Erneuerbare Energien – klimafreundlich und zukunftsfähig

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In Anpassung an sich verändernde Gegebenheiten und Anforderungen hat die Menschheit der westlichen Welt schon mehrfach ihre Energiequellen gewechselt. Vom Holz bis hinein ins 18. Jahrhundert zur Kohle während der Industrialisierung bis hin zu Öl und Gas im 20. Jahrhundert. Die Frage ist nun, wie schnell wir den Sprung ins Zeitalter erneuerbarer Energien schaffen.

Autor RESET , 04.03.13

Übersetzung Sarah-Indra Jungblut:

Im Zuge einer nachhaltigen Lebensweise ist die Nutzung erneuerbarer Energien ein wichtiger Faktor, geht es doch darum, Ressourcen zu schonen und den Treibhausgas-Ausstoß zu vermindern, um langfristig lebenswerte Bedingungen auf der Erde zu erhalten. Nicht nur im Hinblick auf Klima- und Umweltschutz ist der Wechsel von fossilen Energiequellen zu erneuerbaren Energieträgern der richtige Weg. In Anbetracht schwindender fossiler Brennstoffvorkommen und der immer aufwändigeren und kostenintensiven Gewinnung dieser Ressourcen (Stichwort „Fracking“), ist es ein konsequenter Schritt auf regenerative Energiequellen umzusteigen.

Anders als die fossilen Energiequellen Erdgas, Kohle und Erdöl, die endliche Ressourcen darstellen und bei ihrer Nutzung zu hohen CO2-Emissionen führen, basieren die Erneuerbaren Energien auf der Nutzung von Ressourcen, die regenerativ sind und damit praktisch unendlich zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu der Nutzung von Atomkraft als Energiequelle besteht bei der Nutzung erneuerbarer Energien kein unkalkulierbares Gefahrenpotenzial und kein Endlagerproblem. Zu den erneuerbaren Energien gehören Sonnenenergie, Wasserkraft, Wind, Erdwärme und Biomasse (aus nachwachsenden Rohstoffen).

Erneuerbare Energien in Deutschland

Energie wird für die Erzeugung von Strom und Wärme und als Kraftstoff benötigt. Dafür eignen sich die einzelnen erneuerbaren Energiequellen in unterschiedlicher Weise. Windkraft und Sonnenergie liefern vornehmlich Strom, nachwachsende Biomasse liefert Strom, Wärme und Kraftstoff und aus der oberen Erdkruste kann Wärme, die sogenannte Geothermie, genutzt werden. Die Beteiligung der einzelnen Formen regenerativer Energieerzeugung an der Deckung des Energiebedarfs in Deutschland ist regional unterschiedlich verteilt. So überwiegt beispielsweise im Süden der Anteil der Sonnenenergienutzung mit Hilfe der Photovoltaik, während im Norden die Windenergie einen Großteil der regenerativen Energie liefert (Agentur für Erneuerbare Energien (AEE)).

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch ist in Deutschland seit den 90er Jahren insgesamt beständig angestiegen (siehe Grafik, hellgrüner Graph). Im Stromsektor war dieser Anstieg am stärksten. Der Anteil regenerativer Stromerzeugung an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei über 20 % (blau). Der Anteil der konventionellen Energiequellen bei der Stromerzeugung liegt also immer noch bei etwa 80 %. Im Kraftstoffbereich ist der Anteil der regenerativen Quellen seit 2007 leicht zurück gegangen (dunkelgrün; Quelle: AEE, Stand 2012). (1)

Die Windenergie liefert in Deutschland aktuell den größten Anteil an der regenerativen Stromerzeugung (7,3 %), gefolgt von Strom erzeugt aus Biomasse (6,6 %), Sonnenenergie (4,6 %) und Wasserkraft (3,3 %; Quelle: AEE, Stand 2012)). (2)

Erneuerbare Energien weltweit

Weltweit decken die Erneuerbaren Energien derzeit 16,7 % des Endenergieverbrauchs und circa 20 % des Stromverbrauchs (Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)). Hierüber gibt der jährlich erscheinende „Renewables Global Status Report“ Aufschluss. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass bis 2030 mehr als 25 % des globalen Primärenergieverbrauchs durch Erneuerbare Energien gedeckt werden können (Quelle: BMU).

