Stimmen der Klimagerechtigkeit: Klimaaktivist*innen weltweit im Interview

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© RESET.org

Die Auswirkungen des Klimawandels sind ungleich verteilt; die am stärksten davon betroffenen Länder sind nicht unbedingt die Hauptverursacher. Wir haben mit Umweltaktivist*innen aus dem Globalen Süden über ihre Erfahrungen, ihren Aktivismus, ihre Meinungen und ihre Hoffnungen für die Zukunft gesprochen. Ein Überblick über alle Interviews der Reihe.

Autor Marisa Pettit:

Übersetzung Marisa Pettit, 16.02.21

Unsere körperliche Gesundheit, die Luft, die wir atmen, unser Zugang zu Wasser und Nahrung – auf all das und mehr wirkt sich der Klimawandel bereits aus. Aber den menschengemachten Klimaveränderungen ist auch ein soziales Problem inhärent, denn die Auswirkungen – von Dürren bis hin zum Anstieg des Meeresspiegels – betreffen verschiedene Regionen ungleich. Vor allem Länder des Globalen Südens, die bisher wenig zu den CO2-Emissionen in unserer Atmosphäre beigetragen haben, bekommen die Wetterextreme besonders zu spüren.

Wenn wir jemals einen Weg aus der Klimakrise finden und eine grünere, gerechtere Zukunft für alle sichern wollen, müssen an den Diskussionen über Lösungen und alternative Zukünfte verschiedenste Stimmen beteiligt sein. Ohne das Wissen und die Erfahrung derer, die am meisten davon betroffen sind, werden wir den Klimawandel sicherlich nicht aufhalten können. Doch in der Berichterstattung über den Umweltaktivismus einer jungen Generation konzentrieren sich die Medien meist nur auf ein oder zwei bekannte Gesichter aus der europäischen Klimabewegung.

Mit dieser Interviewreihe lässt RESET Klimaaktivist*innen, Pädagog*innen und Changemaker zu Wort kommen, die für eine bessere Welt kämpfen, die innovativ sind und andere inspirieren, die Probleme anzugehen, denen wir als Gemeinschaft gegenübersteheneine – und deren Stimmen viel zu selten gehört werden.

In diesem Artikel findest du alle Interviews der Reihe im Überblick – und er wird aktualisiert, sobald neue Interviews hinzukommen. Wir wünschen eine inspirierende Lektüre!

1. „Wir sind eine Klima-Generation und das ist unser Kampf!“ Interview mit dem Aktivisten Sadrach Nirere aus Uganda

© Sadrach Nirere

Im ersten Interview der Reihe sprachen wir mit Sadrach Nirere, Communication Manager bei Fridays for Future Uganda. Uganda ist das jüngste Land der Welt; 78 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre; ein fruchtbarer Boden für eine von Jugendlichen geführte Klimabewegung. Wir unterhielten uns mit ihm über die Auswirkungen des Klimawandels in seiner Gemeinde, seinen Aktivismus und die Rolle, die digitale Technologien auf seiner Reise als Aktivist gespielt haben.

Hier findest du das vollständige Interview mit Sadrach Nirere.

2. „Die Menschen über den Klimawandel aufzuklären ist der erste Schritt, ihn zu bekämpfen.“ Interview mit dem pakistanischen Aktivisten Iqbal Badruddin

© Iqbal Badruddin

Pakistan steht vor großen Herausforderungen. Das Land emittiert nur einen winzigen Teil der globalen Treibhausgase, aber Klimawissenschaftler*innen gehen davon aus, dass es mit am stärksten von durch den Klimawandel bedingten extremen Wetterereignissen wie Dürren und Überschwemmungen betroffen sein wird. Hinzu kommt, dass in der pakistanischen Gesellschaft kaum ein Bewusstsein für den Klimawandel, die Notwendigkeit, ihn zu bekämpfen und sich an seine Auswirkungen anzupassen vorhanden ist

In diesem Interview sprechen wir mit Iqbal Badruddin, dem Gründer von Fridays for Future Pakistan, über sein Engagement, um das Bewusstsein für die Klimakrise zu schärfen, die Rolle von digitalen Medien in ihren Bildungsprojekten und die Bedeutung, den Klimawandel in den Lehrplan der Schulen aufzunehmen.  

