Amazonien – Ein Überblick

Amazonien - auch bekannt unter der Bezeichnung Amazonasbecken - liegt im nördlichen Teil Südamerikas und wird aufgrund seiner Waldfläche von mehr als 550 Millionen Hektar (5,4 Millionen Quadratkilometer) als grüne Lunge unseres Planeten bezeichnet. Die wohl artenreichste Region der Welt beheimatet in seinen tropischen Regenwälder und im Amazonasstrom  mehr als ein Viertel aller bekannten Tier- und Pflanzenarten.

Autor Rima Hanano, 29.04.11

Amazonien – auch bekannt unter der Bezeichnung Amazonasbecken – liegt im nördlichen Teil Südamerikas und wird aufgrund seiner Waldfläche von mehr als 550 Millionen Hektar (5,4 Millionen Quadratkilometer) als grüne Lunge unseres Planeten bezeichnet. Die wohl artenreichste Region der Welt beheimatet in seinen tropischen Regenwälder und im Amazonasstrom  mehr als ein Viertel aller bekannten Tier- und Pflanzenarten.

Amazonien umfasst ein Gebiet das etwa 10 Mal so groß wie Frankreich ist und erstreckt sich über neun südamerikanische Staaten – wobei etwa zwei Drittel der Fläche zu Brasilien gehören. Der Rest der Region erstreckt sich über Französisch-Guayana, Surinam, Guyana, Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien. Kommerzielles und kulturelles Herz der Region ist die brasilianische Hafenstadt Manaus, Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas.

Amazonien ist Heimat für mehr als 20 Millionen Menschen, von denen nur noch ein kleiner Teil einem der 170 indigenen Völker angehört, die sich ihre traditionelle Lebensweise bewahren konnten. Der Großteil der Bewohner Amazoniens lebt von Wald und Fluss, als Fischer, Sammler oder Kautschukzapfer.

Dieser einzigartige Lebensraum ist bedroht und schrumpft von Jahr zu Jahr. Mit der Erschließung des Amazonas seit Beginn der 60er Jahre wird sowohl der Amazonasstrom als auch der Amazonas-Regenwald durch den Abbau natürlicher Ressourcen wie Holz, Gold, Erdöl und Erz oder Großbauprojekte unwiederbringlich zerstört.

Der Fluss der Flüsse

Der Amazonasstrom schlängelt sich nahezu 7000 km durch den ganzen südamerikanischen Kontinent – von den schneebedeckten Anden im Westen  durch das Amazonasbecken nach Osten bis zum Atlantik. Er ist der größte Strom unseres Planeten und bildet mit seinen über 1000 Nebenflüssen gleichzeitig auch das größte Flusssystem der Erde.

Große Städte sucht man am Amazonas bis auf wenige Ausnahmen vergeblich. Die Flussufer des Amazonas und seiner Seitenarme sind Heimat für traditionelle Flussbewohner und eine beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt. Während in den Flüssen Europas rund 500 Fischarten vorkommen, gibt es im Amazonasbecken weit mehr als 3000 Fischarten. Darunter der urzeitliche Pirarucu, der größte Süßwasserfisch der Welt, Piranhas, Zitteraale und der gefürchetete Candirú. Forscher vermuten, dass in den trüben Gewässern ca. weitere 3000 Fischarten bisher unentdeckt leben.

Die rosaroten Amazonas-Flussdelfine

Der Amazonas ist auch Heimat größerer Säugetiere wie den rosafarbenen Amazonas-Flussdelfinen, die von den Einheimischen Bufeo, Bugeo, Boto oder Tonina genannt werden. Um sie ranken sich die verschiedensten Sagen. In diesen Sagen werden z.B. Menschen, die ertrinken, zu Flussdelfinen. Die Tiere gehören zu den Zahnwalen und können eine Länge von zweieinhalb Metern erreichen und bis zu 180 kg schwer werden.

