Plastiktüten – praktisch, aber umweltbelastend

Sie liegen fast überall bereit, wo eingekauft wird: Plastiktüten, bunt bedruckt mit Werbebotschaften. Dem Spontaneinkauf steht nichts im Weg. Sie passen ideal zu unserem Konsumverhalten – und stellen schon lange ein erhebliches Umweltproblem dar.

Autor RESET , 10.04.13

Die meist aus Polyethylen oder Polypropylen hergestellten Plastiktüten sind leicht, ziemlich stabil und preiswert herzustellen. Neben dem Transport von Einkäufen dienen solche Tüten auch als Müllsäcke. Für die Produktion sind nur wenige Chemikalien notwendig und der Energieaufwand sowie Emissionen bei der Herstellung sind vergleichsweise gering. Die Tatsache, dass ihr wichtigster Rohstoff Erdöl ist und sie hunderte von Jahren brauchen, bis sie „verschwunden“ sind, macht die Plastiktragetaschen jedoch problematisch.

Die wenig nachhaltige Erfolgsgeschichte der Plastiktüte in Deutschland

Das Kaufhaus Horten in Neuss brachte 1961 die ersten, wegen ihrer Optik als „Hemdchentüten“ bezeichneten Plastikbeutel zum Einsatz. Die anfängliche Skepsis der Konsumenten gegenüber der Kunststofftragetasche schwand schnell. Zwar konnte die neue Tüte nicht wie die bisher verbreitete Papiertüte alleine stehen, doch war sie dafür wasserdicht und reißfest. Die Kunststofftüte ist seitdem zu einem selbstverständlichen Element unserer Einkaufsgewohnheiten geworden.

In den Siebzigern gab es den Versuch, den Verbrauch von Plastiktüten zu verringern. Grund war aber nicht der Umweltschutz, sondern die Ölkrise. „Jute statt Plastik“ wurde zum Motto. Aktuell gibt es wieder vermehrt Diskussionen über die Menge der Plastetüten und Möglichkeiten der Vermeidung – diesmal vor dem Hintergrund eines nachhaltigeren Konsumverhaltens.

Heute werden mehr als fünf Milliarden Plastiktüten pro Jahr in Deutschland verbraucht. Und damit liegt Deutschland innerhalb der EU noch unter dem Durchschnitt. Wieviele Plastiktüten weltweit verbraucht werden, erfährst du mithilfe des permanent aktualisierten Globometer.

In deutschen Supermärkten sind Plastiktüten nur gegen Bezahlung erhältlich. Für die meisten anderen Geschäfte gilt dies nicht und die Ware wird oft, ohne den Kunden zu fragen, in eine kostenlose Plastiktüte gesteckt.

Wie viele Plastiktüten pro Kopf verwendet werden, unterscheidet sich sehr stark von Land zu Land. In Irland sind es zum Beispiel 18 Tüten pro Person und Jahr, in Deutschland 71 (viert niedrigster Wert in Europa) und in Bulgarien 421 Stück (Stand 2011, UBA).

Umweltverschmutzung durch Kunststofftüten

Das Abfallwirtschaftssystem in Deutschland ist hoch entwickelt. Tüten, die im Abfall landen, werden entweder verwertet oder enden zumindest in einer modernen Müllverbrennungsanlage. Sofern Plastiktüten also vom Verbraucher wie vorgesehen entsorgt werden, gelangen sie nicht in die Umwelt und insbesondere nicht in die Meere. Was sich in den Gewässern findet, stammt weitgehend aus dem Schiffsbetrieb oder von Tourismus- und Freizeitangeboten an den Küsten. Sogenannter „gelitterter“ Müll ist für den Bereich des deutschen Festlandes ein eher geringfügiges Problem (UBA, 2013).

