Interview: Wie man sich von Googles Browser-Monopol befreit

Liest du diesen Artikel in Google Chrome? Dieses Interview mit Andy Davies von Wholegrain Digital könnte dich dazu bewegen, den Browser zu wechseln. Erfahre mehr über nachhaltige Alternativen zu Googles Monopol.

Autor*in Kezia Rice:

Übersetzung Sarah-Indra Jungblut, 30.03.26

2006 wurde das Wort „ to google“ in das Merriam-Webster-Wörterbuch aufgenommen, mit der Definition: „die Google-Suchmaschine nutzen, um Informationen im World Wide Web zu erhalten.“ Es ist klar, dass ein Produkt allgegenwärtig geworden ist, wenn es in unserem Wortschatz den Status eines Verbs erreicht.

Da die Marke Google mittlerweile gleichbedeutend mit der Internetsuche ist, überrascht es nicht, dass der Tech-Riese am 8. August 2024 von der US-Regierung des Monopols beschuldigt wurde. Über 70 Prozent der Internetnutzer:innen wählen Chrome als ihren Webbrowser, was auf eine unbestreitbare Marktdominanz hindeutet. Und wenn ein Produkt den Markt kontrolliert, ist es leicht, Preise zu erhöhen oder es Konkurrenten unmöglich zu machen, sich durchzusetzen. Mehr noch: Würde dieses Produkt plötzlich seine Dienste einstellen, stünde die Mehrheit der Bevölkerung im Regen.

Was bedeutet ein Monopol wie das von Google für Internetnutzer:innen? Und welche nachhaltigen, ethischen Browser-Alternativen gibt es? Darüber haben wir mit Andy Davies, freiberuflicher Webentwickler und Curiously Green Manager bei der nachhaltigen Webagentur Wholegrain Digital, gesprochen.

RESET: Das US-Justizministerium hat entschieden, dass Google ein Monopol ist. Warum sollten Nutzer:innen besorgt sein?

Andy Davies: Ich denke, Nutzer sollten sich vor allem dann Sorgen machen, wenn keine sinnvollen Maßnahmen aufgrund des Urteils ergriffen werden. Im Wesentlichen hat das Justizministerium festgestellt, dass unsere Fähigkeit, selbst zu entscheiden, wie wir mit dem Internet interagieren, durch Google ausgehöhlt wird. Google besitzt zu viele der Plattformen, die wir in unserem Alltag nutzen. Das Unternehmen nutzt die Daten, die es über die Suche, Gmail, GSuite, YouTube und Chrome sammelt, um seine Monopolstellung zu sichern. Manche würden argumentieren, dass diese Datenerfassung Google ermöglicht, bessere kostenlose Dienste anzubieten. Aber sie sind nicht kostenlos; es ist nur so, dass die Kosten für uns als Nutzer weniger greifbar sind als eine Abonnementgebühr.

Ich sehe die Sorge darin, dass Google eher in seinem eigenen Interesse handelt als im Interesse seiner Nutzer. Es ist zwar ein Klischee, das zu erwähnen, aber wenn das Unternehmensmotto immer noch „Don’t be evil“ wäre, hätten die Nutzer vielleicht weniger Bedenken.

Ein neuer Open-Source-Index will das Suchmonopol aufweichen

Mit dem Ziel, „das Silo einer einzigen Suchmaschine aufzubrechen“, erstellen Professor Michael Granitzer und das Team des OpenWebSearch-Projekts einen Open-Source-Index von Webseiten.

Im Interview berichtet Michael, wie der Index entsteht und warum er ein „freies, unvoreingenommenes Internet“ für Nutzer:innen schaffen wird.

Was sind die wichtigsten Aspekte bei der Wahl eines Browsers? Welchen Browser würdest du empfehlen?

