Low-Tech-Lebensretter: Ein Armband schützt Babys vor Unterkühlung

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Radnyee;
Ein Baby mit einem Armband gegen Hypothermie

Komplizierte Überwachungstechnik, Brutkästen oder eine stabile Elektrizitätsversorgung sind dank eines neuartigen Armbands nicht mehr zwingend nötig, um Babys vor Unterkühlung zu schützen. Ein Unternehmen aus Indien hat die Low-Tech-Innovation geschaffen, um Müttern gegen unsichtbare Gefahren zu helfen.

Autor Paul Stadelhofer, 05.02.17

Übersetzung Marisa Pettit:

BEMPU Hypothermia ist ein Armband, dass die Temperatur von Neugeborenen überwacht. Fällt die Temperatur auf ein gefährliches Niveau, gibt das Armband einen audiovisuellen Alarm ab. Die Mütter können auf das Signal reagieren, das Baby an die Brust nehmen und wärmen – so einfach kann es sein. Zusätzlich kann das Signal sogar dabei helfen, tiefer liegende Infektionen festzustellen.

From Stanford with Love

Das Armband wurde von dem indisch-amerikanischen Stanford Absolventen Ratul Narain speziell für Krankenhäuser und Familien mit schlichten Ressourcen geschaffen. Von der Gates Foundation gefördert, hat es das Produkt unter anderem beim empowering people.Award 2016 der Siemens Stiftung auf den ersten Platz geschafft. Laut Schätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF könnte die Vorsorge gegen die sogenannte „Hypothermie“ sogar zwischen 18 und 42 Prozent der Neugeborenen retten, die jedes Jahr in Entwicklungs- und Schwellenländern sterben. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, dass weltweit sogar zwischen 32 und 85 Prozent der Neugeborenen von Hypothermie betroffen sind.

Marktreife integriert

Das Gute an dem Device: Durch das einfache Signal können Mütter oder Krankenhaus-Schwestern intuitiv – also ohne Smartphones zu nutzen, Temperaturen zu messen oder überhaupt zu verstehen – Wärme spenden, indem sie das Neugeborene an ihre Brust nehmen. Die Lebenszeit für den Device beträgt ca. 28 Tage. Der Preis des Armbands liegt bei 2.000 Rupien (ca. 27,6 Euro). Ausgestattet ist das Armband mit einer Uhr-Batterie und normalerweise soll das Gerät von einem Doktor verschrieben werden – insbesondere für Pflegekräfte und Familien mit „niedrigem“ Bildungsstand.

Obwohl die Idee hinter dem Armband simpel scheint, könnte die Erfindung mehr als marktreif sein: Zwischen ein und zwei Millionen Neugeborene und 1800 Pflegestationen in Indien werden von dem Entwickler schließlich als primärer „Ziel-Markt“ beschrieben, wozu als sekundärer Markt rund 8 Millionen Kinder genannt werden, die jedes Jahr mit Untergewicht in Indien geboren werden.

„Wir hoffen darauf, unsere Arbeit mit der indischen Regierung auszuweiten, den Device in Afrika sowie in Süd-Ost-Asien einzuführen und unser Team sowie unsere Partnerschaften auszubauen, um die Skalierung zu stützen“, sagt Narain. Sein Ziel: Die Gesundheitsversorgung in Infrastruktur-schwachen Regionen radikal zu verbessern und Technologien zu entwickeln, die diesem Ziel nicht nur entsprechen, sondern insbesondere auch eine Chance auf soziale Akzeptanz haben.

Wer das Vorhaben unterstützen will, kann hier spenden.

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