Roshni Rides: Solar-Rikschas für Geflüchtete in Pakistan

Rikschas mit Solarantrieb könnten schon bald als günstige Transportmittel in pakistanischen Flüchtlingscamps dienen.

Menschen in Flüchtlingscamps weltweit sehen sich mit vielfältigen Problemen konfrontiert - der Zugang zu sicheren und bezahlbaren Transportmitteln ist eines davon. Im pakistanischen Karatschi könnten aber schon bald solarbetriebene Rikschas Abhilfe schaffen.

Autor Annalisa Dorigo:

Übersetzung Annalisa Dorigo, 07.08.17

Mehr als 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, viele davon leben in Camps und Siedlungen, wo es oft bereits am Nötigsten mangelt. Es stellt eine große Herausforderung dar, die Geflüchteten in ihren Unterkünften mit Wasser und sanitären Anlagen zu versorgen und ihnen Zugang zu Bildung, Arbeit, Telekommunikation und Beförderungsmitteln zu ermöglichen.

Das junge Sozialunternehmen Roshni Rides entwickelt derzeit eine Lösung, um eines dieser Probleme zu lösen: Das solarbetriebene Rikscha-Transportsystem soll Geflüchteten eine günstige, sichere und nachhaltige Fortbewegung ermöglichen.

Hinter der Idee stehen vier Studenten der Rutgers University in New Jersey, die dafür in diesem Jahr bereits mit dem Hult Prize ausgezeichnet wurden. Der Preis wird an „nachhaltige und skalierbare Sozialunternehmungen, die die Rechte und Würde von zehn Millionen Geflüchteten bis 2022 stärken“, verliehen.

Der erste Einsatz von Roshni Rides ist für Orangi Town geplant, einer großen Flüchtlingssiedlung in Karatschi, Pakistan. Dort sollen täglich 560 Fahrten stattfinden – für je nur 13 US-Cent. Laut der Website von Roshni Rides müssen Geflüchtete etwa elf Prozent ihres Geldes für Beförderungsmittel ausgeben. Ein bezahlbares Transportsystem ist daher essenziell, um das verfügbare Einkommen und so die Lebensquality der in Flüchtlingscamps lebenden Menschen zu verbessern. Die Idee der vier Studierenden hätte aber noch einen weiteren Vorteil: Ihr System würde auch Jobmöglichkeiten für Geflüchtete schaffen.

So soll Roshni Rides funktionieren

Derzeit steckt das Projekt noch in der Entwicklung. Geplant ist aber, die gesamte Siedlung in Orangi Town mit den Rikschas von Roshni Rides abzudecken. Die Batterien der solarbetriebenen Fahrzeuge sollen in Roshni Hubs geladen werden, wo auch Ladestationen für Mobiltelefone und andere elektronische Geräte zur Verfügung stehen sollen, die ebenfalls mit Solarkraft betrieben werden.

Für die Fahrten sollen die Nutzer mit der Roshni Card bezahlen, die sie in jeder der Stationen erwerben und mit einer Geldsumme aufladen können. In den Stationen sollen die Fahrzeuge gewartet und abgestellt werden können, außerdem sollen sie auch als Community Hubs genutzt werden. Die lokale Bevölkerung spielt also eine große Rolle in dem System. Nicht zuletzt soll überschüssige Energie, die in den Roshni Hubs produziert wird, während der Nacht direkt in das Stromnetz der Camps eingespeist werden.

Wie geht es weiter mit dem Projekt?

Nachdem das Team von Roshni Rides im Wettbewerb um den Hult Prize bekannt wurde, nimmt es nun an einem achtwöchigen Accelerator-Programm teil und arbeitet an seinem Pilotprojekt in Orangi Town.

Im September sollen die Ergebnisse aus dem Pilotprojekt stehen und der Plan für das Transportsystem finalisiert sein. Dann will das Team nochmals vor der Jury des Hult Prize pitchen: Es geht um eine Million US-Dollar Seed-Kapital, um die Idee umsetzen zu können. Wir drücken die Daumen!

Dieser Artikel ist eine Übersetzung von Lydia Skrabania und erschien zuerst auf unserer englischsprachigen Seite.

Die Digitallösungen von Kiron ermöglichen Geflüchteten zu studieren

Für Geflüchtete, die ein Studium beginnen wollen, gibt es zahlreiche finanzielle und administrative Hindernisse. Zwei Freiwillige, die sich in Berlin für Geflüchtete engagiert haben, haben 2015 die Initiative Kiron gegründet, die eine Lösung für diese Hürden bietet.

Die App Refugee Aid erleichtert den Zugang zu lebenswichtigen Services für Geflüchtete

Für Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, ist der Start in der neuen Heimat eine große Herausforderung. Die App RefAid verbindet Nutzer mit lokalen Angeboten von NGOs und will so Geflüchteten helfen, schneller Fuß zu fassen.

Eine Verdunstungs-Toilette für Orte mit Wassermangel

Change:WATER Labs hat eine kostengünstige und kompakte Lösung für Orte ohne Sanitär- und Abwasserinfrastruktur entwickelt: eine wasserlose Toilette.

Moto: Mit Kaffeesatz statt Feuerholz kochen

Geflüchtete Frauen und Kinder müssen sich oft in unsichere Zonen begeben, um dort Feuerholz zu sammeln. Mit einem brennbaren Block aus Kaffeesatz, Wachs und Zucker können sie diese riskanten Wege vermeiden.

Ein Chatbot als schnellste Verbindung zwischen Geflüchteten und freiwilligen Übersetzern

Übersetzungen sind für Geflüchtete immens wichtig – oft aber wird die Kommunikation durch Verständigungsprobleme oder das notwendige Organisieren von Übersetzern verzögert. Tarjimly könnte bald ein schneller Vermittler zu einem Übersetzer sein – auf einer Plattform, die viele nutzen: dem Facebook Messenger.

6 Plattformen, die es einfach machen, Geflüchteten zu helfen

Du möchtest dich mit geflüchteten Menschen austauschen und ihnen auf die eine oder andere Weise helfen in Deutschland anzukommen? Der Weg dahin erscheint manchmal komplizierter als er ist: Überall in Deutschland gibt es Organisationen und Projekte, die genau dieses Ziel verfolgen. Wir haben Plattformen zusammengetragen, die es dir einfach machen, deinen Teil beizutragen.

13161839_1106744046015072_2055455766226491577_o
©
TATENDRANG: Wefugees.de – Eine Online-Community für Geflüchtete und Helfer

"Wefugee, community without borders" ist eine Plattform für Geflüchtete, freiwillige Unterstützer und Organisationen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind oder es werden wollen. Wir sprachen mit Cornelia Roeper, Gründerin von Wefugees.

bildschirmfoto-2016-02-10-um-09
©
Die Hoaxmap: Aufräumen in der Gerüchteküche über Flüchtlinge

Die Plattform Hoaxmap zeigt kursierende Gerüchte über Migranten, Geflüchtete und Asylsuchende in Deutschland, Österreich und der Schweiz und räumt in der Gerüchteküche damit auf.