Die Amazonas-Flussdelfine sind bedroht und gehören laut der Roten Liste der IUCN zu den gefährdeten Tierarten. Goldwäscher verschmutzen das Wasser mit Quecksilber, intensive Fischerei schmälert die Nahrungsgrundlage der Tiere und neuere Beobachtungen zeigen, dass die Jagd auf Köderfleisch zur Haupttodesart der rosafarbenen Flussdelfine geworden ist. Mehr Informationen zu den Flussdelfinen bei der Organisation WDCS.

RESET unterstützt den Schutz der Flussdelfine mit einem Projekt, an dem du dich durch eine Spende beteiligen kannst.

Amazonas-Manatis, die bedrohte Meerjungfrau

Als bedroht gilt ebenfalls die Seekuh-Art Amazonas-Manatis (Trichechus inunguis), die aufgrund ihres Fleisches und Fettes eine beliebte Beute für Jäger darstellt. Über die sanften Seekühe ist wenig bekannt. Was man weiß ist, dass sie häufig in kleinen Gruppen, bis zu vier Meter lang und 1500 kg schwer werden können. Bis zu 50 kg Pflanzenkost frisst ein ausgewachsenes Tier am Tag.

Auch um diese sanften Riesen ranken sich Sagen und Legenden. So sollen sie Seemänner früher an Seejungfrauen erinnert haben – obgleich Amazonas-Manatis ausschließlich im Amazonas vorkommen. Mehr Informationen zu Amazonas-Manatis bei der Organisation WWF.

Die bedrohte grüne Lunge Südamerikas

Entlang des Amazonas und seiner unzähligen Nebenarme erstreckt sich der Amazonas-Regenwald – der größte tropische Urwald der Erde. Hier wurden laut WWF seit 2001 mehr als 1200 neue Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Wie viele Tier- und Pflanzenarten die Amazonasregion insgesamt tatsächlich beherbergt ist schwer zu schätzen. Forscher gehen davon aus, dass in Amazonien etwa ein Viertel aller bekannten Tier- und Pflanzenarten vorkommen.

Die Amazonas-Regenwälder nehmen eine Schlüsselrolle für das Weltklima ein. Noch heute ist in den Wäldern so viel Kohlenstoff gebunden, wie die gesamte Menschheit innerhalb von 10 Jahren in Form von Kohlendioxid freisetzt. Mehr zur Bedeutung für das Weltklima (pdf).

Vor allem Agrowirtschaft und Großprojekte wie z.B. die Errichtung neuer Staudämme bedrohen die Existenz dieses einzigartigen Paradieses, von dem in den letzten Jahren eine Fläche, die zweimal so groß wie Deutschland ist, unwiederbringlich zerstört wurde. Der WWF prognostiziert, dass in 15 bis 20 Jahren über die Hälfte des Amazonasregenwaldes verschwindet oder vertrocknet und sich unwiederrufbar in ödes Buschland verwandeln könnte.

Dies hat Folgen für die Artenvielfalt, für die lokale Bevölkerung und das Weltklima. Der bisher in den Wäldern gebundene Kohlenstoff wird dadurch als CO2 freigesetzt und belastet die Atmosphäre und damit das Klima.

Einen kleinen Einblick in das Leben und in die bedrohliche Lage eines indigenen Volkes, den Achuar, die im Amazonasgebiet zwischen Peru und Ecuador leben, gewährt die Organisation Amazonas Watch mit dieser Bilddokumentation.

Quellen und Links

Studie: Biosprit weniger nachhaltig als angenommen

Wie aus einer im Fachjournal „Nature Climate Change“ veröffentlichten Studie hervor geht, könnte Biokraftstoff bisher ungeahnte Nebenwirkungen haben. So werde der Anbau von nachwachsenden Biobrennstoffen zukünftig für Ernteeinbußen in der Landwirtschaft und bis zu 1.400 Todesfälle in Europa verantwortlich sein.

Biologische Vielfalt – Biodiversität

Bis zum Jahr 2050 werden 18% bis 35% aller Tier- und Pflanzenarten ausgestorben sein, so die Prognose einiger Wissenschaftler. Doch welche Auswirkungen hat der Verlust von Lebensräumen und Arten auf unser Ökosystem?