Islamische Republik Afghanistan

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Jeder Mensch, der nach 1979 in Afghanistan geboren wurde, hat noch nie den Frieden erlebt: In den 80er Jahren litt die Bevölkerung unter dem Stellvertreterkrieg der Sowjetunion und den USA, das kommunistische Regime des Landes (nur durch die militärische Stärke der Sowjetunion möglich) durch die von den USA finanzierten und von Pakistan aus operierenden Mudschaheddin zu stürzen.

Autor Jenny Louise Becker, 07.10.08

Jeder Mensch, der nach 1979 in Afghanistan geboren wurde, hat noch nie den Frieden erlebt: In den 80er Jahren litt die Bevölkerung unter dem Stellvertreterkrieg der Sowjetunion und den USA, das kommunistische Regime des Landes (nur durch die militärische Stärke der Sowjetunion möglich) durch die von den USA finanzierten und von Pakistan aus operierenden Mudschaheddin zu stürzen. Nachdem dies 1992 gelungen war, entbrannte ein heftiger Bürgerkrieg zwischen verfeindeten Stämmen der Mudschaheddin, der 1995 duch die radikal-islamischen Taliban, ebenfalls von Pakistan aus, durch die Etablierung einer menschenrechteverachtenden Gewaltherrschaft beendet und durch ein Terrorregime ersetzt wurde. Da die Taliban arabisch-sunnitisch geprägt sind, unterdrückten sie vor allem die persisch-stämmigen Ethnien und die Frauen. Seit 2001 bis heute leidet Afghanistan unter dem Stellvertreterkrieg der USA gegen den „internationalen Terrorismus“.

Lage und Bevölkerung

Afghanistan liegt zwischen dem Iran (Persien), Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, der VR China und Pakistan und hat etwa 30 Millionen Einwohner.  Die Hauptstadt ist Kabul im Osten des Landes mit etwas über 3 Millionen Einwohnern. Sie ist das ökonomische und kulturelle Zentrum des Landes.  Aufgrund der wilden, unzugänglichen Gebirsgregionen, die einen Großteil Afghanistans ausmachen, hat sich in dieser Region eine sehr heterogene Bevölkerung verschiedenster Ethnien etabliert, die sich unabhängig voneinander entwickelte und durch die willkürliche Grenzziehung der Kolonialmacht Großbritannien im Jahre 1880 unter eine Zentralregierung gestellt wurde.

Die Mehrheit stellten jedoch bereits mehrere hundert Jahre die Paschtunen im Süden (heute 40 Prozent), auf die der Name Afghanistans auch zurückgeführt wird (dazu unten mehr). Sie sprechen Paschtu. In Zentralafghanistan leben die persisch sprechenden Hazara (20 Prozent), die als minderwertige Kaste angesehen werden, im Norden die Usbeken, ein Turkmenenvolk (5 Prozent) und die Tadschiken (30 Prozent), mit ebenfalls perischen Abstammung.  50 Prozent der Bewohner Afghanistans sprechen Persisch, 35 Prozent Paschtu und die restlichen 15 Prozent Usbekisch, Turkmenisch, Belutschisch und verschiedene Dialekte. In Afghanistan werden schätzungsweise mehr als 57 verschiedene Sprachen und über 200 verschiedene Dialekte gesprochen).

Namensgebung

Der Name Afghanistan bedeutet wörtlich „Land der Afghanen“ und wurde bereits im 16. Jahrhundert in einem regional begrenzten Sinn erwähnt. Das Wort Afghane ist hierbei nicht im modernen Sinne als Staatsbürger Afghanistans zu verstehen, sondern bezog sich speziell auf das Volk der Paschtunen, die im persischen und indischen Raum als „Afghanen“ bekannt sind. 1801 wurde der Name Afghanistan im Anglo-Persischen Friedensvertrag im Zusammenhang mit den paschtunischen Siedlungsgebieten zum ersten Mal erwähnt. Eine sehr alte Bezeichnung für ein im heutigen Afghanistan liegendes Gebiet ist Kabulistan. Bis vor ca. 2000 Jahren regierten Könige in Ghazna, die als Kabulschahi (Könige von Kabul) bezeichnet wurden. Der am Hofe von Sultan Mahmod von Ghazna (alte Bezeichnung von Ghazni, ca. 180 km von Kabul entfernt) wirkende Dichter Firdausi schrieb vor über 1000 Jahren sehr viel von Kabulistan, auch Zabulistan war ein gängiger Begriff. Der wohl bekannteste historische Name dieser Region ist Khorasan, der über viele Jahrhunderte hinweg für die islamische und persische Blütezeit stand. Der Norden und Westen des heutigen Afghanistans waren bedeutende Gebiete des historischen Khorasan. (Wikipedia)

