Pro oder Kontra Aufführungsverbot des „Anti-Islam-Films“?

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Die Gemüter kochen hoch in der Debatte “Pro / Kontra Aufführungsverbot” des sogenannten Films: “Innocence of Muslims”, ehemaliger Titel "Desert Warrior". Der als “anti-islamischer Schmäh-Film” bezeichnete Film ist offenbar geeignet, anti-islamische Hetze zu transportieren, da er den Propheten Mohammed schlecht machen soll.

Autor Jenny Louise Becker, 19.09.12

Die Gemüter kochen hoch in der Debatte “Pro / Kontra Aufführungsverbot” des sogenannten Films: “Innocence of Muslims”, ehemaliger Titel „Desert Warrior“. Der als “anti-islamischer Schmäh-Film” bezeichnete Film ist offenbar geeignet, anti-islamische Hetze zu transportieren, da er den Propheten Mohammed schlecht machen soll. Trailerteile kursieren im Internet, es kam zu Gewaltausbrüchen in einigen Ländern und die rechtspopulistische “Pro Deutschland” – Partei möchte den Film gerne in ganzer Länge zeigen, Argument: Schutz der Meinungsfreiheit.

Teile der Gesellschaft und Politik in Deutschland, insbesondere unser Innenminister und auch die Kanzlerin, möchten die Zornwellen besänftigen, deeskalierend wirken, die Menschenrechte von Muslimen schützen, zu einem Rückgang der Gewalt beitragen und erwägen daher ein Aufführungsverbot (auch weil es ein Zeichen gegen rechts setzen soll). Andere halten es unumgänglich, sich auch hier hinter die Meinungsfreiheit zu stellen! Außerdem steht in unserer Verfassung ein Zensurverbot (Artikel 5 Abs. 1, Satz 3 GG)

Es stehen sich also Grundrechte gegenüber (Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit), in außerdem einer politisch eskalierende Situation, die bereits zu vielen Verletzten und Toten geführt hat. Es geht aber eigentlich erstmal darum die Fakten zu klären!

1. Es häufen sich die Hinweise, dass die Schauspieler über die Art und Weise, wie der Film herausgearbeitet werden sollte, getäuscht worden sind (Anna Gurji in der gestrigen Huffington Post). Es sollte ein satirisches Werk entstehen, namens “Desert Warrior”, keinesfalls ein anti-islamischer Hetz-Film, so die Schauspielerin. Der Film wurde offenbar in erheblichem Maße nachsynchronisiert, umgeschnitten und umbenannt. Auch die Motive des Produzenten des Filmes sind nicht eindeutig. Solang diese Fakten nicht geklärt sind, sind es die Persönlichkeitsrechte der SchauspielerInnen, etwa das Recht am eigenen Bild, die es zu bewahren gilt. Diese Menschen sind in einigen Ländern ihres Lebens nicht mehr sicher und auch eine Einreise nach Deutschland könnte dann für sie gefährlich werden (Artikel im focus). Bis diese Faktenlage nicht geklärt ist, sollte dieser Film nicht gezeigt werden. Es könnte dahingehend eine Empfehlung der Regierung und Parteien ausgesprochen werden, so wie es anche Kinobetreiber bereits taten.

2. Es ist unklar, ob “Pro Deutschland” wirklich über den Film in ganzer Länge verfügt. Angeblich soll es sich um mehrmals aneinandergeschnittene Trailerteile handeln.

Empfehlung: Wenn der Film eigentlich ursprünglich ein satirisches Machwerk war, ist zu analysieren, ob es eine liebevolle Satire, wie etwa “Das Leben des Brian” von den meisten Christen verstanden wird, sein sollte, oder eine hasserfüllte Satire mit boshafter Zielsetzung. Das kann im Rahmen moderierter Veranstaltungen geschehen, also den Film nicht unkommentiert in den Kinos zu zeigen, sondern in wissenschaftlich-politischen Rahmen, wie es Jörg Fries, Leiter des Zeughauskinos in der TAZ von gestern empfiehlt. Das könnte erstmal im Rahmen von Veranstaltungen mit Einladungen passieren oder öffentlich. Jedenfalls könnte man islamische und christliche Gelehrte, wie beispielsweise Religionswissenschaftler dazu einladen, Geistliche aus beiden Kulturen, Menschen die viel Distanz zu beiden Gefilden haben, etc. So kann sich eine verbünftige Diskussion über die Inhalte und Machart des Films entwickeln, und Blickwinkel von bestimmten Gruppen könnten besser nachvollzogen werden.

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