Nachhaltige Mode hoch zwei: aus recyceltem Plastik und für soziale Gerechtigkeit

Girlfriend Collective erstellt Sportwäsche aus recyceltem Einwegplastik

Das Label Girlfriend Collective produziert nicht nur Mode aus recycelten Plastikflaschen – es stellt auch sicher, dass alle weiteren Schritte der Produktion nachhaltigen Standards entsprechen.

Autor*in Laura Wagener, 25.10.18

Übersetzung Laura Wagener:

Das amerikanische Label Girlfriend Collective hat seinen Ursprung eigentlich im asiatischen Raum. Dort beobachteten Quang Dinh und seine Frau Ellie in Taiwan, wie Recycling dort zum Gemeinschaftsgut erhoben wurde. Mehrere Abende pro Woche versammeln sich die Menschen auf der Straße, um ihre Abfälle in vorbeifahrende Müllautos zu sortieren – Wertstoffe, Lebensmittelabfälle und Restmüll. Die Gemeinschaft nutzt die Gelegenheit, um zusammenzukommen und zu reden – und macht so aus dem Notwendigen ein positiv belegtes Event. Noch vor 20 Jahren hatte Taiwan wegen seines riesigen Müllproblems den Spitznamen „Trash Island“. Heute ist der Inselstaat mit dem offiziellen Namen „Republik China“ eine weltweite Galionsfigur in Sachen Recycling.

Als Dinh und Ellie dann noch eine Zwirnerei entdeckten, die aus recycelten Plastikflaschen Garn herstellte, war die Idee für Girlfriend Collective geboren: Eine Label, das Kleidung ohne die Belastung natürlicher Ressourcen herstellt – und zudem auch die soziale Gerechtigkeit in der Bekleidungsindustrie fördern soll.

So funktioniert Girlfriend Collective

Der erste Artikel, den Dinh und Ellie für Girlfriend Collective entwickelt haben, war eine Sport-Leggings. Mittlerweile ist das Sortiment bereits auf weitere Sportswear-Artikel für Frauen ausgeweitet. Was alle Artikel gemeinsam haben: Sie bestehen zum Großteil aus Polyethylenterephthalat oder mit anderen Worten: Einwegplastikflaschen. Wie Girlfriend Collective auf der Webseite versichert, enthält diese Form des Kunststoffs kein hormonell wirksames BPA, wie viele härtere Plastikflaschen, die zur Wiederverwendung gedacht sind. Pro Leggings werden etwa 25 Plastikflaschen benötigt.

Girlfriend Collective legte bei der Auswahl der Recyclinganlage in Taiwan großen Wert auf die Absicherung per Zertifizierung, dass diese tatsächlich mit post-consumer Plastik arbeitet. Das ist wichtig, denn in China hat es sich zum Geschäftszweig entwickelt, statt echten benutzten Plastikflaschen einfach neue und unbenutzte Plastikflaschen direkt an die Recyclinganlagen weiterzuverkaufen.

Das in Taiwan hergestellte Garn geht dann an eine mit dem internationalen Zertifikat für sichere und faire Arbeitsbedingungen (SA8000) ausgezeichnete Weberei in Vietnam, wo die Hosen in einem besonders sorgfältigen Verfahren gewebt werden. Die Zertifizierung garantiert auch, dass in den ausgezeichneten Fabriken weder Zwangs- noch Kinderarbeit stattfindet. Girlfriend Collective legt Wert auf beständige Slow Fashion: Nur 100 Hosen können bei dem gewählten Webverfahren innerhalb von 24 Stunden gefertigt werden – dafür bestechen die Kleidungstücke mit außergewöhnlich langer Beständigkeit. Ein Versprechen, das von Nutzern im Internet bestätigt wird. Auch beim Verpackungsmaterial achtet das Label darauf, dass alle Bestandteile 100 Prozent recycelt und zu 100 Prozent recycelbar sind.

Girlfriend Collective ist ein schönes Beispiel dafür, dass öko nicht immer gleich öko aussehen muss und könnte den Slow Fashion Markt daher auch für einige Skeptiker öffnen. Außerdem zeigt das Unternehmen, dass es möglich ist aus bereits existierenden Rohstoffen ohne die Ausbeutung natürlicher Ressourcen neue, hochwertige Produkte zu schaffen. Problematisch ist allerdings, dass jede Kleidung aus Kunststofffasern zur weiteren Anreicherung von Mikroplastik in unseren Wasserwegen führt, da bei jeder Wäsche kleinste Fasern ausgewaschen werden – auch, wenn das Kleidungsstück eigentlich eine sinnvolle Weiterverwertung von Plastikabfall sein soll. Wir haben mit Cora Ball oder Guppy Bag zwar bereits Initiativen vorgestellt, die das verhindern, am besten wäre es zwar natürlich, komplett auf Plastik zu verzichten und mit dem Kunststoff aus Recycling die Bereiche zu versorgen, in denen es bisher noch gar nicht ohne Plastik geht – wie beispielsweise die Medizin.

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