Stadtlaube 2.0: Ein Garten, kein Konfliktgebiet

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Vergangene Woche haben wir uns zur ersten Veranstaltung des RESET-Projekts Stadtlaube 2.0 getroffen. Im kleinen Kreis – bei allen Gartenaktivisten geht es gerade hoch her und die Beete brauchen intensive Betreuung. In der Runde aus Experten, Erfahrenen und Interessierten haben wir intensiv nachgedacht und diskutiert, wie ein Garten nachhaltig angelegt werden kann.

Autor Uta Mühleis, 15.05.12

Was möchte mein Garten werden?

Vor allem Ludger Drunkemühle, Naturschützer und als Gruenmacher aktiv im Bereich Umweltbildung an Schulen und anderen Orten, hat uns einige neue Betrachtungsweisen auf den Garten nahegebracht. Zum Beispiel, dass Gartenanlage kein Naturschutz ist und niemals sein kann, sondern vielmehr und allzuoft ein Konfliktgebiet. Denn der Garten an sich ist eine kultivierte Fläche, auf der gezielt bestimmte Pflanzen wachsen sollen – und andere nicht. Meistens werden ausgerechnet jene Gewächse unerwünscht und zu „Unkraut“, die sich dort schon lange vor uns aufgehalten haben. Daher gilt es, den Garten mit Bedacht zu kultivieren. Bestimmte Flächen in eine erwünschte Richtung hin zu entwickeln und andere zu lassen: wilde Ecken für Igel, Vögel und Co, Bäumen ihren Raum geben, auch wenn damit mehr Schatten bleibt, als erwünscht. Und: bevor etwas zu Unkraut degradiert wird über seine Nützlichkeit nachdenken. Auf diese Art lassen sich sinnvolle Flächen finden und verschiedene Bedürfnisse – Futter, Unterschlupf, Platz für Mensch, Tier und Pflanze – unter einen Hut bekommen.

Bei der nachhaltigen Gartenplanung ist ein wichtiger erster Schritt, mit den Bildern vom perfekten Garten aufzuräumen; mit Idealbilder aus Baumarktwerbung, Gartenbüchern und Hochglanzmagazinen. Um dann behutsam, nicht invasiv vorzugehen und den Blick auf das zu lenken, was schon da ist an Licht- und Bodenverhältnissen, an Materialien und Pflanzen. Ressourcenschonend ist es, mit Materialien zu arbeiten, die schon vorhanden sind wie Holz, Steine, Bretter, Lehm, Sand. Warum neue Bretter kaufen, wenn sich auch aus dem Geäst ein Beet bauen lässt? Dasselbe gilt für die Bepflanzung: Heimische Insekten finden mehr Nahrung, wenn heimisches Gewächs anstatt exotischen Pflanzen wächst.

Die Wahl des Beets

Wird auf städtischem Boden gegärtnert, sollte mit einer Recherche zur Bodenqualität begonnen werden. Sollte der Boden nicht belastet sein, ist ein direktes Beet im Boden bzw. die schrittweise Entwicklung des Bodens zu fruchtbarer Erde empfehlenwert und dem mühsamen und ressorcenaufwändigen Errichten von Hochbeeten vorzuziehen. Ist der Boden belastet oder die Qualität des Bodens unbekannt sind Hochbeete sinnvoll. Als Besitzer/ Pächter eines Stücks Land kann man bei den zuständigen Ämtern Auskunft erhalten – so Ergebnisse vorliegen. Ansonsten kann man ein paar Dinge versuchen, um etwas über die Bodenqualität zu erfahren:

  • Gelände genau anschauen, z.B. ist der Boden nachträglich eingebracht worden, sind extreme Zeigerpflanzen vorhanden, die auf einen hohen Salzgehalt oder Schwermetalle hinweisen?
  • Anwohner und Nachbarn fragen, was vorher auf dem Gelände war
  • Bodennalysen machen lassen, allerdings sind diese oft sehr teuer und geben dann nur Auskunft über die getesteten, nicht über mögliche andere

Wenn direkt in den Boden gepflanzt wird, kann man durch die Wahl der Ortes und der Pflanzen die Schadtstofbelastung gering halten:

  • am besten nicht direkt neben Gebäuden pflanzen, da bleihaltige Anstriche eine Hauptquelle für Schwermetalle im Boden sind 
  • möglichst entfernt von verkehrsreichen Straßem pflanzen; jede Barriere, ob Hecke oder Gebäude, schirmt ab
  • Obst und Fruchtgemüse (Tomaten, Bohen, Gurken, Kürbis etc.) sammeln weniger Schadstoffe an als Wurzel-, Blattgemüse und Kräuter
  • Geerntete Pflanzen gründlich reinigen, da ein Großteil schädlicher Stoffe mechanisch an Bodenpartikeln haftet
  • Bei stark belasteten Böden am besten Hochbeete oder Container mit unbelasteter Erde bepflanzen
  • Bei Hochbeeten ist zu beachten, die Verdunstungsfläche klein zu halten, also die Seiten mit rankenden Pflanzen (z.B. Kapuzinerkresse) zu bepflanzen, Steine an den Außenwänden aufschichten oder mit Folie vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen

Auch bei der Wahl der Erde gibt es ein paar Dinge zu beachten: Unbedingt torfhaltige Erde – wie sie leider in Baumärkten und Blumenläden üblicherweise verkauft wird – vermeiden. In vielen Städten gibt es die Möglichkeit, zu günstigen Preisen Mutterboden zu bestellen bzw. abzuholen, z.B. bei Gartenprojekten, Gärtnereien oder anderen landwirtschaftlichen Betrieben. In Berlin sind das z.B. die Prinzesinnengärten.

Literaturtipps zum Thema Belastung und Anbau auf städtischem Boden

Die Runde war ein schöner Auftakt, wir sind gespannt, wie es weitergeht!

Stadtlaube 2.0 ist ein Projekt von RESET, bei dem wir uns exemplarisch und theoretisch mit der Frage auseinandersetzen, wie ein städtischer Schrebergarten/ Kleingarten bzw. Garten allgemein nachhaltig, d.h. ressourcenschonend und umweltfreundlich, gestaltet werden kann.

Mehr zum Projekt erfährst Du im Beitrag Stadtlaube 2.0 – Ein Projekt von RESET

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Stadtlaube 2.0: Ein Projekt von RESET

Diesen Sommer startet RESET das Projekt Stadtlaube 2.0 auf dem Spreefeld. Wer uns kennt weiß, dass wir uns ab und zu gerne im Berliner Stadtraum zeigen; sei es mit der Fahrraddisko, auf der Anti-Atom-Demo oder in der Green Me Lounge. Jetzt also ein Schrebergarten.