Islam und Stellung der Frau in Afghanistan

Der Islam in Afghanistan ist über die Jahrhunderte von den Afghanen sehr konservativ ausgelegt worden, wobei das Stammesrecht der Paschtunen eine Rolle gespielt hat. Vor allem in Städten und größeren Orten gehen Frauen meist nur mit Ganzschleier (Burqa) aus dem Haus. Allerdings wurde sie nur in größeren Städten allgemein üblich. Auf dem Land war die Burqa nicht verbreitet, da sie etwa bei der Feldarbeit hinderlich ist. Die Taliban verpflichteten Mitte der 1990er-Jahre alle Frauen zum Tragen einer Burqa. Bei den Tadschiken und den anderen Volksgruppen war diese Tradition bis dahin nicht allgemein gültig. Die Burqa-Pflicht wurde 2001 offiziell wieder aufgehoben, aber die Burqa bleibt weiterhin die gewöhnliche Kleidung für Frauen. Einzig in Kabul gibt es Orte, an denen sich Frauen unverschleiert zeigen dürfen (zum Beispiel ein Frauenpark in Kabul). Nur wenigen Frauen ist es erlaubt, sich ohne männliche Begleitung in der Öffentlichkeit zu bewegen. Übergriffe gegen Frauen sind in Kabul und anderen größeren Städten nicht selten – obwohl die Lage zumindest hier durch ausländische Truppenpräsenz einigermaßen stabil ist. Unter den Taliban war Frauen die Berufstätigkeit verboten. Da es durch den Krieg allein in Kabul etwa 30.000 Witwen gab, waren diese völlig auf sich allein gestellt. Vielen blieb nichts anderes übrig, als zu betteln. (Wikipedia)

Deutschlands finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau

Führungsnationen der ISAF-Schutztruppen (Wiederaufbauteams, PRT) (CC BY-SA 2.5) via Wikipedia

Deutschland stellt Afghanistan 2008 insgesamt 170,7 Millionen Euro für den zivilen Wiederaufbau zur Verfügung. Damit steigert die Bundesregierung ihre Unterstützung gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent. Schwerpunkte der Arbeit sind bespielsweise Demokratisierung, Bildung, Wasserversorgung, Kultur und wirtschaftliche Entwicklung. Ein weiterer Fokus ist die Stärkung des Sicherheitssektors. So wurden die Mittel zur Unterstützung der afghanischen Polizei im Vergleich zu 2007 auf 35,7 Millionen Euro knapp verdreifacht. Das zivile Gesamtengagement Deutschlands beträgt damit bis zum Jahr 2010 rund 1,1 Milliarden Euro (über 1,5 Milliarden US-Dollar). In 2012 wurde ein Abkommen über die bilaterale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Afghanistan beschlossen. Nach 2014 plant Deutschland ca. 150 Mio. Euro pro Jahr für die Finanzierung der afghanischen Sicherheitskräfte auszugeben. (Auswärtiges Amt)

Der Krieg gegen den Kommunismus und der „Krieg gegen den Terror“…

Jeder Mensch, der nach 1979 in Afghanistan geboren wurde, hat noch nie den Frieden erlebt:
In den 80er Jahren litt die Bevölkerung unter dem Stellvertreterkrieg der Sowjetunion und den USA, das kommunistische Regime des Landes (nur durch die militärische Stärke der Sowjetunion möglich) durch die von den USA finanzierten und von Pakistan aus operierenden Mudschaheddin zu stürzen. Nachdem dies 1992 gelungen war, entbrannte ein heftiger Bürgerkrieg zwischen verfeindeten Stämmen der Mudschaheddin, der 1995 duch die radikal-islamischen Taliban, ebenfalls von Pakistan aus, durch die Etablierung einer menschenrechteverachtenden Gewaltherrschaft beendet und durch ein Terrorregime ersetzt wurde. Da die Taliban arabisch-sunnitisch geprägt sind, unterdrückten sie vor allem die persisch-stämmigen Ethnien und die Frauen.

Seit 2001 bis heute leidet Afghanistan unter dem Stellvertreterkrieg der USA gegen den „internationalen Terrorismus“. Der Krieg in Afghanistan nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Die Zahl der zivilen Opfer, die den Anschlägen des afghanischen Widerstandes sowie den regelmäßigen Angriffen der NATO-Kampfflugzeuge zum Opfer fallen, steigt von Tag zu Tag. Insgesamt sind dem Krieg am Hindukusch seit dem Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten schätzungsweise bis zu 50.000 Menschen zum Opfer gefallen.

Mittlerweile häufen sich kritische Stimmen, die die Frage stellen, ob so Demokratie und Menschenrechte, Wiederaufbau und Entwicklung nach westlichem Muster aussehen und fordern eine Beendigung des NATO-Einsatzes. Eine weitaus bessere und nachhaltigere Lösung wäre statt einem Kriegseinsatz die Fortführung der Mission der UNO im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen unter Einbindung neutraler, vorrangig islamischer Länder. Der Frieden in Afghanistan scheint leichter erreichbar, wenn versucht wird, mit friedlichen Mitteln die Herzen und Köpfe der Afghanen gewinnen!

Quellen und Links

afghanistan1960ies
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Friedlich – Afghanistan in den 1960ern

"Im Jahre 1967 lies sich der damalige Dozent der Arizona State University, Dr. William Podlich, für zwei Jahre beurlauben und nutze diese Zeit um im Rahmen der UNESCO an der Hochschule in Kabul zu lehren. Seine Frau Margaret sowie seine beiden Töchter Peg und Jan, begleiteten ihn auf seine Auslandsabenteuer nach Afghanistan.

Wege zum Frieden in Afghanistan

Am Samstag und Sonntag fand in Bonn der Kongress "Wege zum Frieden in Afghanistan" statt. Es nahmen über 300 Menschen, davon über 100 Exilafghanen und einige hochrangige, prominente afghanische Politiker teil. Für mich war es die erste Gelegenheit, intensiv die afghanische Perspektive auf den Konflikt kennenzulernen.