Ökozid – ein fünftes Verbrechen gegen den Frieden?

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Durch Zerstörung von Ökosystemen wird die friedliche Nutzung von Gebieten durch seine Bewohner stark eingeschränkt - und das gefährdet den Frieden.

Autor Hanadi Siering, 18.01.13

Durch Zerstörung von Ökosystemen wird die friedliche Nutzung von Gebieten durch seine Bewohner stark eingeschränkt – und das gefährdet den Frieden. So sieht es Anwältin Polly Higgins und schlägt daher vor, den Ökozid als fünftes „Verbrechen gegen den Frieden“ (Crime against Peace) anzuerkennen – neben Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Verbrechen der Aggression.

„Ökozid“ (Englisch: „ecocide“) wird definiert als “erhebliche Beschädigung, Zerstörung oder Verlust von Ökosystem(en) eines bestimmten Gebietes durch menschliches Tun oder durch andere Ursachen.“ Higgins: „Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen heutige und künftige Generationen, und gegen alles Leben auf der Erde.“

Bereits 2010 schlug Higgins den Vereinten Nationen vor, Ökozid vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu stellen. Seitdem führt die englische Anwältin eine beispiellose Kampangne, um ihre Idee Wirklichkeit werden zu lasse – denn die Erde hat auch Rechte, die der Mensch wahren muss, um letztendlich selbst zu überleben. Hier spricht Polly Higgins über den Ökozid, seine Folgen, ihre Vision und begründet, warum Ökozid als das fehlende fünfte Verbrechen gegen den Frieden anerkannt werden sollte:

Zehn Beispiele für ökozidale Brennpunkte:

1. Der Abbau von Öl aus Teersand im kanadischen Alberta
2. Das Niger Delta
3. Tiefsee – Bergbau
4. Schlammvulkan Lusi, Indonesien
5. Bingham Canyon Kupfermine
6. Das ‘giftige Erbe’ von Chevron Texaco in Ecuador
7. Bleiproduktionsstätte Tianying, Provinz Anhui, China
8. Der Amazonas-Regenwald stirbt immer schneller
9. Der Nordpazifik Wirbel – eine Insel aus Plastikmüll
10. Ölförderung in der Arktis

Mittlerweile gibt es eine Europäische Bürgerinitiative, die die Kampange End Ecocide in Europe! unterstützt und Ökozid als Verbrechen gegen den Frieden behandelt sehen will. Ab Ende Januar kann hierfür seine Stimme abgegeben werden. Wie man vorher schon mitmachen kann erfährst du hier. Auch bei der Petitions-Plattform Avaaz.org kannst du deine Stimme für die Kampagne abgeben.

Wenn auch du möchtest, dass die Zerstörung von Ökosystemen und die damit zusammenhängende Verschlechterung der Lebenssituation von Millionen Menschen unter Strafe gestellt wird und somit der Frieden gewahrt werden kann, dann unterstütze die Kampagne mit deiner Stimme!

Peaceparks – Grenzübergreifende Naturparks für den Frieden

Politische Grenzen entsprechen eher selten Grenzen zwischen Ökosystemen. Für eine nachhaltige und umweltschonende Nutzung ökologische Einheiten ist eine grenzüberschreitende Kooperation sinnvoll. Peace Parks haben zum Ziel, länderübergreifende Schutzgebiete zu schaffen.