Kann KI die Welt verbessern?

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Microsoft
Beim Microsoft KI-Festival 2019 in Berlin kamen Expert*innen und Interessierte für den Austausch und neue Impulse zusammen.

Die Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) ist umstritten. Oftmals sehen Menschen zuallererst Risiken und Herausforderungen. Doch KI hat auch das Potenzial die nachhaltige Entwicklung zu stärken.

Autor RESET , 12.04.19

Inwieweit können unsere Gesellschaft und das Ökosystem von KI-Technologien profitieren? Wie kann KI sinnvoll in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz eingesetzt werden? Unter dem Motto „Erde an KI…!?“wurde beim KI-Festival von Microsoft innovative Lösungsansätze vorgestellt. Im besonderen Fokus des Festivals standen dabei die drei Themenwelten Arbeit, Gesundheit und Umwelt. So kann KI u.a. eingesetzt werden, um Umweltrisiken zu kontrollieren, Entwicklungsarbeit zu unterstützen oder Ressourcen sinnvoller zu nutzen.

Auch RESET war vor Ort und hat die Augen nach innovativen Projekten aus den verschiedensten Bereichen offengehalten, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz einen nachhaltigen Nutzen erreichen wollen. Besonders spannend fanden wir die folgenden Projekte:

  • Child Growth Monitor ist ein Projekt der Welthungerhilfe und soll Mangelernährung bei Kindern feststellen helfen, die sonst nur sehr schwer erkennbar ist. Die eigens entwickelte Smartphone-App, bisher als Prototyp, nutzt Augmented Reality in Kombination mit künstlicher Intelligenz. Mithilfe eines 3D-Scans können Gewicht und Größe von Kindern bestimmt und Unterernährung sofort erkannt werden. Die Daten sind anschließend für Mitarbeiter*innen der Welthungerhilfe über die Cloud verfügbar. „Wir möchten es schaffen, dass ab 2030 niemand mehr auf der Welt Hunger leidet. Um dieses Problem zu lösen, können neue digitale Technologien, Big Data und künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle spielen“, so Jochen Moninger von der Welthungerhilfe.
  • Breeze Technologies bietet eine Echtzeit-Überwachung der Luftqualität. Miniatur-Luftqualitätssensoren erkennen Schadstoffe – zum Beispiel Ruß, Stickoxide, Ozon, Feinstaub usw. Diese Technologie soll helfen, die lokale Luftqualität zu bewerten und Emissionsquellen zu identifizieren.
  • Das Startup we4bee beginnt in diesem Jahr mit der Bereitstellung von 100 Hightech-Bienenstöcken (vorrangig in Deutschland) und dem Aufbau eines weltweiten Netzwerkes zur Datenerfassung- und -analyse. Durch die Bereitstellung der speziellen Bienenstöcke, soll das Wissen und das Verständnis um die Wichtigkeit der Honigbiene erkannt und verbreitet werden.
  • Das australische Landwirtschaftsunternehmen The Yield soll die Anbaubedingungen in der Landwirtschaft erleichtern und verbessern. Es werden AgTech-Sensoren eingesetzt, welche Analysen, Prognosen und intelligente Lösungen über den richtigen Anbau erfassen sollen. In Form einer App können Landwirtschaftsunternehmen Daten verwalten und sich einen Überblick über Wetterbedingungen, Ressourcenverbrauch und Lösungsansätze verschaffen.
  • Wild Me untersucht Wildtiere und versucht Wege zu finden, um vor dem Aussterben bedrohte Tiere schützen zu können. KI wird in Form von Drohnen, komplexen Bilderkennungsalgorithmen, Analysen und Datenerfassung von Wissenschaftlern angewendet. Dadurch soll das Aussterben von Tieren weltweit erkannt und bekämpft werden.
© Sheena Stolz / RESET.org Beim KI-Festival wurden innovative Projekte aus verschiedensten Bereichen präsentiert.

Interessant ist auch ein Blick auf die Kampagne #Makeyourwish, bei der Menschen dazu aufgerufen sind, Wünsche und Ideen einzubringen, wie KI für eine bessere Welt genutzt werden kann und diese mithilfe von Entwickler*innen und KI-Expertinnen auch umzusetzen. Hier zeigt sich, wie viele Möglichkeiten es gibt, KI nachhaltig einzusetzen: Von einer intelligenten Stauvorhersage, die den CO2-Ausstoß senken und Luftqualität in Städten verbessern soll, bis zu einem intelligenten Reiseplaner, wobei KI eine umweltfreundliche und preiswerte Planung mit Car-Sharing, ÖPNV und Taxis vornimmt.

Das Projekt „KI für Pflanzen“ gewann den ersten Preis der Kampagne und kann nun durch Fördergelder und Technologien verwirklicht werden. Das Ziel ist es Ernteausfälle zu vermeiden, Pflanzen optimal zu pflegen und auf diese Weise Hunger zu bekämpfen. Geplant ist es, mit dem Smartphone fotografierte Pflanzen mit KI zu analysieren. Die Anwendung soll Schädlinge erkennen, Farbe und Zustand der Pflanze auswerten und Empfehlungen an Kleinbauern und Selbsterzeuger geben.

Kann also KI die Welt verbessern? Die Antwort darauf wird wohl noch auf sich warten lassen. Natürlich hat Microsoft ein Interesse daran, den Menschen die Scheu vor Künstlicher Intelligenz zu nehmen. Die im Rahmen des KI-Festivals vorgestellten Startups und Ideen zeigen auf jeden Fall großes Potenzial, für eine nachhaltigere Gestaltung der Welt. Damit KI, Big Data und Co. jedoch tatsächlich „for good“ eingesetzt werden können, braucht es einen Ansatz, bei dem nicht die wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund stehen, sondern eine nachhaltige Perspektive. Und nicht zuletzt müssen die mit den neuen Technologien verbundenen ethischen Fragestellungen mitgedacht und in der Gesellschaft diskutiert werden.

Wie kann KI im Umwelt- und Klimaschutz wirkungsvoll eingesetzt werden? Welche spannenden Projekte gibt es? Was sind die sozial-ökologischen Risiken der Technologie und wie sehen Löungen aus? Antworten und konkrete Handlungsempfehlungen geben wir in unserem Greenbook(1) „KI und Nachhaltigkeit – Können wir mit Rechenleistung den Planeten retten?“.

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