Im Rahmen seines internationalen Hackathon-Events Call for Code hatte der IT-Gigant IBM im Mai Entwickler aus aller Welt aufgerufen, digitale Lösungen für die Katastrophenhilfe zu entwickeln. Mehr als 100.000 Entwickler aus 156 Nationen nahmen teil – vergangene Woche gab IBM offiziell den Gewinner des Wettbewerbs bekannt: Project Owl.
Project Owl soll den Aufbau eines schnellen Kommunikationsnetzwerks nach schweren Überschwemmungen oder Hurrikanen ermöglichen. Nach solchen Katastrophen sind Telekommunikationsnetze oft offline, weil Mobilfunk-, Festnetz- und Internetverbindungen durch Infrastrukturschäden und Stromausfälle unterbrochen werden. Das Entwicklerteam hinter Project Owl haben ein System vernetzter schwimmenden Bojen konzipiert, sogenannte „Clusterducks“, die gemeinsam ein Internet-Netzwerk errichten und so in Katastrophengebieten eine grundlegende Kommunikationsunterstützung leisten können.
Project Owl – so funktioniert’s!
Die Bojen funktionieren auf Basis von LoRa, einer der digitalen drahtlosen Datenkommunikationstechnologie mit großer Reichweite, die oft in IoT-Geräten integriert ist. Ein „Clusterduck“-Netzwerk besteht aus mehreren „Ducklinks“; das sind kleine IoT-Wifi-Bojen die sich drahtlos mit Elektronikgeräten verbinden können. Zentraler Bestandteil des Netzwerks ist die „Mamaduck“, ein IoT-LoRa-Gerät, das funktioniert wie ein Wifi-Router und sich wiederum über eine große Reichweite mit den „Ducklinks“ verbindet. Auf diese Weise ist Project Owl in der Lage, eine Ad-hoc-Internetinfrastruktur über große Gebiete hinweg aufzubauen. Dieses wäre zwar nicht so robust wie die Netzwerke, die wir normalerweise nutzen, würde aber dafür ausreichen, die Nutzer auf die Landing-Page des Owl Project zu leiten, wo sie mit Rettungskräften kommunizieren und Informationen wie ihren Namen, Standort und den allgemeinen Status ihrer Umgebung angeben könnten.
Wichtig für die Funktionsweise ist, dass Project Owl nicht von einer zusätzlichen Software oder Anwendung abhängig ist, die heruntergeladen werden muss. Stattdessen wird lediglich ein Popup-Fenster angezeigt – ähnlich wie bei öffentlichen Wifi-Netzwerken an Flughäfen oder in Cafés. Mit etwa 38 US-Dollar pro Boje sind die Geräte außerdem recht preiswert. Das Team schätzt, dass ein großes Ballungsgebiet, wie das 124 qm große San Juan in Puerto Rico, mit ein paar hundert „Ducks“ bei einem Preis von insgesamt 12.000 US-Dollar abgedeckt werden könnte.
Neben der Bereitstellung der Hardware hat das Team von Project Owl auch eine Software-Suite entwickelt, um die Hilfsmaßnahmen nach einer Katastrophe zu unterstützen. Von dieser kommt auch der Name: „Organizational, Whereabouts and Logistics Software“ – kurz OWL. Diese Software kann mit oder ohne die Clusterducks eingesetzt werden und nutzt eine fortschrittliche Chatbot-Technologie, um Hilfsmaßnahmen zu optimieren und Arbeitslasten zu priorisieren, unabhängig von der Art der Katastrophe.
Project Owl wurde bereits in simulierten Umgebungen getestet, muss aber noch im Feld eingesetzt werden – ein Schritt, den IBM sicher bald gehen wird. Als Gesamtsieger aus einer Reihe von fünf Finalisten des Hackathon-Events erhält Project Owl den Hauptpreis von 200.000 US-Dollar und die Zusage von IBM, das Konzept zur Umsetzung zu bringen.
Zehn weitere vielversprechende Projekte werden von der Linux Foundation offiziell bewilligt und unterstützt. Dabei geht beispielsweise es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zum Wiederaufbau von Städten nach Erdbeben oder Sensoren für den optimalen Einsatz von Ressourcen und Personal bei Waldbränden.
Dieser Artikel ist eine Übersetzung von Lydia Skrabania. Das Original erschien zuerst auf unserer englischsprachigen Seite.