Bis zu 3,7 Millionen Gallonen pro Tag: So viele Milchabfälle haben Milchbäuer:innen laut Dairy Farmers of America auf dem Höhepunkt der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 in die Kanalisation gespült. Durch den Rückgang der Nachfrage von Schulen, Restaurants und Cafés hatten die Betriebe weit mehr Milch, als sie verkaufen konnten.
Dieses Problem brachte zwei Professoren der University of Wisconsin, Dr. John Obielodan, Vorsitzender des Fachbereichs Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen, und Dr. Joseph Wu, außerordentlicher Professor für Chemie, auf eine Idee. Die beiden fragten sich: „Warum kann diese Milch nicht, anstatt verschwendet, in etwas Wertvolles verwandelt werden?“ Die nächsten fünf Jahre haben die beiden damit verbracht, diese Frage zu beantworten. Das Ergebnis? Ein neuer biologisch abbaubarer Kunststoff aus Milchabfällen, der im 3D-Druck eingesetzt werden kann.
Milchproteine werden zu biologisch abbaubarem Kunststoff
Die Erfindung von Obielodan und Wu erhielt im Oktober 2025 ein US-Patent. Bei dem Verfahren werden Proteine aus Milchprodukten wie Kasein und Molke als Grundlage für biologisch abbaubaren Kunststoff verwendet. Das Material ist eine umweltfreundliche Alternative zu Erdölkunststoff, der häufig im 3D-Druck verwendet wird und nicht biologisch abbaubar ist.
Von der Medizin bis zur Fertigung – viele Branchen setzen bei der Produktion auf 3D-Druckverfahren. „Mit Blick auf die Zukunft könnten eine Vielzahl von Produkten aus Milchproteinen hergestellt werden. Von 3D-Druckfilamenten bis hin zu anderen technischen Materialien sind die Möglichkeiten vielfältig”, erklärte Obielodan gegenüber der University of Wisconsin Press.
Eine nachhaltige Alternative – oder Unterstützung für die Milchwirtschaft?
Die Herstellung des biologisch abbaubaren Kunststoffs aus Milchresten ist eine schlaue Verwertung eines Abfallprodukts. Darüber hinaus würde der Prozess die Produktion von nicht biologisch abbaubaren Kunststoffen reduzieren. Diese schädigen Meereslebewesen und finden sich bereits in der Nahrungskette des Menschen. „Biomaterialien bieten eine nachhaltigere Alternative, da sie natürliche und Abfallstoffe in nützliche Polymere mit geringeren Risiken für Umwelt und Gesundheit umwandeln“, davon ist Obielodan überzeugt. Was den 3D-Druck betrifft, so verursacht das On-Demand-Verfahren weniger Abfall als die traditionelle Fertigung. Und dank vereinfachter Lieferketten könnten auch die Transportemissionen sinken.
„Ich hoffe, dass [die Erfindung] sowohl der 3D-Druckindustrie als auch den Milchbauern in Wisconsin helfen wird“, so Wu. Da Milchbäuer:innen aufgrund von Zöllen unter dem Druck sinkender Milchpreise stehen, könnte eine neue Einnahmequelle einen erheblichen Aufschwung bringen.
Allerdings hat die Viehzucht einen Anteil von 14,5 Prozent an den vom Menschen verursachten Emissionen. Ist die Unterstützung der Milchwirtschaft also der richtige Weg, um dem Planeten zu helfen? Der Kunststoff aus Milchproteinen ist zweifellos eine sinnvolle Möglichkeit, überschüssige Milch zu verwerten, anstatt sie in den Abfluss zu schütten. Aber die Reduzierung unseres Konsums – sowohl von Milchprodukten als auch von Plastik – ist nach wie vor die optimale Lösung. Nur so können die globalen Emissionen in der Produktion und darüber hinaus wirklich sinken.
