Jenga Green Library will Kenias Gebäude mit nachhaltigen Lösungen umgestalten

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Ein mangelndes Bewusstsein, zu hohe Preise und schwer zugängliche Informationen behindern nachhaltiges Bauen in Kenia. Die Jenga Green Library könnte hier Abhilfe schaffen.

Autor Joseph Maina:

Übersetzung Sarah-Indra Jungblut, 04.12.23

In der kenianischen Baubranche kommen allmählich Nachhaltigkeitsaspekte an und Verbraucher*innen zeigen zunehmend ein Interesse daran, das Thema grünes Bauen in ihren Gebäuden umzusetzen.

Die schwierige Zugänglichkeit und hohe Preise haben jedoch die Einführung von umweltfreundlichen Baumaterialien in Kenia und anderen Teilen Afrikas behindert. Aufgrund des allgemein fehlenden Bewusstseins ist es zusätzlich schwierig, mehr Menschen für grüne Bautechnologien zu gewinnen, wie Expert*innen festgestellt haben.

Um die Lücken zu schließen und die Zugänglichkeit zu den Technologien zu verbessern, hat ein kenianisches Startup einen digitalen Marktplatz geschaffen, der dabei helfen soll, eine Kultur des grünen Bauens zu fördern, während er gleichzeitig wichtige Verbindungen zwischen Verbraucher*innen und Dienstleistern herstellt. Die Plattform Jenga Green Library wurde als zentrale Anlaufstelle konzipiert, um die gesamte Lieferkette nachhaltiger Bauprodukte und -dienstleistungen vorzustellen. Die interaktive Plattform ist kostenlos und will Lieferant*innen, Händler*innen, Dienstleistungsanbieter*innen und Berater*innen für nachhaltiges Bauen zusammenbringen. „Indem sie diese Fachleute und Organisationen der Branche zusammenbringt, fördert die Bibliothek die Zusammenarbeit, den Wissensaustausch und die Innovation, wodurch ein lebendiges Ökosystem und ein Geschäftsmodell für nachhaltiges Bauen entstehen“, heißt es in einer Fallstudie von Jenga Green.

Der Begriff „Jenga“ ist Suaheli und bedeutet übersetzt „bauen“. Der Ausdruck „Jenga Green“ ist daher eine Aufforderung, grüne Baupraktiken als eine Möglichkeit zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in unserer gebauten Umwelt zu übernehmen.

Die Jenga Green Library, die online und als App verfügbar ist, soll die Verwendung kohlenstoffarmer Materialien fördern, um Abfall und Umweltverschmutzung beim Bau zu reduzieren. Außerdem ermöglicht sie Bauherr*innen, Verbraucher*innen, Hausbesitzer*innen und Stadtplaner*innen, umweltfreundliche Unternehmen zu finden, die Nachhaltigkeit unterstützen.

Die Bibliothek umfasst aktuell mehr als 160 Produkte und über 20 Dienstleister*innen und hat mehr als 600 Nutzende. Entstanden ist Jenga Green in Zusammenarbeit zwischen der Kenya Green Building Society (KGBS), einer gemeinnützigen und mitgliederbasierten Organisation, die sich in Kenia für ökologisch nachhaltige Gebäude einsetzt, und der Financial Sector Deepening Kenya (FSD Kenya), einer unabhängigen Stiftung für ein integratives Finanzsystem.

„Das Wichtigste sind die Möglichkeiten, die diese Plattform eröffnet“, sagte Ted Otieno, Vorsitzender von KGBS. „Sie erschließt mehrere Branchen und Kreisläufe und hilft gleichzeitig, den Planeten zu retten.“

In Bezug auf das Potenzial grüner Gebäude sagte Otieno, dass 40 Prozent der Ressourcen und des Verbrauchs auf das Bauwesen entfallen, sodass nachhaltige Praktiken in der gebauten Umwelt unabdingbar sind. „Grüne Gebäude sind ein Gebot der Stunde. Es ist keine Option. Es ist etwas, das wir alle in der Bauindustrie nutzen sollten“, sagt er.

Durch die Schaffung eines offenen Marktplatzes hilft die Plattform Bauherr*innen und Hausbesitzer*innen bei der Auswahl langlebiger und klimafreundlicher Gegenstände und Materialien. Dies, so die Entwickler*innen, sei ein entscheidender Aspekt der Kreislaufwirtschaft und der Nachhaltigkeit in der Bauindustrie.