Ich persönlich achte auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen nützlichen Funktionen, Datenschutz und Leistung. Ich nutze Firefox mit angepassten Datenschutzeinstellungen und Erweiterungen, um die beim Surfen gesammelten Daten auf ein Minimum zu beschränken. Als Webentwickler habe ich festgestellt, dass Firefox mir einen besseren Zugriff auf Entwicklertools ermöglicht als Chromium-basierte Browser wie Vivaldi oder Brave. Andere mögen anderer Meinung sein, aber bei diesem Thema geht es darum, das Recht auf Wahlfreiheit auszuüben!

Ich finde, dass Firefox mir die richtige Balance bietet, aber andere Nutzer haben andere Anforderungen. Ich bin mir auch der symbiotischen Beziehung zwischen Mozilla und Firefox bewusst. Mein Rat ist, neugierig zu sein und andere Optionen außerhalb von Chrome und Safari auszuprobieren.

Alternativen zu Google – mit unserem Leitfaden zu nachhaltigen Suchmaschinen

Von CO₂-intensiven KI-Übersichten über lückenhaften Datenschutz bis hin zu einer Flut von Anzeigen – die Wahl einer Suchmaschine, die deine Suchanfragen einfach beantwortet, ist schwieriger denn je. Glücklicherweise haben wir einen praktischen Leitfaden zusammengestellt.

Wenn ein Nutzer oder eine Nutzerin den Browser wechselt, würdest du empfehlen, auch die Suchmaschine und den Cloud-Speicher zu wechseln? Wie interagieren diese Webdienste miteinander?

Ja, ich denke, es lohnt sich, alle genutzten Plattformen eines Unternehmens zu prüfen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Oft nutzen wir unsere Standardplattformen für E-Mail, Suche und Surfen schon seit Jahren oder sogar Jahrzehnten. Wir haben sie vielleicht ohne groß nachzudenken ausgewählt, und die Unternehmensphilosophie der Betreiber hat sich im Laufe der Zeit wahrscheinlich verändert.

Der Wechsel weg von diesen Plattformen kann zeitaufwändig und knifflig sein. Dennoch können und sollten wir selbstbestimmt entscheiden, wie und wo wir unsere Zeit online verbringen. Nur weil etwas knifflig oder zeitaufwändig ist, heißt das nicht, dass es sich nicht lohnt. Unternehmen wie Google sind darauf angewiesen, dass wir Bequemlichkeit über Reibungsverluste stellen, um ihre Position zu sichern. Nehmen wir die Suche als Beispiel. Die Google-Suche auf eine bestimmte Art und Weise zu nutzen, kann manchmal nützlichere Ergebnisse liefern als DuckDuckGo oder Ecosia. Aber das bedeutet nicht, dass sie die Standardwahl sein sollte.

nachhaltige Digitalisierung

Wie sieht eine grüne digitale Zukunft aus?

Elektroschrott, CO2-Emissionen durch KI, Wasserverbrauch von Rechenzentren – aktuell scheint  die ungezügelte Digitalisierung nicht mit einem gesunden Planeten vereinbar. Doch es gibt viele Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung – wir haben sie recherchiert:

Du hast in einem Artikel erwähnt, dass Werbung in Browsern zu mehr Konsum führt. Gleichzeitig verwenden einige Browser, wie Ecosia oder Wave Browser, ihre Gewinne für Baumpflanzungen oder Reinigungsaktionen unserer Meere. Wie siehst du das, ist Surfen mit oder ohne Werbung besser?

Allgemein gesagt ist die Verwendung von Werbeeinnahmen für wohltätige Zwecke besser, als wenn sie in Unternehmensgewinne fließen. Ich neige jedoch zu der Ansicht, dass wir alle sowohl online als auch offline viel zu vielen konsumorientierten Botschaften ausgesetzt sind und es besser wäre, wenn wir viel weniger davon sehen würden. Ich bin nicht naiv; ein vollständig oder überwiegend werbefreies Internet würde enorme strukturelle und finanzielle Veränderungen erfordern und wahrscheinlich stark schrumpfen. Ich sehe das nicht unbedingt als etwas Schlechtes an, aber ich sehe auch die Nachteile davon.

