RESET-Dossier: Civic Tech – Wege aus der Klimakrise mit digitalem bürgerschaftlichen Engagement

Torge Peters/ Studio Nørden

Mithilfe von digitalen Tools decken Bürger*innen Umweltprobleme auf, erheben wichtige Daten und unterstützen Schutzmaßnahmen. In diesem Dossier gehen wir der Frage nach: Wie können Civic-Tech-Lösungen den Klimaschutz vorantreiben?

Autor Sarah-Indra Jungblut, 02.09.21

Übersetzung Mark Newton:

Die Klimakrise ist eine Herkulesaufgabe, deren Bewältigung unmittelbare und radikale Veränderungen weltweit erfordert, wie auch der jüngste Bericht des IPPC bestätigt. Ein entschlossenes politisches Handeln, bei dem möglichst viele Länder an einem Strang ziehen, steht ohne Frage an erster Stelle, wenn wir noch in die Nähe der Klimaziele kommen wollen. Gleichzeitig müssen die Maßnahmen lokal angemessen sein und von einem Verständnis für die Vorteile des Handelns – und die Folgen des Nichthandelns! – geleitet werden.

Doch wie kommen wir dahin? Wie können Bürger*innen und Zivilgesellschaft Politik und Wirtschaft in die Verantwortung nehmen, Veränderungen einfordern, auf Missstände hinweisen und Maßnahmen überprüfen? Und wie können möglichst viele Menschen Teil der Prozesse werden, sich daran beteiligen, bei Entscheidungen mitgenommen und selbst aktiv werden?

Unterstützung kommt dabei von neuen, digitalen Tools, die unter dem Begriff Civic Tech oder auch Public Interest Tech zusammengefasst werden und die sich das neue Gold unserer Zeit – die immensen Datensätze, die die zunehmende Digitalisierung mit sich bringen – zunutze machen. Zum Beispiel, indem Stadtbewohner*innen Sensoren auf ihren Balkonen installieren und so nicht nur erfahren, welche Schadstoffe sie mit der Luft an ihrem Wohnort einatmen, sondern auch Karten über die Luftqualität in ihrer Stadt erstellen. Oder indem Freiwillige auf Satellitenbildern Tierbestände erfassen oder Methanemissionen und illegale Rodungen ausfindig machen und so eine wichtige Datenbasis für Politik und Zivilgesellschaft schaffen, um wirksame Maßnahmen einzufordern.

In unserem neusten Dossier „Civic Tech – Wege aus der Klimakrise mit digitalem bürgerschaftlichen Engagement“ nehmen wir Civic-Tech- und Public-Interest Tech-Anwendungen in den Blick, die das Engagement und die Beteiligung von Bürger*innen am Umwelt- und Klimaschutz ermöglichen und fördern. Und wir unterhalten uns mit Menschen, die die Entwicklungen im Bereich Civic Tech verfolgen, um die Chancen und Herausforderungen des digitalen bürgerschaftlichen Engagements auszuloten.

Civic what?!

Aber was verbirgt sich genau hinter dem Begriff Civic Tech? Das erklären wir hier: Was ist Civic Tech?

Der Artikel ist Teil des Dosssiers „Civic Tech – Wege aus der Klimakrise mit digitalem bürgerschaftlichen Engagement“. Alle Artikel des Dossiers findest du hier: Dossier Civic Tech

Das Dossier ist Teil der Projekt-Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in deren Rahmen wir vier Dossiers über zwei Jahre zum Thema „Chancen und Potenziale der Digitalisierung für eine nachhaltige Entwicklung“ erstellen. Mehr Informationen hier.

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Was ist Civic Tech?

In digitalen Technologien steckt die Chance, dass sich mehr Menschen an Forschung und Politik beteiligen, Umweltdaten erheben und die Wege schaffen, um Klimaschutzmaßnahmen einfordern. Genau darum geht es bei Civic Tech. Aber was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Zooniverse: Eine Million Freiwillige erforschen Tiere, transkribieren Aufzeichnungen und beobachten das Wetter

Ob Pinguine zählen, historische Aufzeichnungen entziffern oder den Sternen lauschen - auf Zooniverse können sich Freiwillige an der Forschung beteiligen und helfen, riesige Datensätze zu entschlüsseln.

Humanitarian OpenStreetMap: Freiwillige erstellen digitale Karten für die humanitäre Hilfe

Die meisten von uns sind daran gewöhnt, dass wir jederzeit topaktuelle, digitale Karten zur Hand haben. Doch das gilt nicht in allen Teilen der Erde - was insbesondere die Nothilfe erschwert. Tausende ehrenamtliche Kartograph*innen arbeitet daran, diese Lücken zu schließen.

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NABU/Sebastian Hennigs
Citizen Science – Laien werden zu Forschenden

Wissenschaft ist kleinteilig, vor allem, wenn es um die Gewinnung von Daten geht. Unterstützung bekommen die Forschenden von neuen digitalen Tools - und zunehmend auch Bürgern.

WeCount: Mit diesen Sensoren können sich Bürger*innen für eine bessere Luftqualität engagieren

Ausgerüstet mit einfachen Sensoren und offenen Daten unterstützt ein EU-gefördertes Projekt NGOs, Regierungen und Bürger*innen dabei, Städte zu gesünderen und sichereren Orten zu machen.

SkyTruth zieht Öl- und Fracking-Unternehmen zur Rechenschaft – mit Satellitenbildern

In der Vergangenheit blieben Umweltzerstörung, Ölverschmutzungen oder illegale Fischerei oft unerkannt. Doch durch die Arbeit von SkyTruth werden NGOs und die Öffentlichkeit zu Umweltbeobachtern aus der Vogelperspektive.

Amnesty Decoders: Online-Aktivist*innen decken mit KI Menschenrechtsverletzungen im Sudan auf

Mit seinem Decoder-Programm will Amnesty International Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden aufdecken – unterstützt von intelligenten Computerprogrammen und Tausenden digitalen Freiwilligen. RESET sprach mit der Leiterin von Amnesty Decoders, Milena Marin, über das Projekt „Decode Darfur“ im Sudan.

Interview: OpenSpaceData will Satellitendaten demokratisieren

Die Satellitenaufnahmen, die von den großen Weltraummissionen der ESA und NASA gemacht werden, sind prinzipiell frei zugänglich. Doch nutzen kann sie trotzdem nicht jede*r. Niklas Jordan will das mit seinem Projekt OpenSpaceData ändern.

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© Thok
„Roadwork ahead“: Studie zur Open-Source-Bewegung

Die Open-Source-Community leistet einen wichtigen Beitrag zum Ausbau von offen zugänglicher und kostenloser digitaler Infrastruktur. Eine Studie hat erforscht, wo die Herausforderungen liegen.