Ororatech: Das Waldbrand-Orakel aus dem Weltall

Das Münchner Startup Ororatech sammelt und aggregiert Sattelitenbilder, um vor Waldbränden weltweit zu warnen. Dafür werden auch selbst entwickelte Nanosatelliten eingesetzt.

Autor Leonie Asendorpf, 12.04.21

Übersetzung Leonie Asendorpf:

Hohe Lufttemperaturen, wenig Niederschlag und Dürren ergeben die idealen Voraussetzungen für Waldbrände – und der menschengemachte Klimawandel verschärft diese Faktoren. In Kombination mit starkem Wind und fehlendem oder unzureichendem Brandschutz können riesige Waldbrände entstehen, die nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere und in der Natur große Schäden hinterlassen. Zuletzt konnte man die verheerenden Folgen von Waldbränden Ende 2019, Anfang 2020 in Australien sehen. Bei den Buschbränden wurden mehr als zehn Millionen Hektar Land sowie mehr als 2500 Häuser zerstört und Schätzungen zufolge über eine Milliarde Tiere getötet. Darüber hinaus tragen Waldbrände zu einem Anstieg der globalen CO2-Emissionen bei.

Bisher werden Gebiete, in denen hohes Waldbrandrisiko besteht, vor allem mit Wachtürmen, Flugzeugen oder Drohnen überwacht. Immer wieder kommen die Warnungen jedoch zu spät und das Feuer hat sich bereits zu weit ausgebreitet. Mit Wärmebildern von Satelliten will das Münchner Startup Ororatech nun eine schnellere und kostengünstigere Alternative zur Erkennung von Feuer-Hotspots anbieten. Feuerwehrkräfte sollen damit schneller informiert werden und das Feuer löschen können, bevor die Situation eskaliert. Der Name – Ororatech – steht für Orbital Oracle Technologies. Mit den Satelliten-Daten sollen also nicht nur bereits entfachte Feuer erkannt, sondern auch besonders gefährdete Gebiete identifiziert und überwacht, Waldbrände also vorhergesagt, werden können.

Aktuelle Karten zu Wind, Temperatur und Feuer-Risiko

Ororatech wird unter anderem von der Europäischen Union, Google for Startups und einem Förderprogramm der ESA finanziell unterstützt. Entstanden ist das Startup aus einem Spin-off des MOVE-II CubeSat-Projektes an der Technischen Universität München. Im Rahmen des Universitäts-Projektes haben Thomas Grübler, Björn Stoffers (beides Elektoringenieure), Informatiker Florian Mauracher und Betriebswirt Rupert Amann bereits Satelliten mitentwickelt. 2018 gründeten sie dann Ororatech. Mittlerweile steht hinter den vier Gründern ein internationales Team aus Ingenieur*innen, Softwareentwickler*innen und Wirtschaftsexpert*innen. Die Abo-Kund*innen von Ororatech kommen aus der ganzen Welt. Neben staatlichen Abonnent*innen gibt es auch private Nutzer*innen, die das Angebot annehmen, um ihr Eigentum zu schützen.

Mit verschiedenen Karten können sich Abonnent*innen des Aufklärungsdienstes einen Überblick über verschiedene Waldbrand-befördernde Faktoren schaffen. So gibt es neben einer Windkarte mit Visualisierungen zur Windgeschwindigkeit und -richtung Karten zu Temperatur und Feuchtigkeit, Wald und Vegetation, sowie Geländeinformationen, wie beispielsweise der Steigung. Mit einem „Feuer-Gefahr-Index“ soll außerdem angegeben werden, wie hoch das Risiko eines Feuers in einem bestimmten Gebiet ist. Je nach Abo sollen die Feuerwarnungen dann direkt als E-Mail-Benachrichtigung gesendet werden.

Neuer Einsatz von Nanosatelliten

Datengrundlage sind die Bilder mehrerer Satelliten, die in Echtzeit aggregiert werden. Außerdem betreiben die Macher*innen von Ororatech eine zusätzliche Satellitenbodenstation. Hotspots werden anhand hoher Temperaturquellen und mit Hilfe verschiedener Algorithmen erkannt. Seit diesem Jahr sind außerdem sogenannte Nanosatelliten, also besonders kleine und leichte Satelliten im Einsatz, die jeweils nicht größer als 30x10x10 cm³ sind. Diese hat das Startup selbst entwickelt. Im Vergleich zu großen Satelliten sind Nanosatelliten billiger und einfacher in der Produktion. Mit ihrer Hilfe sollen größere Flächen der Erdoberfläche abgedeckt und Waldbrände noch schneller erkannt werden.

Neben der Warnung vor Waldbränden können die Satelliten-Daten auch für andere Bereiche genutzt werden. So kann mit den Satelliten beispielsweise auch die Bodenverdunstung und Dürre oder auch die Hitzeentwicklung in Städten oder die industrielle Aktivität gemessen werden. Diese Informationen können bei fortschreitendem Klimawandel ein wichtiges Instrument für die Forschung und Politik sein.

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