Die noch junge internationale Organisation IRENA (International Renewable Energy Agency) treibt den Ausbau erneuerbarer Energien international voran. Deutschland nimmt eine Vorreiterrolle bei der regenerativen Energieerzeugung ein, insbesondere in Bezug auf den Ausstieg aus der Atomkraft, der in dieser Form bisher in keinem anderen Land vollzogen wurde. Weitere Länder in denen die Erneuerbaren Energien einen immer wichtigeren Beitrag zur Energieerzeugung leisten sind China, die USA, Spanien, Italien, Indien und Japan (Quelle: BMU).

Die gesetzliche Förderung Erneuerbarer Energien in Deutschland

Die EU gibt den Mitgliedsstaaten verbindliche Ausbauziele für die Erneuerbaren Energien vor. Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien am Energieendverbrauch (Strom, Wärme, Kraftstoff) auf 18 % (derzeit knapp über 12 %) zu steigern. Der regenerative Stromsektor soll demnach bis 2020 auf anteilig 35 % an der Stromproduktion ansteigen. Das zentrale Element dabei ist das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Darin wird unter anderem die Vergütung für Strom aus den verschiedenen regenerativen Quellen geregelt. Bis 2050 sollen die Erneuerbaren Energien den Hauptteil der Energieversorgung in Deutschland leisten (Quelle: AEE; BMU).

Film zum EEG: Die Geschichte des Erneuerbare-Energien-Gesetzes

Damit erneuerbare Energie auch produziert wird, gibt es beispielsweise die im EEG geregelte, garantierte Einspeisevergütung für Strom bis 2020. Wer regenerativen Strom produziert hat also die Sicherheit, dass dieser auch zu einem bestimmten, gesetzlich festgelegten Preis abgenommen wird. Damit sich Investitionen in diese Art der Stromerzeugung rentieren, legt die EEG-Umlage fest, dass der Differenzbetrag zwischen dem Börsenwert von Ökostrom und der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung auf alle Stromverbraucher umgelegt wird. Durch den stetigen Anstieg der Ökostromproduktion sinkt der Strompreis an der Börse (ein Prozess von Angebot und Nachfrage) und die Kluft zwischen Marktwert und gesetzlich festgelegter Vergütung von Ökostrom steigt an. Das führt dazu, dass die steuern- und abgabenfinanzierte EEG-Umlage ansteigt (von 3,5 Cent/kWh im Jahr 2012 auf 5,3 Cent/kWh im Frühjahr 2013; Quelle: tagesschau.de; BMU).

Das EEG ist durchaus umstritten. Die weitere politische Entwicklung bleibt abzuwarten.

Klimaschutz und Erneuerbare Energien

Wenn es um den Klimaschutz geht leisten die Erneuerbaren Energien einen wichtigen Beitrag, tragen sie doch zur Reduzierung von Luftschadstoffen und klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen bei.

Es lässt sich ermitteln, wieviel Treibhasugasemissionen bei der Erzeugung von Wärme, Strom oder Kraftstoffen aus regenerativen Quellen vermieden werden im Vergleich zu der Menge an Treibhausgasemissionen, die beim Einsatz fossiler Energiequellen angefallen wären (siehe Grafik). Die Menge an vermiedenen Emissionen ist im Stromsektor am größten, mit einem Anteil von über 86 Mio. Tonnen CO2. Im Bereich der Wärmeerzeugung sind es 39 Mio. Tonnen, während der Kraftstoff-Anteil eher gering ist und bei knapp 5 Mio. Tonnen liegt (Quelle: AEE; BMU). (3)

Durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die damit in Zusammenhang stehenden Innovationen und Energieeinsparungen wird sich ihr Beitrag zur Emissionen-Einsparung in Zukunft weiter steigern. Prognosen gehen von einer Senkung der Emissionen um 40 % (über 250 Millionen Tonnen) bis 2020 und 80 bis 95 % bis zum Jahr 2050 aus (Quelle: AEE; BMU).

Wer liefert den Ökostrom?

