Proof of Concept: Charity-Shopping, „buy one, give one“, Aufrunden – Unser Fazit

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In den vergangenen Tagen haben wir Shops und Plattformen unter die Lupe genommen, die beim Shoppen Spenden sammeln. Hier unsere Empfehlungen für deine Shoppingtour mit Impact.

Autor Sarah-Indra Jungblut, 10.12.15

Worum geht es, wenn wir von nachhaltigem Konsum sprechen? Was für Ideen und Konzepte gibt es, welche machen Sinn und was ist nur heiße Luft? Im Rahmen eines kleinen Field Research haben wir uns letzte Woche Online-Charityshops und das „buy one, give one“-Modell genauer angeschaut, gestern Plattformen und Tools, die dich zum Aufrunden einladen.

Was wir herausgefunden haben? Das „buy one, give one“-Modell, also die Idee, für jeden gekauften Artikel einen gleichwertigen an eine Person in einem Entwicklungsland zu spenden, ist zwar an sich ambitioniert, aber hält leider nicht, was sie verspricht. Warum das so ist? Produkte zu verschenken ist eher ein Trostpflaster, leistet aber in den meisten Fällen keinen nachweisbaren Beitrag, um die Wurzeln von Armut anzugehen. Ein geschenkter Schuh macht leider noch kein Schulkind! Mehr dazu in unserem Artikel: Proof of Concept: Das „buy one, give one“-Modell

Die in den letzten Jahren vielfach aufgepoppten Charity-Shopping-Plattformen, bei denen nicht der Kunde selbst Geld spendet, sondern im Rahmen des Affiliate-Marketings Werbegelder als Spenden an gemeinnützige Vereine weitergeleitet werden, sind leider keine Geheimwaffe, um das Budget im non-profit Sektor dauerhaft zu erhöhen. Anstatt regelmäßig Gelder einzuspielen sehen wir ihren Platz vor allem in der Finanzierung kleinerer, zeitlich überschaubarer Projekte. Der Erfolg hängt hier sehr von der Eigeninitiative der beteiligten Projekte ab. Was nicht heißen soll, dass sich der Umweg über eine Charity-Shoppingseite nicht lohnen würde, wenn du sowieso online deine Einkäufe tätigst. Ausführlich hier: Proof of Concept: Online Charity-Shops

Und zur Idee des Aufrundens? Genauso wie beim Online-Charityshopping ist das Potential, durch das Aufrunden viele Spenden zu generieren, klein, sie sind unregelmäßig und stark von der Eigeninitiative der Organisationen abhängig. In diesem Sinne scheint es besser, die virtuellen Mikrospenden genauso wie Trinkgeld zu sehen, dass in Bars und Restaurants über den Tisch geht: ein netter Bonus zum Einkommen, aber keine wirkliche Einnahmequelle. Hier und da einmal aufzurunden, wenn sich dir die Möglichkeit bietet, macht aber bestimmt Sinn.

Was klar wird, wenn man die verschiedenen Ansätze genauer betrachtet: Wenn du wirklich etwas sinnvolles mit deinem Geld machen willst ist der einfachste Weg direkt an ein Projekt oder eine NGO deiner Wahl zu spenden. Hintergrundwissen zum Thema spenden findest du in unserem Artikel „Spenden – WE care„. Du suchst noch ein geeignetes Projekt? Wir haben da einen Tipp: Unser Spendenprojekt Linux4Afrika. Die kleine NGO rüstet gebrauchte Computer auf die freie Software Linux um und installiert diese in Klassenräumen in Mosambik, Burundi und Kenia. Denn Bildung ist der erste Schritt zur Überwindung der digitalen Kluft! Dein Geld kommt genau da an, wo du es sehen willst, denn wir leiten die Spenden zu 100% weiter.

Unser Projektpartner Linux4Afrika bringt digitale BIldung nach Mozambike, Kenia und Tansania.

Aber kannst du dennoch mit deinen Einkäufen einen positiven Einfluss nehmen? Auf jeden Fall!

Von Charity zu Empowerment

Ob es LED-Lampen, nachhaltige Mode oder Second Hand Kleider sind, du kannst deine Einkaufsmacht nutzen, um Unternehmen zu unterstützen, die ethische Praktiken und umweltfreundliche Methoden direkt in ihre Produktion und Lieferkette einbauen. Dazu der Guardian 2014: “Major brands in particular say they are keen to build trust in their products by becoming more environmentally and ethically conscious but are prepared only to invest if they can see it will add to the bottom line.“ In anderen Worten, wenn Unternehmen sehen, dass die Konsumenten ihr Geld eher in ethische und nachhaltige Produkte investieren, sind sie eher bereit, solche Praktiken umzusetzen.

