Permakultur: Klima wandeln mit Menschenmist

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Chadica
Bauanleitung Komposttoilette

Während durch den beschleunigten Klimawandel in vielen Regionen der Welt große Wasserknappheit herrscht, setzen die Industrieländer unbeirrt die Verschmutzung und Verschwendung des Wassers fort. Die Wasserkreisläufe sind gestört - aber es gibt vieles, was Mensch tun kann, um wieder ein Gleichgewicht herzustellen.

Autor RESET , 29.06.12

Wasser ist die kostbarste Ressource auf unserem Planeten. Wasser ist Leben. Nicht nur unser Körper, sondern auch die Erdoberfläche besteht zu mehr als 70% aus Wasser – dennoch stehen der Weltbevölkerung nur 0,3% des H2O-Vorkommens als Trinkwasser zur Verfügung.

Die gute Nachricht: Es ist nicht zu spät!

Im Großen wie im Kleinen können wir es schaffen, dauerhaft einen fruchtbaren, trinkwasserreichen und lebenswerten Planeten zu gestalten – dabei müssen wir lediglich die Natur und ihre Mechanismen beobachten und verstehen.

Durch Wasserretention können wir in der Wüste grüne Oasen schaffen und in dem wir die begradigten Flüsse wieder mäandern lassen, geben wir den fließenden Gewässern die Chance, sich selbst zu reinigen.

Und wenn wir alle dazu beitragen zu kompostieren, um wertvollen Humus zu gewinnen, generieren wir wieder lebendige, durchlässige Böden, die weder anfällig sind für Dürre noch für Überschwemmungen. Langfristig würde eine weltweite Bodenverbesserung einen großen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten und folglich sogar das Klima oder Niederschläge regulieren…

Intelligente Kompostierung

Kompostieren bedeutet für die meisten Deutschen ein Komposthaufen für organische Lebensmittelreste, Grünschnitt und Holzhäcksel im heimischen Garten – oder industrielle Fermentierung zur Herstellung von Biogas. Aber mit intelligenter Kompostierung können wir sprichwörtlich sogar „aus Scheiße Gold machen“, d.h. unsere menschlichen Exkremente in wertvolle Rohstoffe verwandeln. Die Komposttoilette ist die einfachste und ökologisch sinnvollste Art und Weise der Verarbeitung menschlicher Ausscheidungen.

Leider betrachten wir in unserer Gesellschaft Fäkalien gemeinhin als lästigen stinkenden Abfall, den wir mit unserem kostbaren Trinkwasser per Knopfdruck in die Kanalisation spülen: Aus den Augen, aus dem Sinn. Mit 44 l täglich pro Person gelangt das meiste Trinkwasser der Privathaushalte in Deutschland in die Toilettenspülung.

Am anderen Ende wird in der Kläranlage in einem komplizierten Dreistufensystem das Abwasser mechanisch, biologisch und chemisch gereinigt. Das aufbereitete Endprodukt wird wieder in den Wasserkreislauf gespeist – und landet schließlich wieder als Trinkwasser im Glas, mitsamt Hormonen, Medikamentenrückständen und anderen Chemikalien, die im Klärwerk nicht beseitigt werden konnten.

Mit Kompostklos können wir die Verunreinigung des Grundwassers vermeiden, kostbares Wasser sparen und sogar gleichzeitig einen bleibenden Mehrwert für unsere Böden schaffen.

Kompostklo zum selber bauen

Ein Kompostklo ist einfach zu bauen, zu bedienen und zu handhaben. Mittlerweile bietet der Markt auch unterschiedliche Systeme zum Kauf an. Die Idee ist immer die gleiche. Die Fäkalien landen in einem tragbaren Behälter und werden mit Sägespänen abgedeckt. Die Späne unterstützen den Kompostierungsprozess, neutralisieren Gerüche und Fliegen werden ferngehalten. Empfehlenswert ist auch die Beigabe von Asche oder Steinmehl, sofern verfügbar. Unkomplizierte Anleitungen zum Bau eines Kompostklos bieten das Humanure Handbook oder illustierten Hefte von Einfälle statt Abfälle.

Am besten hat sich allerdings die Trockentrenntoilette bewährt: Hier wird der Urin separat von den übrigen Exkrementen aufgefangen und verarbeitet. Durch die Trennung bleibt der unangenehme Geruch, der bei der Vermischung entsteht, aus und beide Ressourcen können unterschiedlich genutzt werden.

Die trockenen Stoffe werden auf einem speziellen Komposthaufen entleert, welcher unterlegt wird mit einer etwa halben Meter dicken Schicht organischen Materials, wie Stroh, Tiermist, Pflanzenschnitt etc. – Heu, Stroh, Blätter und Gras eignen sich auch zur Abdeckung. Danach setzt ein etwa einjähriger Kompostierungsprozess ein. Während dieser Retentionszeit schaffen es Milliarden von Mikroorganismen sogar die hartnäckigsten Medikamente und Hormone zu zersetzen und die Exkremente schließlich in kostbarsten Humus zu verwandeln. Dieser kann zunächst für Bäume, Sträucher, Blumen und Pflanzen verwendet werden, um eine direkte Berührung mit Obst und Gemüse zu vermeiden. Nach etwa drei Jahren ist der aus Menschenmist gewonnene Humus auch für das Gemüsebeet absolut unbedenklich – und sogar wertvoll.

Der Urin kann mit unterschiedlichen Bakterien fermentiert werden – und schließlich mit Wasser verdünnt als Dünger ausgegeben werden. Durch den Fermentierungsprozess geht der abstoßende Ammoniakgeruch verloren und der Urin verwandelt sich zu einem kostbaren Nährstoff für die Pflanzen.

Eine Komposttoilette lässt sich theoretisch in jedem Garten realisieren, auch wenn uns die deutsche Gesetzgebung dazu zwingt, an das staatliche Zu- und Abwassersystem angeschlossen zu sein.

Vom Ende der Wasserklosetts

Aber es stellt sich die Frage, auf welche Weise sich Trockentoiletten auch in Stadtwohnungen realisieren lassen. In vielen Ländern werden Haushalte regelmäßig mit Gasflaschen zum Kochen und mit Trinkwasserkanistern beliefert – die leeren Einheiten werden wieder eingesammelt und ausgetauscht. Mit einem System von auswechselbaren Fäkalienkassetten könnten auch ganze Wohnkomplexe auf Trockentoiletten umsteigen. Eine vierköpfige Familie füllt pro Woche etwa vier 20 l-Behälter. Die luftdicht abdeckbaren Kisten könnten in einem wöchentlichen Turnus  abgeholt werden, dann professionell auf Kompostierungsanlagen entleert und schließlich zu Humus aufbereitet werden. Die Kassetten würden hygienisch gereinigt und wieder an die Haushalte ausgeliefert werden.

Während wir hierzulande zwar keine Engpässe bei der Wasserversorgung haben, ist Wasserrationierung für australische Städter bereits seit Jahren Alltag. So könnten Komposttoiletten im urbanen Umfeld in naher Zukunft eine lebenswichtige Lösung darstellen.

Aber auch wir können uns stark machen für nachhaltige, moderne Toilettensysteme – zum Schutz unseres Trinkwassers, zur Bodenverbesserung, für ein gutes Klima und ein erweitertes Bewusstsein.

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