„Die Idee einer Genossenschaft“: So lässt sich das dänische Konzept des „Andelstanken“ am Besten ins Deutsche übersetzen. Andelstanken ist eines der Kernprinzipien des Projektes „AURORA“ in Aarhus, Dänemark, bei dem Bürger:innen gemeinsam 100.000 Euro in die Installation von Solarmodulen investiert haben. Durch ihre Investition wurde jeder Bürger und jede Bürgerin Teil einer Genossenschaft, die das Solarprojekt gemeinschaftlich besitzt. Über die AURORA-App können sie zudem verfolgen, wie viel Energie ihre Investition in die Solarenergie erzeugt.
Über Dänemark hinaus führte die AURORA-Initiative Solarinvestitionsprogramme in Madrid und Ljubljana durch. RESET sprach mit Dr. Ana Belén Cristóbal López, um mehr darüber zu erfahren, wie das Projekt Menschen dazu ermutigte, durch Investitionen in Solarenergie und die Erfassung ihres eigenen CO2-Fußabdrucks zu „Netto-Null-Bürger:innen“ zu werden.
Förderung von Solarenergie verbessert das „Nachhaltigkeitsimage“ der Nutzenden
Die von der EU finanzierte AURORA-Initiative erstreckt sich über fünf Länder und vereint neun Universitäten und Einrichtungen. Seit Beginn des Projekts im Dezember 2021 haben sich rund 7.000 Bürger:innen aus Dänemark, dem Vereinigten Königreich, Spanien, Portugal und Slowenien daran beteiligt.
In Aarhus und Madrid haben Bürger:innen die Installation von Solaranlagen über Crowdfunding finanziert und erhielten eine Rendite auf ihre Investition, sobald die Solaranlagen mit der Stromerzeugung begannen. „Die finanzielle Rendite ergibt sich aus dem Betrieb der Solaranlage selbst“, erklärt uns Dr. López. „Die Einnahmen aus [der Solarenergie] dienen zur Rückzahlung an die Bürger:innen, die das Projekt finanziert haben.“
Die AURORA-App schätzt die Menge an erneuerbarem Strom, die durch jede Investition erzeugt wird. „Dieser Beitrag fließt dann in das Umweltprofil der Nutzenden ein und wird dazu verwendet, deren berechneten CO₂-Fußabdruck und die Stromauswirkungen zu verringern“, erklärt Dr. López. „Das Kennzeichnungs- und Bewertungssystem der App wertet diese Investitionen positiv aus und verbessert so das ‚Nachhaltigkeitslabel‘ der Nutzenden, auch wenn diese den Solarstrom nicht direkt selbst verbrauchen.“
2.100 Nutzende erfassen ihren CO2-Fußabdruck bereits
Neben Investitionen in Solaranlagen ermöglicht die AURORA-App den Nutzer:innen auch, ihre Daten zu Heizung, Strom und Mobilität zu erfassen. Anschließend erhalten sie eine Echtzeit-Visualisierung ihres CO2-Fußabdrucks. „Die App fungiert als ‚persönliches Verbrauchstagebuch‘ und hilft den Nutzer:innen, den Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten, ihrem Energieverbrauch und ihren CO2-Emissionen besser zu verstehen“, sagt Dr. López. Die 2.100 Nutzenden haben bisher Zehntausende von Einträgen erfasst. Das Ziel der AURORA-App ist es nicht, Energieeinsparungen zu erfassen, sondern das Bewusstsein der Menschen dafür zu schärfen, wie ihre täglichen Entscheidungen zu ihrem CO2-Fußabdruck beitragen.
Dr. López erklärt: „Eines der deutlichsten Ergebnisse ist das veränderte Verhalten der Teilnehmenden; sie werden sich der Umweltauswirkungen von Heizung, Mobilität und Stromverbrauch viel bewusster, sobald sie beginnen, diese systematisch zu erfassen.“
Abbau von Hindernissen bei der Datenerhebung und Berücksichtigung lokaler politischer Rahmenbedingungen
Wie geht es nun mit dem AURORA-Projekt weiter?
Das Team führt derzeit Gespräche mit internationalen Organisationen über die Entwicklung eines Programms, dessen Schwerpunkt auf der Sensibilisierung für den Klimawandel und dem bürgerschaftlichen Engagement liegt. „Wir wollen auf den Erfahrungen aufbauen, die wir durch AURORA im Bereich des Energieverhaltens und des bürgerschaftlichen Engagements gesammelt haben“, erklärt uns Dr. López.
Eine weltweite Ausweitung bringt jedoch ihre eigenen Herausforderungen mit sich. „[Das würde] weit mehr erfordern als nur die Übersetzung der App in verschiedene Sprachen“, betont Dr. López. „Wir müssten die Methodik von Land zu Land anpassen, um den Unterschieden bei Energiesystemen, Vorschriften, Mobilitätsmustern, Umweltprioritäten und sozioökonomischen Gegebenheiten Rechnung zu tragen.“ Es wäre nicht angemessen, europäische Umweltgrenzwerte und Verhaltensmuster auf andere Kontinente oder Regionen, beispielsweise im Globalen Süden, zu übertragen: „Jede sinnvolle internationale Einführung muss die lokalen Gegebenheiten und politischen Rahmenbedingungen berücksichtigen.“
Eine zweite Herausforderung ist die Automatisierung. Das AURORA-Team stellte fest, dass die Nutzer:innen zwar motiviert waren, ihre Umweltdaten zu teilen, die manuelle Dateneingabe jedoch als mühsam empfanden. „Ein langfristiges Engagement hängt stark davon ab, dass die Hürden bei der Datenerfassung abgebaut werden“, sagt Dr. López. Dies könnten die Entwickler:innen auch durch die Integration der AURORA-App in bestehende Dienste erreichen, beispielsweise durch den Import von Mobilitätsdaten aus Google-Verkehrs- oder Standort-Apps oder durch den Abruf von Strom- und Gasverbrauchsdaten von Versorgungsunternehmen oder intelligenten Zählern. „Dies würde die Benutzerfreundlichkeit, die Teilnahmequoten und die Datenqualität erheblich verbessern“, fügt sie hinzu.
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Eine reproduzierbare Methode zur Stärkung des Klimabewusstseins
Die AURORA-App hat gezeigt, dass die Erfassung von Umweltdaten das Bewusstsein der Bürger:innen für ihren CO2-Fußabdruck schärft und ihnen hilft, „Netto-Null-Bürger:in“ zu werden. Andere Institutionen oder Unternehmen könnten diese Methodik übernehmen. So könnten beispielsweise Stromversorger ihre Kund:innen darüber informieren, inwiefern ihr individueller Verbrauch zur Erreichung der Klima- und Energieziele beiträgt.
Die Reduzierung der Emissionen sollte jedoch nicht allein uns als Einzelpersonen obliegen. Regierungen müssen sich vom AURORA-Projekt inspirieren lassen und die notwendigen Systeme für eine klimafreundliche Gesellschaft schaffen.
„Das langfristige Ziel“, erklärt Dr. López, „ist die Entwicklung integrierterer, automatisierter und international anpassbarer Systeme, die die Bürger:innen dabei unterstützen, ihre Umweltauswirkungen zu verstehen und zu verringern.“ Auf diese Weise „bildet das AURORA-Projekt die Grundlage für künftige Instrumente zur Bürgerbeteiligung im Bereich Klimabewusstsein und Nachhaltigkeit.“

