(Kein) Verbranntes Gummi: Wohin mit all den alten Reifen?

Der Gummiteil von Altreifen wird zurückgewonnen und zu einer Reihe von neuen Produkten verarbeitet.

Rund 1,5 Milliarden Tonnen Reifen werden jährlich auf der ganzen Welt produziert - und genauso viele müssen auch irgendwann entsorgt werden. Die gute Nachricht: Sie treiben die Kreislaufwirtschaft voran.

Autor Ana Galán Herranz, 08.08.18

Wenn wir über Nachhaltigkeit und Transport sprechen, konzentrieren wir uns normalerweise auf die offensichtlichsten Aspekte: zum einen die Partikelverschmutzung, die von Auspuffrohren herrührt. Zum anderen die CO2-Emissionen, die bei der Verbrennung von erdölbasierten Produkten wie Benzin in Verbrennungsmotoren entstehen. Mobilität steht aber auch vor anderen Herausforderungen – etwa was das Thema ausgediente Reifen anbelangt. Jahrzehntelang wurden gebrauchte Reifen einfach auf Mülldeponien entsorgt oder verbrannt. Doch seit eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 1999 es verbietet, Reifen auf Deponien abzuladen, sind Innovationen notwendig geworden, um aus Altreifen etwas Neues zu machen. Von Sportschuhen bis hin zu Dachziegeln, hier sind einige Beispiele, wie Reifen Teil der Kreislaufwirtschaft werden:

… Fußballplätze und Laufbahnen

Eine Lösung, die es schon eine Weile gibt, ist, alte Reifen zu Gummigranulat zu zerkleinern. Dieses Granulat kann dann als Füllung in Kunstrasen auf Fußballfeldern oder als leicht federnder, stoßdämpfender Bodenbelag für Leichtathletikbahnen und sogar Kinderspielplätze dienen.

…und Schuhe

In den letzten Jahren haben einige Schuhmarken in ihren Designs Altreifen verwendet. Xinca, ein argentinisches Startup, arbeitet mit alleinerziehenden Müttern und Gefängnisinsassen zusammen, um Schuhe mit Sohlen aus abgenutzten Reifen herzustellen. Ecoalf ist eine andere Marke, die aus Reifen Schuhe – Flip-Flops – macht, ohne Verdichter, Chemikalien oder Klebstoffe zu verwenden. Hier wird der der Prozess erklärt:

… als Schallschutzwände

In Tschechien verwandelt die Designfirma mmcité+ alte Reifen in Lärmschutzwände – Wände, die entlang von Bahnschienen oder der Autobahn befestigt sind, um den Fahrzeuglärm zu reduzieren. Vier Reifen können dabei einen Quadratmeter Wand ergeben.

Auch in der spanischen Stadt Granada wurde in einem Projekt Gummi zu Straßenbahnschienen hinzugefügt, um den Lärm der vorbeifahrenden Straßenbahnen und die Vibrationen zu reduzieren.

… Straßenschilder und Straßenoberflächen

Das Reifenrecycling-Unternehmen Gomavial produziert nicht nur Schuhe, sondern verwandelt das Gummi von abgenutzten Reifen auch in haltbare, recycelbare Straßenschilder – um 1.000 Schilder herzustellen, werden 250 Reifen recycelt.

Das Mischen von Asphalt und „Gummigranulat“ erzeugt auch etwas, das gummierter Asphalt genannt wird. Dieser kann als Straßenoberfläche verwendet werden. Dabei wird die Elastizität und Geräuschabsorption der Straßenoberfläche genutzt und die Sicherheit bei nassen Straßen erhöht.

… als langlebiger Baustoff

Tests haben ergeben, dass Beton durch den Zusatz von Polymerfasern von Reifen widerstandsfähiger wird. Außerdem wird der CO2-Fußabdruck der Reifenindustrie kleiner und – da Zement ein großer Verursacher von Treibhausgasen ist – sinken auch die Emissionen der Bauindustrie.

Auch in erdbebengefährdeten Regionen könnten recycelte Reifen einen zusätzlichen Vorteil bieten. In Ecuador hat die Studentin Pamela Hidalgo eine Möglichkeit gefunden, aus recyceltem Gummipulver Kacheln herzustellen – ein Produkt, das sowohl billiger als auch leichter ist als herkömmliche Dachbaustoffe. Dies könnte Schäden als Folge von natürlichen Phänomenen wie Erdbeben senken .

Eine Alternative zur konventionellen „Nehmen, Nutzen, Entsorgen“ -Mentalität: Hier könnt ihr mehr über die Kreislaufwirtschaft erfahren!

Dieser Artikel ist eine Übersetzung von Jasmina Schmidt. Das Original erschien zuerst auf unserer englischsprachigen Seite.

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