Ziel der Entwickler war es auch, den politischen Entscheidungsträger*innen Empfehlungen für die Umsetzung eines Kreislaufmodells in der Bauindustrie zu geben. Laut KGBS sind grüne Gebäude unumgänglich, um die im Pariser Abkommen festgelegten globalen Klimaziele zu erreichen.

Grüne Gebäude verbrauchen nachweislich deutlich weniger Wasser und Energie, und durch die Einbeziehung der natürlichen Umgebung treten die Gebäude wieder in Kontakt mit der Natur. Eine australische Studie hat nachgewiesen, dass Gebäude mit grüner Zertifizierung bis zu 62 Prozent weniger Emissionen erzeugen. Zudem hat eine Studie des Weltwirtschaftsforums gezeigt, dass die Produktivität in solchen Umgebungen verbessert wird.

Gebäude sind ein CO2-Schwergewicht: Das Bauen, Wärmen, Kühlen und Entsorgen unserer Häuser hat einen Anteil von rund 40 Prozent an den CO2-Emissionen Deutschlands. Unsere Klimaziele erreichen wir nur, wenn diese Emissionen massiv gesenkt werden.

Wie aber gelingt die nachhaltige Transformation der Gebäude und welche Rolle spielen digitale Lösungen dabei? Das RESET-Greenbook gibt Antworten: Gebäudewende – Häuser und Quartiere intelligent transformieren

In die Jenga Green Library werden nur eindeutig umweltfreundliche Dienstleistungen oder Produkte aufgenommen. Dazu müssen potenzielle Anbieter*innen die Materialdatenblätter ihrer Produkte, Materialien und Dienstleistungen übermitteln, die dann vom technischen Team des Unternehmens bewertet und nach erfolgreicher Bewertung in die Datenbank übernommen werden.

Bei der Überprüfung werden die bereitgestellten Informationen mit verschiedenen Prüfkriterien abgeglichen, wie u. a.:

  • Baumaterialien: Die Bibliothek möchte Baumaterialien auflisten, die in Bezug auf den Energieverbrauch bei der Herstellung, die einfache Installation, die Wärme- und Schalldämmung usw. besser abschneiden als vergleichbare herkömmliche Produkte.
  • Energieeffizienz: Die Prüfer suchen nach gebäudebezogenen Produkten und Dienstleistungen, die zur Verringerung des Energieverbrauchs in der bebauten Umwelt beitragen, und zwar durch weitgehend aktive Maßnahmen, verbesserte Leistung von Geräten, Systemen und Dienstleistungen sowie durch bessere Kontrollen.
  • Umweltqualität in Innenräumen: In dieser Kategorie werden Bauprodukte und Kontrollstrategien aufgeführt, die die Umweltqualität in Innenräumen durch eine gute Raumluftqualität, verbesserte Belüftung und thermischen Komfort verbessern. Die Verwendung von Produkten und Materialien mit einem geringen Anteil an flüchtigen organischen Verbindungen und einem hohen Anteil an recycelten Materialien wird ebenfalls gefördert.
  • Erneuerbare Energien: Die Prüfer*innen ziehen integrierte Systeme zur Erzeugung erneuerbarer Energien vor Ort oder außerhalb des Standorts für eine Aufnahme in das Verzeichnis der Produkte und Dienstleistungen für umweltfreundliches Bauen in Betracht.
  • Standort- und Umweltschutz: Hier geht es darum, Produkte auszuwählen und aufzulisten, die möglichst geringe negative Auswirkungen auf Gewässer, Flora und Fauna haben.

Das Fehlen von Datenblättern ist ein wesentliches Hindernis für die Einführung einiger Produkte auf der Plattform, insbesondere bei vielen lokalen Produkten.

Trotz des relativ langsamen Wachstums des nachhaltigen Bauens in dem ostafrikanischen Land gibt es Anzeichen dafür, dass immer mehr Verbraucher*innen ein zunehmendes Bewusstsein dafür haben. In Kenias schnell wachsenden urbanen Zentren wird der Bedarf an grünen Gebäuden besonders deutlich, vor allem angesichts der klimabedingten und wasser- und energiebezogenen Herausforderungen. Die Zahlen zeigen, dass die Akzeptanz von grünen Gebäuden in Kenia zunimmt.

Die Chancen stehen also gut, dass Jenga Green Library zu einer wertvollen Unterstützung für einen nachhaltigen Baumarkt in Kenia werden kann.

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