Anders sieht die Situation für Länder aus, deren Verwertungssysteme für Abfall und Wertstoffe nicht so weit entwickelt sind. Hier ist die Umweltverschmutzung durch Plastiktüten stärker. Weltweit betrachtet ist die Recyclingrate sehr gering. Erhebliche Anteile des Plastikmülls landen im Meer. Die Abfälle werden teils von Schiffen abgeworfen, stammen aus verlorenen Frachtcontainern oder kommen über die Flüsse in die Ozeane. Die Kunststoffe wirken sich für die Meeresbewohner äußerst ungünstig aus. Plastikmüll zersetzt sich über lange Zeiträume hinweg in kleinste, teils hochtoxische Bestandteile. Auch verenden etliche Tiere an verschluckten Plastikteilen.

Zwischen Kalifornien und Hawaii schwimmt eine von mehreren riesigen Plastikmüllinseln. An der Wasseroberfläche dieses Gebiets ist das Verhältnis von Plankton zu Plastik inzwischen 1:6. Mit rund drei Millionen Tonnen Gewicht und einer ungefähren Fläche von Mitteleuropa veranschaulicht diese Ansammlung im Pazifik deutlich, welche Dimensionen die Verschmutzung angenommen hat. Dabei sind zudem die Unmengen an Müll auf dem Meeresgrund und die bereits in winzige Teilchen zerlegten Kunststoffe zu bedenken.

Welche rechtlichen Maßnahmen existieren?

In einigen Staaten bestehen Verbote für Plastiktüten – teils grundsätzlich, teils nur für bestimmte Typen von Tüten. Manche Regelungen gelten nur für einzelne Städte oder Regionen. Bisher ist man weltweit noch zurückhaltend, was ein Verbot der Kunststofftüten betrifft. Wie die Situation derzeit global aussieht, zeigt nachfolgende Tabelle (Stand: Mai 2013).

Ob ein Verbot von Plastiktüten mit dem derzeit geltenden EU-Recht vereinbar ist, ist fraglich. In verschiedenen europäischen Ländern existieren jedoch Steuern oder Abgaben, um den Verbrauch zu drosseln. Ähnlich fordert auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine Abgabe von 22 Cent auf Einwegplastiktüten. Die Einnahmen sollen dann für die Förderung von Projekten zur Abfallvermeidung und -verwertung zur Verfügung stehen. Auch die EU-Kommission ist für eine Abgabepflicht. Eindrucksvolles Beispiel der Wirksamkeit einer solchen Abgabe ist Irland, wo der Pro-Kopf-Verbrauch der Tüten um 93 Prozent gesunken war (N24, Stand: 2013)

Ein Blick in die Zukunft

Grundsätzlich gibt es unterschiedlichste Maßnahmen, um die Menge von Plastiktüten zu reduzieren: Kostenpflicht, Verbote, Förderung von Alternativen, technische Entwicklungen etc. Auch durch die Mehrfachverwendung der Tüten wird die Zahl verringert. Papiertüten und Tüten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen zeigen bislang noch keine eindeutigen Vorteile gegenüber der Kunststoffvariante. Die Rückgewinnung von Öl aus Plastikmüll ist grundsätzlich möglich, aber wohl nicht rentabel.

Eine interessante Neuerung ist das in England entwickelte Additiv „Enzymoplast“, welches zumindest einen ergänzenden Beitrag zur Eindämmung des Plastikproblems leisten könnte. Es besteht aus natürlichen Proteinen und speziellen Enzymen, die Polyethylen zersetzen. Der Zusatz kann bei der Plastiktütenproduktion beigemischt werden und sorgt dafür, dass sich die Tüte, sofern sie in die natürliche Umwelt gelangt, innerhalb weniger Monate statt mehrerer hundert Jahre in Wasser und CO2 auflöst. Besser ist es allerdings, wenn Plastiktüten von vornherein vermieden werden. Es bleibt im Wesentlichen der Stoffbeutel als Ausweichmöglichkeit oder der klassische Einkaufskorb. Mehrweg schlägt Einweg und die Verantwortung für einen minimierten Verbrauch von Plastiktüten liegt unabhängig von zukünftigen gesetzlichen Regelungen und etwaigen technischen Erfindungen im Biokunststoffbereich bei jedem Einzelnen. Mehr Infos findest du in unserem Artikel: „Du hast genug vom Plastikwahn? Es geht auch anders„.

Quellen und Links

Frank Wichert, RESET-Redaktion/ 2013

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