Hier findest du das vollständige Interview mit Iqbal Badruddin.

3. „Wir alle sind Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung.“ – Interview mit der thailändischen Aktivistin Lynn Ocharoenchai

Der Global Climate Risk Index 2017 listet Thailand unter den Top 10 der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder der Welt. In diesem Interview berichtet uns Nanticha „Lynn“ Ocharoenchai, Gründerin von Climate Strike Thailand, von ihrer Bewegung, die von Greta Thunbergs Fridays for Future-Schulstreiks inspiriert ist. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die thailändische Öffentlichkeit auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen, Maßnahmen von den Machthabenden zu fordern, aber auch Verhaltensänderungen in der Gesellschaft anzuregen. Sie ist überzeugt davon, dass das Wohlbefinden der Menschen der Schlüssel zum Schutz der Natur ist, und erzählt, wie sich die Corona-Pandemie auf Bangkok auswirkt.

Hier findest du das vollständige Interview mit Nanticha „Lynn“ Ocharoenchai.

4. „Wir kämpfen nicht nur um unsere Zukunft, sondern auch um das Heute.“ Interview mit der philippinischen Aktivistin Mitzi Tan

Laut dem neuesten Bericht von Global Witness sind die Philippinen das zweitgefährlichste Land für Umweltaktivist*innen; im Jahr 2018 war das Land sogar die Nummer eins. Aber die Philippinen sind auch ein Land, in dem in der Vergangenheit kollektive Graswurzel-Aktionen zu großen Erfolgen für die Umweltbewegung geführt haben.

In diesem Interview sprechen wir mit Mitzi Jonelle Tan, Mitbegründerin der Youth Advocates for Climate Action Philippines, darüber, wie es ist, Aktivistin auf den Philippinen zu sein, wo die Situation gleichzeitig inspirierend und zutiefst unsicher erscheint. Wir sprechen über die Kreativität, die aus ihren jüngsten Online-Protesten entstanden ist, über die Notwendigkeit, dass Unternehmen und Länder im Globalen Norden ihre Verantwortung erkennen, und über ihre Hoffnung, dass wir nach Covid-19 eine nachhaltigere Gesellschaft aufbauen können.

Hier findest du das vollständige Interview mit Mitzi Tan.

5. „In der Klimabewegung geht es nicht um Individuen, sondern um Einheit“. Interview mit der senegalesischen Aktivistin Maureen Damen

© Maureen Damen

Wie ist es, eine Fridays for Future-Aktivistin in einem Land zu sein, in dem Streiks für das Klima nicht wirklich „ein Ding“ sind? Die 16-jährige Maureen Damen, Mitbegründerin von Fridays For Future Senegal und Rise Up Senegal, einer internationalen Aktivistenbewegung, versucht, Stimmen aus Afrika in der Klimabewegung zu verstärken.

Im Interview sprechen wir darüber, wie es ist, an Klimastreiks im Senegal teilzunehmen, welche Lehren sie sich aus der Coronavirus-Krise erhofft, auf welche Themen sie mit ihrem persönlichen Protest aufmerksam machen will und wie optimistisch es sie macht, wenn Menschen zusammenkommen, um für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen.

Hier findest du das vollständige Interview mit Maureen Damen.

6. „Wir sind stark genug, um die Politik zu verändern.“ Interview mit dem brasilianischen Aktivisten Abel Rodrigues

© Abel Rodrigues

Abel Rodrigues ist ein Umweltaktivist aus Belém, Pará. Diese Amazonasregion in Brasiliens ist der Staat mit der höchsten Abholzungsrate des Landes. Zurzeit studiert er Jura an der Universität Lissabon und ist sowohl in Portugal als auch in Brasilien in der Fridays for Future-Bewegung aktiv. Außerdem ist er eines der Gründungsmitglieder der regionalen Gruppe Fridays for Future Amazônia. Im Moment ist Abel damit beschäftigt, eine internationale SOS Amazônia-Kampagne zu koordinieren, die für den Kampf gegen Covid-19 im Amazonas-Regenwald kämpft und diejenigen, die an vorderster Front des Klima-Notstands stehen, die indigenen Völker Brasiliens, vor der doppelten Bedrohung durch den Klimawandel und das Coronavirus schützen soll.

