Pigeon Air Patrol: Wenn Tauben über die Qualität der Stadtluft twittern

Was Technik allein nicht schafft, schafft die Kombination aus Tier und Technik. Mit Sensoren ausgestattete Tauben messen in London die Luftqualität.

Autor Silvana Steiniger, 23.03.16

Tauben sind gemeinhin eher unbeliebt. Krankheitsüberträger, Ratten der Lüfte, Autolack-Zerstörer. In London wurde jetzt ein Experiment durchgeführt, das ihren schlechten Ruf durchaus aufpoliert. Und zwar als fliegende Messstationen gegen die innerstädtische Luftverschmutzung.

In fast jeder europäischen Stadt gibt es heutzutage Messstationen zur Überwachung der Luftqualität. Bloß, innerhalb weniger Straßenzüge, und auch in Abhängigkeit der Messhöhe, können diese Werte erheblich schwanken. Diese Schwankungen können festinstallierte Stationen nicht erfassen und es ergeben sich „weiße Flecken“, und damit im Zweifelsfall unverlässliche Daten, auf der Verschmutzungs-Landkarte. Das wiederum macht die wissenschaftliche Erarbeitung von Luftreinhaltungsplänen  schwierig.

Im genannten Experiment wurden zehn Tauben für drei Tage mit kleinen Sensor-Rucksäcken ausgestattet, um dynamisch Daten zu sammeln. Damit sollen sich die Wissenslücken im Messnetz schließen. Hauptaugenmerk lag in der Messung von Stickoxiden und Ozon. Und das tut Not. London hat, gemessen am Gehalt der Luft mit Stickoxiden, die wahrscheinlich schlechteste Luft der Welt. Bis zu 4 000 Menschen ereilt in der Stadt an der Themse jährlich der zu frühe Tod. Schuld ist ein unsichtbarer, und oft nicht ernst genommener Killer. Verschmutzte Luft.

Tiere als Kampagnenstars

Vergleichbar mit einem Projekt in Peru, in dem mit Kameras ausgestattete Geier Müllsünder aufdecken, sind die Tauben nicht nur fliegende Unterstützer im Auftrag des Umweltschutzes, sondern auch Teil einer Medienkampagne. Sie sollen die Aufmerksamkeit für die Gefährdung durch Luftverschmutzung in der Bevölkerung erhöhen. Es gab, und gibt, zum Beispiel einen Twitter-Account , die Pigeon Air Patrol, dem man seinen Standort mitteilen konnte, und die Tauben zwitscherten dann wie die Luftverhältnisse sind.

Ein weiterer, nun folgender Teil der Kampagne ist es, einhundert Londoner Bürger mit kleinen anklippbaren Sensoren auszustatten, um unter dem Motto „Today pigeons, tomorrow humans“, als Boden-Patrouille weitere Daten zu sammeln.

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