Im Sommer 2025 machen sich viele Internet-Communities über eine neue Funktion bei Google lustig: Automatisch generierte KI-Anworten sollen Suchende im Netz schneller zur benötigten Information bringen. Allerdings sind die Antworten in viel zu vielen Fällen falsch und versperren den Weg zu den eigentlich verlangten Suchergebnissen. Vielen fällt das aber gar nicht auf: Einer Studie zufolge steuern deutlich weniger Menschen die Google-Suchergebnisse an, wenn eine KI-Zusammenfassung präsentiert wird.
Was im Internet für ein paar neue Memes sorgt, ist laut dem Tech-Kritiker Ketan Joshi Teil eines größeren Symptoms. Denn in Zuge des KI-Hypes statten immer mehr Unternehmen ihre Dienste mit Funktionen aus, die auf unzuverlässigen Sprachmodellen beruhen. Wie wir in den letzten Monaten erkundet haben, sind diese Systeme zudem äußerst energiehungrig, verbrauchen Unmengen an Wasser und haben schwerwiegende Folgen für Menschen in Ländern im globalen Süden.
Und trotzdem: Der Weg vorbei an KI-Funktionen wird immer schwieriger.
Der „Walled Garden“ des Internets verblüht allmählich
Zugegeben: Es kann durchaus praktisch sein, alle seine Programme von einem Unternehmen zu beziehen. Google etwa bietet eine beeindruckende Anzahl an Diensten, die miteinander kompatibel sind. Nutzende können Dokumente hochladen und sie direkt via Mail freigeben. Oder Präsentationen direkt in ein kollaboratives Dokument einbinden und zusammen bearbeiten. Seit einigen Monaten hilft dabei auch Googles Sprachmodell Gemini weiter und fasst E-Mails zusammen oder versucht, direkt aus Dokumenten eine Präsentation oder gar einen Podcast zu erstellen.
Apple erlaubt es Nutzer:innen, Texte vom Smartphone zu kopieren und sie auf vermeintlich CO2-neutralen Desktop-Computern einzusetzen. Was auf der einen Seite viele Vorteile hat, geht aber auch mit einem großen Nachteil einher: In den letzten Jahrzehnten haben sich immer mehr geschlossene Systeme in der digitalen Welt entwickelt.

Kann man Googles KI-Zusammenfassungen deaktivieren?
Google selbst bietet keine Möglichkeit, die KI-Zusammenfassungen in den Suchergebnissen zu deaktivieren (Stand September 2025).
Allerdings gibt es zwei Möglickeiten, um die automatischen Antworten nicht mehr sehen zu müssen:
Einerseits kannst du zu einer alternativen Suchmaschine wie Ecosia oder DuckDuckGo greifen.
Andererseits gibt es einige Browser-Plugins, die das Antwortenfenster verstecken. Hierfür musst du lediglich „Hide Google AI“ im Plugin-Verzeichnis deines Browsers suchen.
Dabei ist allerdings fraglich, ob die Suchanfrage an Gemini nicht im Hintergrund stattfindet – wer aus ökologischen Gründen auf Nummer sicher gehen will, sollte daher eine grüne Suchmaschine nutzen.
Das Netz hat dafür schon einen Begriff gefunden: „Walled Garden“. Blühende Gärten, die von festen Mauern umschlossen sind. Diese können wir genießen, solange wir keine Dienste oder Geräte außerhalb von ihren Mauern benötigen. Wollen wir aber etwa ein Handy mit Android-Betriebssystem mit einem MacBook verbinden, stoßen wir gegen steinharte – wenn auch künstliche – Mauern.
Diese geschlossenen Ökosysteme schränken Nutzer:innen ein. Und sie werden auch dann zum Problem, wenn die Anbieter unserer Gärten plötzlich Änderungen vornehmen.
Tipp: KI-Bilder ausblenden mit neuem Plug-In
Neben KI-generierten Antworten schlagen Suchmaschinen inzwischen auch immer mehr KI-generierte Bilder vor. Die private Suchmaschine DuckDuckGo hat hierfür im Oktober 2025 eine neue Funktion nachgeliefert.
