Neue Suchmaschine: grüne Indikatoren für alle!

Vom Aussterben bedrohte Narwale, die kommende Klimakonferenz Ende November in Paris oder der drängende Ausbau der erneuerbaren Energien: Es gibt unzählige, neue, wichtige Herausforderungen welche unsere Umwelt direkt betreffen – warum also ein Artikel über Indikatoren?Genau deshalb!

Autor Marius Hasenheit, 15.09.15

Keines der genannten Themen kann ohne Indikatoren betrachtet werden. Ob nun die Individuenzahl einer bedrohten Art, der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix oder ob der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid pro Kopf oder Land gemessen wird – Indikatoren sind allgegenwärtig und notwendig um Herausforderungen anzugehen.

Auch für die Politik sind sie essentiell um Erfolg (oder Misserfolg) von Politikmaßnahmen zu messen oder Probleme zu bemerken. Im wirtschaftlichen Bereich ist dabei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) das, scheinbar unangefochtene, Maßinstrument schlechthin. Allerdings lässt dieser Indikator nicht nur einige Bereiche der (inoffiziellen und unbezahlten) Wirtschaft, sondern auch Umweltschäden oder wachsende, soziale Ungleichheit in einer Gesellschaft aus. Über alternative Indikatoren, die sich beispielweise über das Quiz Yourtopia entdecken lassen, haben wir bereits berichtet.

Wenn Politiker, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen oder Wissenschaftler nun das „Ergrünen von Wirtschaft und Gesellschaft“ messen wollen, stehen sie vor einem Problem: Es gibt tausende, mögliche Indikatoren. Sie heißen z.B. Kohlenstoffdioxidintensität pro Einheit, BIP oder pro Kopf, Recyclingrate von Elektroschrott oder Global Cleantech Innovation Index – den passenden Indikatoren zu finden, entspricht für jemanden der sich nicht regelmäßig damit beschäftigt, der Suche einer Nadel im Heuhaufen. Doch braucht es eben unterschiedliche Indikatoren für unterschiedliche Fragestellungen.

Bei der Qual der Wahl ist nicht nur die schiere Anzahl der Indikatoren überfordernd, sondern auch der ständige Wandel: ununterbrochen kommen neue Indikatoren dazu, während andere veralten da sie nicht mehr mit frischen Daten gefüttert werden. Das Ergebnis: Ein Indikatorendschungel, der es schwer macht Entwicklungen in der Umweltpolitik oder Wirtschaft nachzuverfolgen, geschweige denn zu überprüfen.

Die Europäische Union finanzierte nun eine Mischung aus Taschenlampe und Kompass, um sich im Indikatorendschungel zurechtzufinden und förderte das Projekt Network for Green Economy Indicators (NetGreen). In diesem Projekt, unter Leitung des Berliner Ecologic Instituts durchgeführt, wurden alle  Indikatoren gesammelt, die relevant sind um Entwicklungen in Richtung einer grüneren und sozialeren Gesellschaft zu messen. Etwa zwei Jahre brauchte das Konsortium von verschiedenen europäischen Instituten um diese Indikatoren zu identifizieren und miteinander in Verbindung zu stellen. Gerade diese Verbindungen geben interessante Informationen preis: Welcher zusammengesetzter Indikator besteht aus welchen einzelnen Indikatoren? Welcher Indikator vermag es mit seinen Stärken die Schwächen eines anderen Indikatoren zu decken? Neben diesen tiefer gehenden Informationen, gibt es natürlich auch die Basisinformationen zur Datenqualität, Anwendbarkeit des Indikatoren etc.

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All diese Ergebnisse sollen allerdings nicht nur für einen kleinen Zirkel von Politikern, Politikberatern und Wissenschaftlern zugänglich gemacht werden, sondern allen! Dazu entwickelten die Forscher eine interaktive Suchmaschine, mit der die Benutzer die für ihre Zwecke passenden Indikatoren und entsprechenden Informationen finden können. Wichtig ist diese Übersicht von Open-Data-Inhalten nicht nur für Nichtregierungsorganisationen und Journalisten, sondern jeden Mensch, der allgemeinen Aussagen und Bauchgefühlen misstraut. Wer hätte denn zum Beispiel gedacht, dass trotz dem wachsenden Umweltbewusstsein in Deutschland das Müllaufkommen pro Kopf seit den letzten Jahren wieder steigt?

Data is beautiful.
Accessible data even more.

Unser Redakteur Marius Hasenheit arbeitet als Junior Researcher am Ecologic Institut an dem Projekt mit. Feedback und Anmerkungen zu dem Projekt oder der Suchmaschine nimmt er gern entgegen.
 

© Uta Mühleis
Globale Entwicklung nach Maß: Yourtopia

Globale Entwicklung lässt sich so oder so messen. Das Projekt Yourtopia führt das vor Augen.