Anders als bei der konventionellen Energieerzeugung, die von wenigen Großkonzernen getragen wird, gibt es bei der regenerativen Energierzeugung dezentrale Strukturen und eine Vielzahl von Anbietern. In Deutschland wird beispielsweise der Ökostrom, in Form von Solar-, Biomasse- oder Windkraftanlagen zu einem großen Anteil von 42 % von Privatpersonen erzeugt. Neben sozialen und ökologischen Motiven profitieren diese Anbieter natürlich auch ökonomisch. Sie tragen zur regionalen Energieversorgung bei und sorgen gleichzeitig dafür, dass das Geld für die Energiekosten in der jeweiligen Region verbleibt. Das hat zahlreiche positive Nebeneffekte, wie zum Beispiel die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region oder die Möglichkeit der Re-Investition in weitere Projekte (Quelle: AEE). (4)

Erneuerbare Energien schaffen Arbeitsplätze und stärken den Industriestandort Deutschland

Der Arbeitsmarkt profitiert durch den Ausbau der erneuerbaren Energien – die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor steigt kontinuierlich an. Bis 2020 wird angestrebt, insgesamt 500.000 Arbeitsplätze zu schaffen. Die größten Arbeitgeber waren 2011 die Bioenergie mit circa 122.000 Arbeitsplätzen und die Solarenergie mit circa 125.000 Arbeitsplätzen. Insbesondere strukturschwache Regionen in Ostdeutschland profitieren von dem Ausbau erneuerbarer Energien. So arbeiten beispielsweise in Sachsen-Anhalt bereits 27 von 1000 Erwerbstätigen im Bereich der regenerativen Energietechnologien (Quelle: AEE). (5)

Damit werden die Erneuerbaren Energien für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger. Die Bio- und Umwelttechnologie zählt bereits zu den sechs wichtigsten Industriebranchen (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Stand 2011).

Derzeit werden 98 % des in Deutschland verwendeten Erdöls importiert sowie 87 % des Erdgases und 77 % der Steinkohle (Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Stand 2012). Durch den Einsatz erneuerbarer Energien verringert sich die Abhängigkeit von Deutschland und der EU insgesamt von der Einfuhr fossiler Energieträger (Quelle: Europe Direct).

Laut einer Studie der Prognos AG im Auftrag des Bundesverbands für Erneuerbare Energien und der Agentur für Erneuerbare Energien (Stand 2010) werden sich die jährlichen Investitionen durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2020 auf mehr als 28 Milliarden Euro verdoppeln und so das Wirtschaftswachstum auf nachhaltige Weise erhöhen (Epoch Times Europe GmbH, Stand 2011).

Innovationen im Bereich der Erneuerbaren Energien werden den Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftsfähig halten und neue Möglichkeiten in den Bereichen Export und Wachstum erschließen (Quelle: BMU). Die deutsche Wirtschaft spielt eine Vorreiterrolle bei den Erneuerbaren Energien und Effizienztechnologien, Deutschland hat sich zu einem Leitmarkt für diese Technologien entwickelt (Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung).

Gibt es eine Alternative zu den Erneuerbaren Energien?

Der Ausbau und die Nutzung erneuerbarer Energien sind nicht konfliktfrei. So können beispielsweise Wasserkraftanlagen das Ökosystem von Fließgewässern beeinträchtigen, Stromtrassen Landschaften zerschneiden oder Windkraftanlagen den Lebensraum von Vögeln stören und in einem Biomassekraftwerk fallen natürlich auch Abgase an. Im Vergleich zu Eingriffen in den Naturraum wie den Braunkohletagebau, Ölkatastrophen, die massive Beeinträchtigung der Atmosphäre durch die Verbrennung fossiler Biomasse oder die ungelöste Endlagerfrage von Atommüll scheinen viele dieser Probleme jedoch lösbar und durch eine verbesserte Beteiligung von Öffentlichkeit, Umweltverbänden und Anwohnern betroffener Gebiete in den Griff zu kriegen zu sein (Quelle: Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)).

Auch wenn alle Einwände gegen die Verwendung fossiler Energieträger in Bezug auf Umwelt- und Klimaschutz beiseitegeschoben würden, ist der Umstieg auf eine regenerative Energieerzeugung unumgänglich. Der einfache Grund ist die Endlichkeit der fossilen Brennstoffressourcen. Diese Endlichkeit gilt auch für Ressourcen die zur Nutzung von Atomkraft benötigt werden, insbesondere Uran. Laut einer Studie der BGR lag beispielsweise das verbleibende Potenzial an Erdöl Ende 2011 bei 585 Mrd. Tonnen, das des nicht-konventionellen Erdöls, das durch das sogenannte „Fracking“ förderbar wäre, bei 258 Mrd. Tonnen (Quelle: BGR).