Nutzende können KI-generierte Bilder dabei gezielt von den Suchergebnissen ausschließen.
Realisiert wird das über quelloffene Blocklisten. Gegenüber Techcrunch sagte DuckDuckGo „Auch wenn es nicht 100% der KI-generierten Ergebnisse ausblendet reduziert [… die neue Funktion …] die Anzahl solcher Bilder deutlich.
Der aktuelle KI-Boom veranschaulicht das sehr gut. Nutzer:innen von Googles Onlinediensten haben kaum Möglichkeiten, Gemini nicht zu nutzen. Googles KI-Zusammenfassungen lassen sich nur über Browser-Plugins von Drittanbietern ausblenden. Wer sich möglichst CO2-sparsam durch das Web bewegen will, steht dadurch vor einem großen Dilemma.
Warum ist es problematisch, dass uns KI aufgedrängt wird?
Google veröffentlichte im August 2025 eine Studie zum Energieverbrauch ihres aktuellen Sprachmodells Gemini. In dieser untersucht das Unternehmen den Energieverbrauch einer einzelnen Suchanfrage an das System. Und deren Stromverbrauch ist wirklich äußerst gering. So gering, dass sie im Vergleich zu anderen Tätigkeiten im Alltag und im Netz tatsächlich zu vernachlässigen ist.
Ketan Joshi argumentiert allerdings, dass diese Betrachtung bewusst einseitig gehalten wurde. Erst einmal sei Googles Analyse sehr eindimensional. Denn sie konzentriere sich bewusst auf den sparsamsten Einsatz von Sprachmodellen. Gleichzeitig betrachtet Google nicht den Mittelwert, sondern den statistischen Median
„[Die Studie] liefert eine Schätzung der Auswirkungen einer einzelnen Textabfrage. Aber nicht nur das – sie konzentriert sich auf die Auswirkungen der „gemittelten“ Textaufgabe. Das heißt, aus der Gesamtmenge der an Gemini gesendeten Abfragen wurde diejenige ausgewählt, die in der Mitte liegt.“ – Ketan Joshi (maschinell übersetzt)
Google begründet den Einsatz des Medians anstelle des MIttelwerts damit, dass dieser die Auswertung vor Verzerrungen aufgrund von Extremwerten schütze. Statistisch gesehen ist das eine berechtigte Vorgehensweise. Und Google gibt auch durchaus an, dass die Datengrundlage verzerrt sei. Ketan Joshi kritiert jedoch, dass Google nicht verrät, in welche Richtung die Daten verzerrt seien und wie stark.
Ohne diese Angabe sei es äußerst schwierig, die präsentierten Ergebnisse richtig einzuordnen. Darüber hinaus sei es auch fragwürdig, sich bei der Betrachtung generell auf die energiesparsamste Aufgabe des Systems zu konzentrieren. Denn einfache Suchanfragen machen einen geringen Teil der Arbeit von Sprachmodellen aus. Und das liegt unter anderem daran, wie Google, Meta und Co. die Technologien präsentieren.
KI-Automatismen verstärken Ressourcenverbrauch von Sprachmodellen
Google selbst steuere den Fokus seiner KI-Funktionen stark auf die Generierung von Videoinhalten. Ein Einsatzszenario, das um ein Vielfaches mehr Rechenleistung benötige als das untersuchte Szenario der einzelnen Suchanfrage. Darüber hinaus würden viele Anfragen an Sprachmodelle wie Gemini nicht mehr aktiv, sondern passiv stattfinden.
Was uns zurück zur Beobachtung vom Anfang bringt: Immer mehr Ökosysteme in der digitalen Welt sind so gestaltet, dass wir sie nicht verlassen können. Gleichzeitig können wir sie nicht verändern oder individualisieren, da sie von einzelnen Unternehmen angeboten und entwickelt werden. Und genau die statten sie nun mit Funktionen aus, die auf einer unzuverlässigen, energiehungrigen und destruktiven Technologie beruhen.
