren Projekten und Ideen dieser Art wird sich dies aber sicher ändern.

Das erste Pilotprojekt von The Sun Protocol, ein Solartainer mit Blockchain-Technologie kombiniert, wird gerade zusammen mit Connect 2 Evolve, einer Siemens-Gruppe umgesetzt. Für die Testanlage wurde ein Crowdfunding eingerichtet, um das Mini-Grid und die Installation im senegalesischen Dorf Bacco Ndiem zu finanzieren.

Mini-Grids und digitale Technologien bringen nachhaltigen Strom an entlegene Orte

Mini-Grids sind unabhängig vom nationalen Stromnetz und helfen bei der Elektrifizierung ländlicher Gebiete. Eine Studie des IASS hat untersucht, wie die Mini-Netze, kombiniert mit digitalen Technologien, zur nachhaltigen Energieversorgung beitragen können.

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