Strom aus Mist

Alles andere als "mist".

Nur wenige wissen, dass die Energiepflanze Mais eine immer bedeutendere Rolle bei der Ökostromproduktion spielt. Was harmlos klingt, birgt dennoch Gefahren. Denn große Mais-Monokulturen lassen die Natur verarmen. Naturschützer warnen gar vor einer "Vermaisung" der Landschaft.  Nun arbeiten Forscher an der Uni Hamburg daran, Mais zu ersetzen - durch Pferdemist.

Autor RESET , 01.01.14

Sie entwickeln zurzeit ein Aufbereitungsmodul, um Pferdemist für Biogasanlagen nutzbar zu machen. Es soll den Pferdemist von Stroh und anderen Fremdstoffen, wie Sand, Steinen, alten Hufeisen befreien, damit nur die reine Masse aus Pferdekot und Wasser übrigbleibt – das Energie-Substrat für die Biogasanlage.

Ein Jahr lang haben die Forscher an ihrem Aggregat gearbeitet. Entsprechend groß ist die Aufregung: „Es ist für uns alle super-spannend. Wir sind alle aufgeregt, wir sind alle neugierig, wir hoffen alle darauf, dass es funktioniert. Und nicht nur ich steh hier mit großen Augen, sondern auch alle Studenten, die wirklich neugierig sind, ob das Stroh oben raus und der Sand unten raus kommt“, so Saskia Oldenburg, die 29-Jährige ist Diplom-Ingenieurin für Umwelttechnik und Energiewirtschaft an der Technischen Universität Hamburg, die das Forschungsprojekt leitet.

Universell und einfach in der Anwendung

Das Besondere daran ist, dass das Modul an so gut wie jeder der derzeit rund 7500 Biogasanlagen in Deutschland angeschlossen werden kann: „Das Aufbereitungsaggregat ist ganz genau für konventionelle Techniken konstruiert. Wir brauchen keine zusätzlichen Leitungen, wir brauchen kein zusätzliches Know-how, es wird in einem Stück geliefert, wird dann an die vorhandenen Leitungen an der Biogasanlage angeschlossen und der Biogasanlagenbetreiber muss nichts anderes machen, als den Pferdemist reinzugeben und auf Start zu drücken. Das ist zumindest unsere Wunschvorstellung.“

Da in Deutschland jährlich bis zu 15 Millionen Tonnen Pferdemist anfallen, könnte die Technik tatsächlich flächendeckend Anwendung finden. Mit Ihrer Hilfe ließen sich nach Angaben der Forscher theoretisch bis zu 30 Prozent Mais ersetzen. In einem Jahr, so planen die Forscher, soll das Modul erstmals an eine Biogasanlage angeschlossen werden. Beachtlich ist auch die Tatsache, dass das Projekt seine Forschungsmittel durch Crowdfounding erworben hat.

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