Letztendlich kommt es auf die Balance an. Ein Großteil des heutigen Surferlebnisses ist darauf ausgelegt, maximale Möglichkeiten für Werbung zu bieten. Soziale Feeds werden algorithmisch gesteuert, um Werbung und gesponserte Beiträge zu schalten. Suchergebnisseiten (SERPs) gewichten bezahlte Ergebnisse immer stärker. Und die Nutzerinteraktion wird sorgfältig maximiert und ausgenutzt, um mehr Werbung und Werbeaktionen zu ermöglichen. Das Internet wurde als Werkzeug zur Vernetzung und Informationsbeschaffung konzipiert. Ich würde mir wünschen, dass sich die Dinge wieder in diese Richtung entwickeln und weg von der Allgegenwart von Werbung, Algorithmen und bezahlten Werbeaktionen.

Andy, vielen Dank für das Interview!

dbu-logo

Dieser Artikel ist Teil des Dossiers „Digital und grün – Lösungen für eine nachhaltige Digitalisierung“, in dessen Rahmen wir Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung vorstellen. Wir danken der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für die Projektförderung!

Du willst keinen Artikel zum Thema verpassen? Dann abonniere unseren Newsletter oder RSS-Feed und folge uns auf Mastodon, Bluesky oder LinkedIn!

Die Open-Source-KI SUSTAIN-AI ECG schließt die Lücke in der Herzversorgung

Sustain AI hat ein Open-Source-KI-Tool entwickelt, das Ärzt:innen unterstützt und den Zugang zur Kardiologie in Äthiopien verbessert.

Neuer Report: „Die KI, die dem Klima hilft, unterscheidet sich stark von der KI, die viel Energie verbraucht“

74 Prozent der Behauptungen über die Klimavorteile von KI seien unbewiesen, stellt der Report "The AI climate hoax" fest. Besonders problematisch: Kleine Anwendungen mit tatsächlichem Klimanutzen dienten dazu, große umweltschädliche Anwendungen zu rechtfertigen. Die Verfasser:innen fordern daher eine differenzierte Betrachtung.

Der Klimawandel wird aus US-Nationalparks verbannt. „Save our Signs“ setzt auf Crowdsourcing gegen das Vergessen

Unter Trumps Regierung werden in Nationalparks Schilder und Ausstellungen entfernt, die auf den Klimawandel, Umweltschutz oder Ungleichheiten hinweisen. Die Initiative "Save our Signs" archiviert sie im digitalen Raum.

Mit einem offenen Suchindex gegen das Monopol: Interview mit Michael Granitzer von OpenWebSearch

Ein freier, objektiver Zugang zur Suche im Internet: Das ist die Vision des OpenWebSearch-Projekts. Ein offener Suchindex soll das Realität werden lassen.

Wie man trotz KI-Hype grüne Suchmaschinen findet

Von einer Flut an Werbung bis hin zu KI-Übersichten – die Wahl einer datenschutzorientierten, klimafreundlichen Suchmaschine kann schwierig sein. Hier ist unser praktischer Leitfaden.

Internetblockade im Iran: Mit Snowflake kannst du Menschen trotzdem Netzzugang ermöglichen

Mit Snowflake kannst du den Menschen im Iran helfen, die strenge staatliche Internetzensur zu umgehen, ohne deine Daten oder Sicherheit zu gefährden.

Teilnehmer:innen in einem Kurs des Kwale Tech Hubs
© Kwale Tech Hub
Kwale Tech Hub verbessert die digitalen Kompetenzen marginalisierter Gemeinschaften an der Küste Kenias

Die Einführung der Schulungsprogramme von Kwale Tech Hub ist ein Meilenstein in den ländlichen Küstenregionen Kenias: Die Jugend kann damit an der wachsenden Tech-Wirtschaft des Landes teilhaben.

donation campaign header (1)
© RESET
Das RESET-Team hat gewählt: Das sind unsere inspirierendsten Artikel des Jahres 2025

Digital, nachhaltig, konstruktiv – darum geht es eigentlich in allen unseren Artikeln. Dennoch: Auch uns inspirieren manche Artikel besonders. Hier ist unsere Best-of-Auswahl aus diesem Jahr.