Müttersterblichkeit per SMS bekämpfen

An keinem Ort in Indien sterben mehr Mütter als im Bundesstaat Assam. Dort wird ihnen systematisch der Zugang zu Ärzten und Krankenhäuser verwehrt. Diskriminiert werden vor allem die Frauen der Adivasi, die dadurch die meisten Todesopfer zu beklagen haben. Über dieses Problem wird weder berichtet, noch wird etwas dagegen getan. Bis jetzt! Das Projekt End Maternal Mortality Now will per SMS den Frauen helfen!

Autor Hanadi Siering, 30.06.14

Die hohe Müttersterblichkeitsrate in Assam geht oft einher mit massiven Verletzungen von Menschenrechten. Vielen Frauen, von denen viele in den Teefeldern arbeiten, werden ihre Rechte auf Gesundheit, Leben und Gleichheit verwehrt und einfach unter den Teppich gekehrt. Oft ist es für sie zwecklos, sich an offizielle Stellen zu wenden. Die Adivasi werden systematisch diskriminiert.

Es gibt zwar Gesetze, die eine bessere Gesundheitsvorsorge gewährleisten sollen, aber in vielen Fällen werden diese nicht umgesetzt. Auch mangelt es an Geldern für medizinisches Matrial in Krankenhäusern oder für die Arztkosten. Dass es quasi keine Berichterstattung über das Thema Müttersterblichkeit gibt, macht die Situation auch nicht besser. Ganz im Gegenteil!

Gesundheitssystem mit Fehlern und Diskriminierung

Das Gesundheitssystem in Assam leidet unter dem Fehlverhalten von Beamten, Ärzten und offiziellen Autoritäten. Besonders betroffen sind die Adivasi-Teepflückerinnen des Bundesstaates, die einer ständigen Diskriminierung ausgesetzt werden. Das Team von End Maternal Mortalitiy Now will nicht länger tatenlos zusehen. Auf ihrer interaktiven Website gibt es eine Karte, auf der gemeldete Verstöße sichtbar gemacht werden. Mehr als mittlerweile 40 Frauen und Männer wurden im Distrikt Sonitpur trainiert, die Augen offen zuhalten und illegales Verhalten im Gesundheitssektor zu beobachten via verschlüsselter SMS zu melden.

“The SMS system allows for the tracking of multiple health rights violations, including the lack of resources at health centers. It is also acting as a community empowerment tool by engaging local women to collect data that will be used to hold the government accountable.” (Jaspreet Singh vom International Center for Advocates Against Discrimination/ICAAD, eine Organisation, die gegen strukturelle Diskriminierung kämpft)

Pilotphase für die Adivasi

Das Projekt befindet sich in einer 9-monatigen Pilotphase. Es zielt darauf ab, durch Community Trainings, Technologie und rechtliche Maßnahmen eine bessere Gesundheitsinfrastruktur durch die Mitarbeit von lokalen Aktivisten zu erschaffen. So soll eine Grundlage für den Kampf gegen die Diskriminierung der Adivasi-Frauen in Assams Teefeldern geschaffen werden. Das Wichtigste ist aber, dass sie Zugang zu einer würdevollen medizinischen Behandlung bekommen.

Das Projekt wurde in seiner Anfangsphase durch den Information Society Innovation Fund (ISIF Asia) unterstützt. Die Organisationen Nazdeek, ICAAD und PAJHRA arbeiten gemeinsam an dem Projekt und nutzen die Ushahidi Platform für die Erreichung ihrer Ziele.

Die Verbesserung der Gesundheit von Müttern ist eines der Milleniums-Entwicklungsziele. Mehr Infos über die Ziele gibt es im RESET-Artikel „Die Milleniums-Entwicklungsziele.

Das Handy als Entwicklungsmotor

Ein Leben ohne Handy – das ist für die meisten von uns kaum vorstellbar. Von einem exklusiven Spielzeug hat sich das Mobiltelefon in kürzester Zeit zu einem täglichen Begleiter fast wie von selbst über die ganze Welt verbreitet. Fast 7 Milliarden Menschen nutzen heute ein Handy - keine Technologie hat die Welt bisher schneller erobert.

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Die Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG)

Im Jahr 2000 verabschiedeten 189 Länder die Millenniumserklärung. Zur Umsetzung dieser Erklärung wurde eine Liste mit acht konkreten Zielen, den sog. Millenniums-Entwicklungszielen, abgeleitet. Diese Ziele - unter anderem die Halbierung der weltweiten Armut und die Eindämmung von HIV/AIDS – wollen die Staaten bis zum Jahr 2015 erreichen.