Wer KI-Funktionen aus diesem Gründen sparsam nutzen will, so wie wir es auch in unserem Ratgeber erklärt haben, dem sind zunehmen die Hände gebunden.
KI-Hype zeigt: Wir müssen Open Source und dezentrale Dienste schützen
Digitale Souveränität bedeutet unter anderem, sich frei und selbstbestimmt im Internet bewegen zu können. Also auch, sich bei der Einführung neuer Systemfunktionen für oder gegen ein Programm oder einen Dienst zu entscheiden. Genau das funktioniert allerdings in den „Walled Gardens“ nicht mehr, in denen immer mehr Big-Tech-Unternehmen ein lukratives Geschäftsmodell finden.
Diese Entwicklung, die zwar nicht neu ist, aber mit dem KI-Boom eine neue Stufe erreicht, zeigt deutlich, wie wichtig Open-Source-Lizenzen, dezentrale Netzwerke wie Mastodon und demokratische Gemeinschaften im Internet sind.
Stellen wir uns die Integration einer potenziell schädlichen neuen Technologie in einer Software vor, die quelloffen gestaltet ist. Hier hätten Nutzer:innen die Möglichkeit, die kritischen Funktionen im Quellcode der Software zu löschen und somit eine angepasste Version anzubieten. Da die Software gemeinschaftlich zur Verfügung gestellt wird, könnten andere Interessierte auf die neue Variante umschwenken.
Ähnlich funktioniert das bei dezentralen Netzwerken. Andy Piper vom dezentralen Kurznachrichtendienst Mastodon ging im Gespräch mit RESET im April 2025 davon aus, dass dezentrale Netzwerke in Zukunft „keine energieaufwändige KI-Integration vollziehen werden.“ Diese Vermutung hat sich seither bestätigt. Und selbst wenn es KI-Funktionen in Mastodon, Pixelfed oder PeerTube geben würde, könnten Nutzende die Dienste entsprechend umgestalten und anpassen.
Gemeinschaftliche Software ist grundsätzlich über Open-Source-Lizenzen und das Urheberrecht geschützt. Allerdings sind sie gerade durch diese Ausrichtung vulnerabel, wenn große Unternehmen sie einnehmen.
Wie sieht eine grüne digitale Zukunft aus?
Elektroschrott, CO2-Emissionen durch KI, Wasserverbrauch von Rechenzentren – aktuell scheint die ungezügelte Digitalisierung nicht mit einem gesunden Planeten vereinbar. Doch es gibt viele Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung – wir haben sie recherchiert:
Das Betriebssystem Android ist beispielsweise als quelloffenes Betriebssystem gestartet und wurde von Google aufgekauft. Inzwischen erschwert Google Entwickler:innen aber immer mehr, eigene Versionen des Betriebssystem anzubieten. Ältere Smartphones weiter zu betreiben, wird dadurch immer schwieriger, wie uns der Verein Topio im Gespräch verriet.
Dank freier Lizenzen kann Software allerdings deutlich ressourcenschonender gestaltet werden. Sie sind einer der Schlüssel, um die Lebensdauer von Technik zu verlängern. Zusammen mit den besseren Anpassungsmöglichkeiten ergeben sich viele Vorteile, die Open-Source-Programme spannend machen.
In unserem Ratgeber zum Umstieg auf dezentrale Social-Media-Netzwerke erfährst du, wie du zu einer Alternative zu Instagram und Co. beitreten kannst. KI- und Big-Tech-freie Messenger gibt es ebenfalls und die ZOOOM-Initiative zeigt in Europa, wie sich geistiges Eigentum mit dem Open-Source-Gedanken verbinden lassen.

Dieser Artikel ist Teil des Dossiers „Digital und grün – Lösungen für eine nachhaltige Digitalisierung“, in dessen Rahmen wir Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung vorstellen. Wir danken der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für die Projektförderung!
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