Abel berichtet darüber, wie man Politiker zur Verantwortung ziehen kann, über die Macht der Einheit und die Rolle digitaler Werkzeuge, die es jedem ermöglichen, Umweltaktivst*in tz werden – überall und unabhängig davon, wie viel Zeit man erübrigen kann.

Hier findest du das vollständige Interview mit Abel Rodrigues.

7. „Lest, informiert euch und habt Empathie!“ Interview mit der argentinischen Aktivistin Jennifer Villarroel

© Jennifer Villarroel

In diesem Interview sprechen wir mit Jennifer Villarroel, einer Klimaaktivistin aus der Stadt Salta im Nordwesten Argentiniens. Während viele Graswurzel-Initiativen zum Schutz der Umwelt in der Vergangenheit erfolgreich waren, vermuten Umweltforschende, dass die derzeitige Regierung des Landes kein Interesse an der Durchsetzung von Umweltschutzgesetzen hat und zu wenig Mittel zur Finanzierung von Naturschutzmaßnahmen bereitstellt. Und die Abholzung der Wälder ist nur eines von vielen Umwelt- und Klimaproblemen, mit denen das Land zu kämpfen hat.

Jennifer ist überzeugt davon, dass Bürger*innen das Recht und die Pflicht haben, von ihren Regierungen eine gesunde Umwelt einzufordern, und berichtet von ihrer Hoffnung, dass wir aus den Folgen von Covid-19 lernen. Außerdem erzählt sie von ihren Erfahrungen mit der Medienzensur und die mächtige Rolle digitaler Werkzeuge in Argentinien, um Menschen eine Plattform zu geben, deren Stimmen allzu oft ungehört bleiben.

Hier findest du das vollständige Interview mit Jennifer Villarroel.

8. „Wir brauchen euch. Schließt euch uns an!“ Interview mit der chinesischen Aktivistin Howey Ou

Howey ist als Chinas „erste Klimastreikerin“ bekannt. Im Mai 2019 „schwänzte“ sie eine Woche lang den Unterricht, um vor Regierungsgebäuden zu protestieren. Ihre Geschichte ging in den sozialen Medien viral, von der Polizei wurde ihr Streik jedoch abgebrochen. Sie wurde von Beamten der öffentlichen Sicherheit verhört und sie behauptet, dass ihr die Rückkehr zur Schule so lange untersagt wurde, bis sie ihren Aktivismus aufgab.

Es ist daher vielleicht nicht überraschend, dass dieses Interview eine lange Vorbereitungszeit hatte. Die Kommunikation mit Howey war eine Herausforderung, da sie ihre Antworten auf unsere Fragen als Sprachnachrichten über eine verschlüsselte Messaging-App an uns senden musste. In diesem Interview mit RESET spricht Howey über die Notwendigkeit von mehr Umweltbildung, das Internet und die sozialen Medien (über ein VPN) als ihr Tor zur internationalen Fridays for Future-Bewegung und was sie tut, um sich zu erholen, wenn der Druck zu groß wird.

Hier findest du das vollständige Interview mit Howey Ou.

9. Digitale Lobbyarbeit und Hartnäckigkeit – Interview mit dem indischen Aktivisten Abhinav Lohkare

© Abhinav Lohkare

Jedes Jahr töten verheerende Überschwemmungen Menschen und vom Aussterben bedrohte Tiere in Assam. Auch wenn die jährlichen Überschwemmungen ein Teil des Ökosystems von Assam sind, haben anthropogene Faktoren – einschließlich des Klimawandels und der Abholzung – diese natürlichen Ereignisse verstärkt. Modelle sagen voraus, dass sich die Auswirkungen dieser Überschwemmungen jedes Jahr weiter verschlimmern werden.

