So wird das Amsterdamer Fußballstadion zum smarten Energiemanager

In der Amsterdam Arena steckt ein riesiges Energiespeichersystem. Das soll künftig Netzschwankungen ausgleichen und Dieselgeneratoren überflüssig machen.

Autor Lydia Skrabania, 26.06.18

Dass E-Auto-Batterien auch im Anschluss an ihre eigentliche Bestimmung großes Potenzial für die Energiewende haben, ist schon eine Weile bekannt. Denn auch nach einigen Jahren, wenn ihre Leistungsfähigkeit abnimmt und sie nicht länger in Elektroautos eingesetzt werden können, leisten sie noch gute Dienste – als Energiespeicher. Im westfälischen Lünen wurde 2016 der damals weltweit größte „2nd-use“-Batteriespeicher aus rund 1.000 solcher ausgedienter Elektrofahrzeug-Akkus ans Stromnetz angeschlossen. Und noch weitere solcher Großspeicher, die in der Lage sind, Netzschwankungen in beachtlichem Maße auszugleichen, wurden seitdem in Betrieb genommen.

Nun wird Ende dieser Woche im Fußballstadion in Amsterdam erstmals ein „2nd use“-Energiespeicher in einem gewerblich genutzten Gebäude in Betrieb genommen. Das Projekt in der Amsterdam Arena (ab Saison 2018/19 in „Johan Cruijff Arena“ umbenannt) wird von The Mobility House, BAM, Eaton, Nissan sowie mit Unterstützung der Amsterdams Klimaat en Energiefonds und Interreg umgesetzt. Das im Parkhaus des Stadions integrierte und bei Bedarf erweiterbare System besteht aus Wechselrichtern von Eaton und Nissan-Leaf-Batterien. Zum Einsatz kommen hier neben den gebrauchten auch fabrikneue Akkus. Zudem werden die 4.000 bereits auf dem Dach installierten Photovoltaik-Module in das System eingebunden, was es ermöglicht, Netzschwankungen auszugleichen. Die Leistung des Systems beträgt drei Megawatt – das entspricht dem Energiebedarf von mehreren tausend Haushalten.

Effizienz und Nachhaltigkeit im Stadion

Mit dem Energiespeicher soll eine effizientere und nachhaltigere Energieversorgung nicht nur im Stadion, sondern auch für seine Umgebung möglich werden. Das sogenannte „xStorage“-System soll nicht nur auftretende Leistungsspitzen auffangen und so Stromkosten senken, sondern zudem für mehr Stabilität im Stromnetz sorgen.

„Der Speicher dient nicht zuletzt als Notfallversorgung“, so Henk van Raan, Innovation Director der Amsterdam Arena, in einer Pressemitteilung. „Diesen benötigen wir, um bei internationalen Fußballspielen die Sicherheit gewährleisten zu können. Die alten Dieselgeneratoren sind damit überflüssig.“ Künftig solle die Amsterdam Arena aber auch im lokalen Smart Grid eine zentrale Rolle spielen und umliegende Gebäude mit Energie versorgen können, so van Reen weiter. „Außerdem wollen wir es möglich machen, Connected Electric Cars an das System anzuschließen – deshalb haben wir den Speicher im Parkhaus platziert. Die Batterien der geparkten Fahrzeuge bieten dann zusätzliche Speicherkapazität und können temporäre Produktionsüberschüsse flexibel aufnehmen.“

Hinter dem oben genannten Begriff „Connected Electric Cars“ dürfte übrigens eine weitere Lösung von The Mobility House stecken, über wir bei RESET bereits berichtet hatten: Das Münchner Unternehmen arbeitet daran, E-Autos mit Vehicle-2-Grid zu temporären Energiespeichern und damit zugleich zu Stromlieferanten zu machen.

Das „xStorage“-System wird am 29. Juni offiziell in Betrieb genommen. In diesem Video erhältst du bereits einige visuelle Eindrücke dessen, was der riesige Energiespeicher leisten soll:

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