Nachhaltig oder nicht? Zwei Perspektiven auf Hamburg

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Foto: Miguel Martinez

Wie unterschiedlich Wahrnehmungen seien können: Im amerikanischen Blog Worldchanging, das sich mit Lösungen für eine "bright green future" auseinandersetzt, wird die Hamburger HafenCity als gelungenes Beispiel für eine nachhaltige Architektur gefeiert, die sich an die Folgen des Klimawandels anpasst. In Hamburg selbst sehen das einige anders.

Autor Helge Peters, 01.09.10

Was begeistert Worldchanging an der HafenCity?

Auf Hafenstädte (und generell küstennahe Städte) kommen in Zukunft durch den Klimawandel besondere Herausforderungen zu. Ein steigender Meeresspiegel und mehr extreme Wetterphänomene rufen nach Antworten der Stadtentwicklung.

Laut Worldchanging habe Hamburg diese Herausforderungen vorbildlich angegangen: Im gesamten Projekt HafenCity sei die Möglichkeit von Fluten mitgedacht und der Raum in fünf Ebenen aufgeteilt, die belebt werden können. Von Pontons auf dem Wasser über Promenaden, Terrassen, Strassen bis zu Gebäuden, die erst ab dem ersten Stockwerk bewohnt werden, stelle sich die Stadt auf den Anstieg des Meeresspiegels und mögliche Fluten ein. Außerdem wird gelobt, dass die Hafencity dicht bebaut, fußläufig und mit dem Fahrrad befahrbar wäre – nachhaltig eben.

Aus der Nähe sehen die Dinge oft ein bißchen anders aus. Hamburg ist wohl mit Berlin (und seit neuestem Stuttgart) eine der Städte in Deutschland, in denen die Entwicklung durch Megaprojekte am kontroversesten diskutiert wird.

Ein aktives Bündnis aus Bürgerinitiativen namens Recht auf Stadt stellt die Hafencity in den weiteren Kontext einer Stadtplanung, die zur Auflösung gewachsener Sozialstrukturen führe und ärmere Menschen an den Rand dränge.

Gebäude aus Glas und Stahl, intransparente Planung ohne Rücksicht auf die Lebenswirklichkeit der Hamburger: Die Hafencity ist für die Kritiker ein Paradebeispiel für kurzsichtige Stadtentwicklung. Die dortigen Wohnungen könne sich nur die Elite leisten, die soziale Durchmischung löse sich auf, lebendige Straßen verkommen zu öden Orten, die ab und zu durch Events bespielt werden. Eben alles andere als nachhaltig.

Am lokalen Beispiel Hamburg lässt sich so die Frage nach Klima und Gerechtigkeit illustrieren: Die Anpassung an die zu erwartenden Folgen des Klimawandels wurde in der Hafencity offensichtlich vorausschauend umgesetzt. Nur wem nützt das? Gibt es eine „bright green future“ nur für diejenigen, die es sich leisten können?

Im globalen Maßstab wird dies unter dem Begriff Klimagerechtigkeit diskutiert. Ein mögliches Szenario wäre, dass sich die reichen Nationen mit modernen Technologien und Konzepten gegen die Folgen des Klimawandels rüsten können, während Menschen in ärmeren Regionen der Welt das Nachsehen haben.

Das mag für einen Teil der Welt auf kurze Sicht funktionieren. Nur: Nachhaltig ist das nicht.

Der Klimawandel – eine Annäherung

Schon immer hat sich das Klima auf der Erde gewandelt - und wird das auch in Zukunft tun. Es gab Zeiten auf der Erde völlig ohne Vereisung und Zeiten, in denen große Teile Europas von Gletschern aus dem Norden bedeckt waren. Aber was hat es mit dem Klimawandel auf sich? Und trägt der Mensch dazu wirklich etwas bei?