Stella Attraction: Studenten bauen familienkompatibles Solarauto

Es scheint direkt aus Ridley Scotts Film Blade Runner zu kommen - das neu entwickelte Auto des holländischen Studententeams Solar Team Eindhoven (STE). Stella, wie das Gefährt heißt, hätte aber trotz seiner futuristisch-windschnittigen Form in der sonnenlosen Blade-Runner-Welt nicht optimal funktioniert: es ist ein Solarauto - das erste mit mehr als 2 Sitzen.

Autor Jean-Marie Dhur, 07.08.13

Neben einem Akku, der 15 Kilowattstunden Strom speichern kann, bezieht der Antrieb die benötigte Energie von einem Silizium-Solarmodul, das auf dem Dach des Autos angebracht ist. Der Elektromotor kannn das Solarfahrzeug auf eine Geschwindigkeit von bis zu 120 Km/h beschleunigen. Geschwindigkeit ist für die STE-Entwickler von der Technischen Universität Eindhoven aber kein wichtiges Thema, auch wenn sie im Oktober diesen Jahres am 3.000 km langen World-Solar-Challenge-Rennen in Australien teilnehmen wollen. In der Cruiser-Klasse des Rennens, in der Stella mitfährt, geht es nämlich eher um die praktische Seite des Autofahrens.

Das Neuartige an Stella ist gleichzeitig auch seine (aber bereits gelöste) Problemstelle. Da in den bisherigen 2-sitzigen Fahrzeugen die Insassen wenig Anteil am Gewicht des besetzten Fahrzeugs ausmachten, konnten Reifen benutzt werden, die nur eine sehr geringe Last tragen können. Bei einer Vollbestzung des Stella mit 4 Personen sind solche Reifen allerdings überfordert. Die STE-Entwickler sind daher auf andere, nicht standartmäßige Reifen ausgewichen, die pro Stück ein Gewicht von 200 kg verkraften können. Das ganze Fahrzeug mit Insassen kann somit 800 kg wiegen. Da Stella aus leichten Materialien wie Karbon und Aluminium besteht, wiegt es nur 380 kg (Zum Vergleich: ein VW Golf VI wiegt zwischen 1200 und 1500 kg), die Fahrgäste haben dann noch 420 kg, die sie unter sich aufteilen können.

Das plattgedrückte Sci-fi-design von Stella hat mit der Windschnittigkeit zu tun: Je weniger Luftwiderstand da ist, umso weniger Energie wird verbraucht. Neben der Effektivität geht es den holländischen Tüftlern aber auch um Komfortabilität: das Interieur des Wagens läßt den Insassen genug Beinfreiheit und Platz für eine angenehme Reise. Die Reise für die niederländischen Studenten nach Australien wird im September losgehen. Dann wird das Fahrzeug erstmal vor Ort auf seine Renn-Tauglichkeit getestet. Neben der Technischen Universität wird das Projekt Stella auch von einigen Firmen gesponsert. Die Produktionskosten konnten so getragen werden. Nun rufen die Stellisten zur Finanzierung der World-Solar-Challenge-Tour auf: mit einem Beitrag von 100,- € wird man Projekt-Pate für eine Meile.

Wenn es tatsächlich gelingen sollte, ein voll funktionsfähiges  Solar-Elektroauto fließbandmäßig zu bauen, dann wäre es den Entwicklern möglicherweise zu verdanken, dass die Erde nicht wie in der am Anfang des Artikels genannten Dystopie Ridley Scotts endet: mit einer Atmosphäre, die so versmogt ist, dass die Sonne nicht mehr durchkommt.

Via WiWo Green

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