Sulapac – Holz und natürliche Verbundstoffe statt Plastik

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Kreislaufwirtschaft geht ohne Abfall, indem Ressourcen verwendet werden, die recycel- und kompostierbar sind. Plastik braucht da ein Update.

Autor Julian Furtkamp, 14.11.17

Beim diesjährigen Green Alley Award wurde das finnische Start-up Sulapac als Gewinner ausgezeichnet. Das Unternehmen, gegründet von Suvi Haimi und Laura Kyllönen, hat ein zu 100 Prozent biologisch abbaubares Verpackungsmaterial entwickelt, das in seiner Formbarkeit und Wiederstandsfähigkeit Plastik ähnelt, aber aus kleinen Holzspänen und natürlichen Klebstoffen besteht.

Die Gründerinnen, die ihr Geschäft 2016 starteten, haben den Bedarf an einem ökologisch verträglichen und ressourcenschonenden Material bei der Biokosmetik entdeckt. Die Plastikverpackungen passten so gar nicht zu den hochwertigen und nachhaltigen Inhalten. Als Expertinnen für Biomaterialien und Gewebeherstellung im medizinischen Bereich holten sie sich noch Mitarbeiter, die Fachleute für Holzverbundstoffe sind, an Board und konnten in kurzer Zeit ein marktreifes Produkt entwickeln.

Zur Zeit kann Sulapac für zwölf Monate garantieren, dass die umschlossenen Produkte nicht biologisch abbauen. Geplant ist aber, diesen Zeitraum auf 30 Monate auszuweiten. Die ersten erhältlichen Produkte von Sulapac sind Öko-Kosmetik der ebenfalls finnischen Marke Niki Newd, weitere Kooperationen sind schon geplant. Als weiteres Einsatzgebiet ihres Materials sehen die Unternehmerinnen zunächst den Lebensmittelbereich.

Ausgezeichnet für das Denken in Kreisläufen

Das Konzept überzeugte die Jury des Green Alley Award, der seit 2014 besteht und Start-ups aus der Kreislaufwirtschaft auszeichnet. Der Circular Economy liegt die Erkenntnis zugrunde, dass in einer Welt endlicher Ressourcen, diese in unseren wirtschaftlichen Prozessen und unserem Konsum zwar gebraucht, aber nicht verbraucht werden dürfen. Unsere Rohstoffe sollten nach Gebrauch, sei es als Endprodukt oder Hilfsstoff, wieder zu einer Form finden, in der wir sie wiederverwenden können. Eine solche Wirtschaft kennt keinen Abfall, sondern lediglich eine Menge an Ressourcen, die wir verwenden können.

Für die finale Runde des Awards waren fünf weitere Start-up nominiert:

  • Mimergy gewinnt aus gebrauchten Reifen Biotreibstoff, Gase oder erneuerbaren Kohlenstoff.
  • Newcy bietet Coffee-To-Go aus Automaten, bei denen die Trinkbecher gespült und wieder verwendet werden.
  • Solmove entwirft Solarstraßen, die Energie gewinnen und die zum großen Teil recycled werden können.
  • Sulfotools entwickelte eine Technik, teils umwelt- bzw. gesundheitsschädliche Peptide in Cremes oder Medikamenten zu vermeiden.
  • Sustonable verbindet Quartz und PET zum einem Material, das zu 100 Prozent recycled werden kann und härter ist als Granit.
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