Neue Technologien zur Förderung fossiler Brennstoffe, wie die Gewinnung von Erdgas und Erdöl aus Ölschiefer und Ölsanden („Fracking“), können das Problem der Endlichkeit der fossilen Energieressourcen nur vertagen. Auch die hierdurch nutzbaren Rohstoffvorkommen sind endlich und die Möglichkeiten einer bedarfsgerechten Förderung sind fraglich (Quelle: BGR). Dabei stellt sich außerdem die Frage, wie sinnvoll der Einsatz und die Erforschung neuer, kostenintensiver Fördertechniken ist bei den großen hiermit in Zusammenhang stehenden Umwelbelastungen und der zeitlichen Begrenztheit ihrer Nutzbarkeit.

Zu hohe Kosten für Erneuerbare Energien?

Die Kosten die aufgrund der Verschmutzung der Atmosphäre mit Luftschadstoffen aus der Verbrennung fossiler Energieträger (z.B. Feinstaub und Schwermetalle) und der globalen Erwärmung durch die Emission von Treibhausgasen (z.B. Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4)) entstehen sind bisher ebenso wenig zu ermitteln wie die Kosten, die noch durch die Lagerung von hochgiftigem Atommüll entstehen werden. Diese Kosten müssten in den Preis für konventionell gewonnene Energie einbezogen werden. So sind die Kosten für erneuerbare Energien insgesamt gesehen vermutlich geringer als die der konventionellen Energieerzeugung. Im Strompreis schlägt sich das bisher nur unzureichend nieder (Quelle: NABU).

Riesige Mengen an Subventionen sind in die Atomenergie geflossen, von 1950 bis 2010 mindestens 204 Milliarden Euro alleine in Deutschland (Quelle: Greenpeace). Auch die fossilen Energieträger wurden und werden gefördert, so flossen beispielsweise im Jahr 2010 weltweit 323 Milliarden Euro an Fördermitteln (Quelle: IEA). Das Kostenargument ist also kein haltbares Gegenargument gegen die Erneuerbaren Energien.

Die Zukunft ist erneuerbar!

Eine der Herausforderungen der Zukunft wird es sein, den Ausbau der regenerativen Energien besser mit dem der Stromnetze zu synchronisieren. Weitere wichtige Punkte bleiben zum Beispiel die Weiterentwicklung von Speichertechnologien für Energie, eine intelligente Steuerung von Stromverbrauch und Stromnetzen insgesamt, generelle Energieeinsparungen und Energieeffizienz oder auch das weitere Voranbringen der energetischen Gebäudesanierung.

Vor „blackouts“ und Versorgungslücken bei Windstille oder durch eine Wolkendecke, die von Kritikern immer wieder als Argument gegen erneuerbare Energien herangezogen werden, muss sich niemand fürchten. Die dezentralen Strukturen und diversen, sich ergänzenden Formen der Stromerzeugung werden die Versorgung mit Energie auch ohne konventionelle Energien in Zukunft sichern können. Grundlastfähig sind hier insbesondere die Bioenergie und Geothermie (Quelle: BMU).

Nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag von Greenpeace und dem European Energy Council von 2010 (EREC) ist es sogar möglich, Europa bis 2050 komplett aus erneuerbaren Energien zu versorgen und den Anteil der Erneuerbaren Energien bis dahin weltweit auf bis zu 80 % anzuheben.

Die Nutzung regenerativer Energien ist ökologisch, sozial und ökonomisch sinnvoll. Energie sparen, Häuser dämmen, Ökostrom beziehen und auf ÖPNV und Elektromobilität setzen sind nur einige Beispiele dafür, wie jeder einzelne zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung beitragen kann. Je schneller die konventionellen Energieträger verzichtbar werden, desto besser für das Klima, die Umwelt und die Gesellschaft.

Quellen und Links

Ariane Kujau/ RESET-Redaktion, 2013

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