Wenn du Unternehmen unterstützt, die faire Löhne an ihre Mitarbeiter in Entwicklungsländern zahlen, kann das ein Beitrag sein, Probleme wie Armut anzugehen. So ist auch im Stanford Social Innovation Review zu lesen: “Business can connect prosperity down the value chain—as companies like Ben and Jerry’s and Stonyfield Yogurt proved decades ago – and thereby create empowerment rather than charity.

Ein gutes Beispiel ist der stetig wachsende faire Handel. Wie bei allen Themen im Bereich Nachhaltigkeit gibt es natürlich auch hier eine Debatte, in wie weit der faire Handel Farmern in Entwicklungsländern wirklich hilft (eine interessante Übersicht über die Pros und Cons findest du hier: Fairtrade – Is it really?). Neben der Kritik lässt sich aber feststellen, dass Fair Trade ein besseres Shoppingverhalten ermöglicht (auf der Seite der Konsumenten), nachhaltige Praktiken in der Lieferkette durchsetzt (auf Seiten der Produzenten) und mehr direkte Vertriebswege initiiert hat, z.B. andere Programmen, die dem fairen Handel ähnlich sind oder individuellen Händlern, die ihr ganzes Business auf fairen, ethischen und nachhaltigen Praktiken aufbauen. Lies dazu auch unseren Artikel zu fairem Handel: Was ist Fairer Handel?

Es lohnt sich also auf jeden Fall, genauer hinzuschauen, womit du deinen Einkaufswagen füllst. Für die Suche nach korrekten Produkten gibt es eine Reihe Apps, die dir bei der Entscheidung helfen:  Grüne Apps – nachhaltige Handy-Programme für Smartphones

Und nicht vergessen: Weniger ist mehr. Insgesamt bewusst, sprich weniger zu konsumieren, ist ein Beitrag für eine nachhaltige Welt. Und: Es macht Sinn, weniger Produkte (neu) zu konsumieren und statt dessen gebraucht kaufen, leihen und teilen. Mehr dazu hier: Meins ist Deins – Teilen macht glücklich!

Apropo Weihnachtsgeschenke

Wenn du noch auf der Suche nach einem einzigartigen Geschenk bist, das nicht nur deine Lieben erfreut, sondern auch bei den Menschen, die es hergestellt haben, Gutes tut, haben wir hier ein paar Tipps: Geschenke mit Sinn

Bleibt dran: Als nächstes nehmen wir in unserer Serie zum nachhaltigem Konsum die Sharing Economy unter die Lupe.

Vermischen sich Philanthropie und Konsum? Charity Shopping, Sharing Economy, digitale Tools für einen bewussten Einkauf – wir schauen uns verschiedene Formen des nachhaltigen Konsums genauer an. Das Ziel? Es gibt viel heiße Luft, Labels, Trends und Bewegungen wenn es darum geht, „grün“ zu werden. Aber was hat einen wirklichen Impact und was ist nur Marketing? In unserem aktuellen Spezial prüfen wir verschiedene Konzepte auf Herz und Nieren – hier findest du alle Artikel dazu.

Proof of Concept: Aufrunden für einen guten Zweck

Beim Shoppen Geld Spenden ist angesagt: Wie Plattformen mit dem Aufrunden von Rechnungen versuchen, alle Onlinekäufer zu Spendern zu machen - eine Mikrospende nach der anderen.

Proof of Concept: Online Charity-Shops

Mit dem stetig wachsenden Trend, unsere Einkäufe online zu tätigen, wurde eine Vielzahl an sogenannten „Charity-Shops“ ins Leben gerufen, die sich das neue Shoppingverhalten zu Nutze machen und neben dem Einkauf Spenden generieren. Die Idee ist einfach - aber funktioniert das? Wir schauen genauer hin.

RESET Spezial: Nachhaltiger Konsum – Wir checken, was dahinter steckt

Die Grenzen zwischen Philanthropie und Konsum vermischen sich stetig. Charity Shopping, Sharing Economy, digitale Tools für einen bewussten Einkauf - wir schauen uns verschiedene Formen des nachhaltigen Konsums genauer an. Das Ziel? Es gibt viel heiße Luft, Labels, Trends und Bewegungen wenn es darum geht, „grün“ zu werden. Aber was hat einen wirklichen Impact und was ist nur Marketing? In unserem aktuellen Spezial prüfen wir verschiedene Konzepte auf Herz und Nieren.