Abhinav begann eine Kampagne mit Fridays for Future und Extinction Rebellion India. Mit digitalen Werkzeugen mobilisierten sie Menschen, um Informationen über die Umweltschäden zu verbreiten und Druck auf Entscheidungsträger*innen auszuüben. Unbeeindruckt von der Unterdrückung durch die Regierung ist er entschlossen, sich für die Menschen und Tiere in Assam einzusetzen.

Hier findest du das vollständige Interview mit Abhinav Lohkare.

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© Abhinav Lohkare
Digitale Lobbyarbeit und Hartnäckigkeit – Interview mit dem indischen Aktivisten Abhinav Lohkare

Tief frustriert von der Untätigkeit in der Klimakrise und unbeeindruckt von der Unterdrückung durch die Regierung, nutzt der 17-jährige Abhinav Lohkare die Vorliebe seiner Generation für digitale Werkzeuge, um sich für einen ökologischen Wandel in Assam, Indien, einzusetzen.

„Wir brauchen euch. Schließt euch uns an!“ – Interview mit der chinesischen Klimaaktivistin Howey Ou

Wenn man in einem Land lebt, in dem kollektives Handeln verpönt und das Infragestellen der Regierung nicht erwünscht ist, kann es ein Kampf sein, eine Klimabewegung zu gründen. In diesem Interview sprechen wir mit Howey Ou, Chinas erster Klimastreikenden überhaupt.

Der globale Norden ist Hauptverursacher des Klimawandels – hat aber auch die Mittel für Gegenmaßnahmen

Neue Studien zeigen, dass die USA und die Europäische Union eine unverhältnismäßig hohe Verantwortung für Emissionen in der „Gemeinschaftsatmosphäre“ tragen.

Soziale „Tipping Points“ könnten entscheidende Hebel im Kampf gegen den Klimawandel sein

Laut einer Studie könnten soziale "Tipping Points", auch Kipppunkte genannt, weitreichende gesellschaftliche Veränderungen anstoßen und so den Klimawandel eindämmen.

Welche Lösungen sind wirklich wirksam im Kampf gegen den Klimawandel?

Ein Simulationswerkzeug ermöglicht es, mithilfe wissenschaftlicher Daten und Vorhersagemodelle Klimaschutzmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin zu testen – und schafft so eine solide Grundlage für dringliche politische Entscheidungen.

Peru: Drohnen bringen informelle Siedlungen auf die Landkarte, um sie besser zu schützen

Ein Programm in Peru setzt Drohnen ein, um urbane Siedlungen zu kartieren. Damit sollen die Wohnrechte der unterversorgten Anwohner*innen verbessert und die Widerstandsfähigkeit der Siedlungen gegen den Klimawandel erhöht werden.

Amnesty Decoders: Online-Aktivist*innen decken mit KI Menschenrechtsverletzungen im Sudan auf

Mit seinem Decoder-Programm will Amnesty International Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden aufdecken – unterstützt von intelligenten Computerprogrammen und Tausenden digitalen Freiwilligen. RESET sprach mit der Leiterin von Amnesty Decoders, Milena Marin, über das Projekt „Decode Darfur“ im Sudan.

MapSwipe: Mit dieser App humanitäre Hilfe leisten – jederzeit, überall

Kartendaten sind essentiell, um Menschen in Konflikt- oder Katastrophengebieten schnell und effizient zu helfen. Ein Gemeinschaftsprojekt von Hilfsorganisationen hat eine App entwickelt, mit der jede*r helfen kann, kritische Lücken in der Weltkarte zu füllen.

12 Tipps, was du sofort gegen den Klimawandel tun kannst

Mit kleinen und großen Veränderungen kannst du nicht nur deinen eigenen CO2-Fußabdruck reduzieren, sondern auch ein klares Zeichen für mehr politischen Aktionismus setzen. Wir geben dir 12 Tipps, mit denen du sofort loslegen kannst.